Malreingehen – Conjuring

Geht in den Film, wenn Ihr Euch gruseln wollt.

Geht  in den Film, wenn Ihr alle 5 Minuten vor Schreck zusammenzucken wollt.

Geht in den Film, wenn Ihr unverbrauchte  Schauspieler sehen wollt.

Geht in den Film, wenn Ihr auf 70er Jahre Mode, bling bling  und lange Wollstrickjacken steht.

Geht in den Film, wenn Ihr auf das süßliche Klischee einer vielköpfigen amerikanischen Großfamilie steht, die im Auto Kanon singt.

Geht in den Film, wenn es Euch nicht zu viel ist,  „Der Exorzist“, „Die Vögel“, „The sixth sense“ und „Amityville“ in einem zu sehen.

Geht in den Film, wenn Ihr als Kind gerne verstecken gespielt habt.

Geht nicht in den Film, wenn Euer Kleiderschrank im Schlafzimmer steht.

Geht nicht in den Film, wenn Ihr einen Keller besitzt.

Und mehr…

Heute auf dem Weg zur Arbeit. Beim stundenlangen Warten an der roten Ampel blicke ich auf eine Plakatwand daneben.

Darauf wirbt ein dicker Braunbär mit Kochschürze und weißer Mütze   für den Bärengrill: „Sie rufen an -der Bär bringt’s ran!“ .  Gefällt mir, ich mag Bären.

Darüber eine große gelbblaue Werbung für den Getränkemarkt  Dursti.  „Getränke und mehr…“

Aaaargghhh! Meine Nackenhaare richten sich auf.Wie ich es hasse. Jeder meint, hinter seine Berufswerbung noch ein „mehr“ kleben zu müssen. Getränke und mehr…, Architektur  und mehr.., Friseur  und mehr…, Fliesen und mehr… Fitness und mehr

Und diese  unsäglichen dämlichen drei Pünktchen dahinter. Dieses pseudoversprechende, nichtssagende, verbal sinnlose, hirnverstopfende „mehr„. Krieg`ich dann eine Massage, wenn ich einen Kasten Köpi oder Fiege kaufe? Mir reichen schon die Wasserwaagen zu jedem Köpikasten. Oder bekomme ich beim Heizungsinstallateur frische Gelnägel als „mehr„?

Ich will kein mehr. Ich will einen Bierkasten oder einen  Haarschnitt. Nicht mehr. Ohne mehr. Danke.

Biete – Suche

In unserem klinikeigenem Intranet gibt es die Rubrik: Biete – Suche. Hier wird alles angeboten. Wirklich alles.

Beim Stöbern merke ich, dass ich auf dem Land arbeite.

Hier wird ein Beistellpferd angeboten: Ein brauner Wallach, der Quassel heißt, sehr lieb, absolut herdenverträglich und  noch leicht geritten werden kann.  Das Wort Beistellpferd habe ich erst hier gelernt.  Genau wie Rotbunt Vieh. Bis jetzt kannte ich nur Beistelltisch.

Darunter möchte Schwester Dunja von Station 5  drei Meerschweinchen, die Flutschfinger, Nogger und Capri heißen, in gute Hände abgeben.

Eine Zeile tiefer  kann man eine Schubkarre Pferdemist als Dünger für 10 Euro erstehen.

Jemand vom Controlling verscherbelt seine gesamte Einrichtung mit Fotos. Nee, das will ich nicht sehen. Trotzdem gucke ich hin, wie bei einem Auffahrunfall. Fieser Schrank in Nußbaum.

Der arrogante Chirurg verkauft einen Wohnwagen (der und Wohnwagen??).

Die indische Schwester Greeny sammelt wieder Woll-und Kerzenreste.

Frau Florian von der Zentrale möchte ein Seniorenbett für 100 Euro abgeben. Die Mutter ist gestorben.

Schwester Hanne gibt ihr Hochzeitskleid ab, Größe 40.  Der Ehemann hat sich von ihr getrennt.

Der Anästhesist will für seinen alten VW Jetta  300 Euro haben. Surfbrett inklusive.

Unten werden Biertische vom letzten Schützenfest preiswert abgegeben.

Abklatsch vom Leben, Mikrokosmos:  Biete – Suche.

Guerilla Knitting

Was ist Guerilla Knitting? Um es kurz zu machen: Eine Belästigung für meine Augen, angerichtet von gelangweilten Hausfrauen in der Menopause.

Es werden hier unschuldige alte Bäume in kreischend bunten Farben bestrickt.  Liebe nadelschwingende Frauen: Nur weil ihr etwas gut findet, müsst ihr andere nicht mit Eurem K(r)ampfstrick belästigen. Ich liebe weiß-silberne oder braune Baumrinde. Aber keine pink-gelb-blau- geringelten Wollwürste daran. Der kleine schwarze Terrier von gegenüber hat übrigens gestern an Euren mühsam umhäkelten  Laternenmast gepinkelt. Wahrscheinlich Schockblase.Guter Geschmack der Kleine!

Umhüllt doch bitte  Euren Fernseher, euren wehrlosen Gatten oder macht PC Kurse für Senioren. Was Sinnvolles halt.  Aber lasst mich und Eure Umwelt bitte mit der Kampfstrick Kunst in Ruhe.

Danke.

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Liebe Straßen.NRW,

lieber Herr Pagenkopf, Herr Austmeyer, Herr Pudenz (wozu benötigt der Landesverband drei Geschäftsführer?),

durch Ihre vorauschauende und intelligente Baustellenplanung  haben Sie es mir ermöglicht, auf der A40 jeden Tag auch in den Ferien noch ein Stündchen länger zu verweilen.

Dafür ein dickes Danke schön! Ich nehme endlich mit 40.000 anderen Fahrern am Sommer teil, rieche CO Gase, betrachte die grüne Natur an der A40 und den popelnden Fahrer neben mir. Ohne Sie wäre das nie möglich gewesen! Auch mit meinem Tankwart bin ich endlich per Du und besitze die goldene Kundenkarte. Endlich!

Die Webcam in Höhe Ausfahrt Essen-Holsterhausen, in der man auch zu Hause den Stau gemütlich beobachten kann, ist  eine äußerst sinnvolle,  innovative Einrichtung. Chapeau dafür. Das zeigt Unternehmergeist!  Auch die zeitgleich neue  A40 Baustelle in Mülheim Dümpten macht mir richtig Spaß. Es ist schön,  im ersten Gang zu entschleunigen.

Zu guter Letzt noch ein großes Lob  an die Stadt Oberhausen. Der Beschluß, auch die Mülheimer Strasse  zu sperren,  war  richtig und gut. Ich sehe so endlich die Stadtteile, die ich in Oberhausen stets vernachlässigt habe.

Herzliche Grüße von der A40!

Anna-chie

Kiosk

Kioske sind überlebenswichtig,  jedenfalls hier im Ruhrgebiet. Jedenfalls früher. Lakritzschnecken, Brausepulver, Eßpapier, Capri Sonne, Bild Zeitung,  Wieisset, Wasmachsdu? Es umgibt sie ein Hauch und Geruch von Sozialromantik. Meint man. Heute umgibt sie häufig nur ein Geruch von sieben Tage nicht gewaschen und 3,2 Promille morgens um acht Uhr. Mühsam bahne ich mir den Weg durch einen Pulk eher nicht so vertrauenswürdiger Männer in verschwitzen gelben Unterhemden um Kaugummi zu kaufen. Um letzten Endes 20 Minuten hinter einer Frau zu warten, die   im Bremsstreifen  Jogger mit ungekämmten Nesthaaren ihren Einkauf dort erledigt  zum stolzen Preis von 45 Euro.

Auf dem Weg zur Arbeit fahre ich an einem Kiosk in Kray Leithe vorbei.  Staune, wie voll es da schon um sieben Uhr ist. Horden von Handwerkern versperren mit ihren Scheiß  Sprintern die Kreuzung, Ein-und Ausfahrten um Brötchen und Kaffee zu tanken. Häufig sind auch  um die Uhrzeit die schon angegrauten Plastikstapelstühle besetzt. Kanne Bier auf dem Tisch. Ich gucke dann immer biestig aus dem Auto und überlege, wieso ich arbeiten gehe. Wahrscheinlich um nicht auf dem Stapelstuhl zu enden.

Es gibt eine einfache Regel. Kioske  mit Stühlen meide ich, die ohne sind in Ordnung. Mein Lieblingskiosk ist der auf der Krayer Strasse am Südbad.  Mit seinem   bärtigen lebenserfahrenem Besitzer, der ein T-Shirt trägt mit dem Aufdruck: Kiosk ist Kult. Und tollen Kaffee kocht. Und leckere Brötchen Sonntags verkauft. Und mir das alte Kioskgefühl zurückgibt.

Machmallauter – Weekend – Schatz, Du Arschloch

Ich mochte ihn nie, aber mit diesem Lied und diesen Sätzen hat er mich doch gekriegt!

„Natürlich können meine Kumpels dich leiden
Die kommen nur nicht mehr zu Besuch zu uns beiden
Weil wir sind so schlecht mit dem Bus zu erreichen
Und vielleicht auch, weil du sie beleidigst
Ich frag mich häufig: Womit hab ich so ein Glück verdient?
Das ist wie lebenslanger Urlaub – im Bürgerkrieg
Ich glaub, ich sollte besser lieb zu dir sein
Du bist nicht dick, nein, deine Jeans sind gemein“

There´s nowhere to hide

Die TV Licency ist das britische Pendant zur deutschen GEZ. Jedoch extremer, unverholener. Nach dem Motto: Vor uns versteckt sich keiner!

Wer in England einen Fernseher kauft. muß bei der Zahlung seine Adresse angeben.  Diese Daten gehen dann gleich an die TV Licency. Einige  schlaue Engländer umgehen diese Fußfessel.

David (an der Kasse mit einem neuen Grundig Fernseher).

Verkäufer: „Geben Sie mir bitte ihren Namen und ihre Adresse?“

David: „Joseph Schicklgruber.“

Verkäufer: „Buchstabieren Sie bitte?!“

David: „J-O-S-E-P-H“

Verkäufer: „Nein, den Nachnamen!“

David buchstabiert den Nachnamen. Dreimal. Der Verkäufer gerät ins Schwitzen.

Verkäufer: „Ist das Deutsch?“

David: „Ja, mein Großvater war Österreicher!“

Verkäufer: „Ahhh, ja in Österreich habe ich schon mal Urlaub gemacht.“

Weiter geht es mit der Adresse:

David: „Market Cross 19, Mandela Flat 13, Foula, Shetland Islands.“

Der Verkäufer stutzt, wird mißtrauisch: „Auf den Shetland Inseln wohnen Sie?“

David: “ Ja, ja,  London ist mir zu laut und unruhig.“

Verkäufer, lauernd: „Geben Sie mit den ZIP Code?“

David (ist vorbereitet): “ ZE2 9PN“

Geschafft!

Funktioniert übrigens auch mit Frederick Flintstone, Dan Tisst, John Gleur.

TV

Kleinfunk

Britisches  Radio und Rundfunkstationen gibt es selbst auf den kleinsten Inseln im weißrotblauen Union Jack Königreich.

Ein witziges Beispiel ist die Shetland Islands Broadcasting Company kurz SIBC genannt. 

Ein Auszug aus den heutigen aktuellen Nachrichten:

Ein grünes Mountainbike wurde vom Nathan Wood Spielplatz entwendet. Wer es sieht, bitte den Eigentümer anrufen unter 12345678. Aber bitte erst nach 14 Uhr, denn bis dahin ist Victor noch in der Schule.

Weiter geht es mit:

Auf dem Gehöft von Farmer Carter  wurde heute ein kleines Lamm geboren. Die Mutter Dolly ist wohlauf.

Die Telefonzelle in der Churchstreet ist defekt und wird bis Freitag repariert.

Gefolgt von einem Aufruf für den Kirchenbasar am Samstag mit der Bitte  Kuchen zu backen.

In dieser Woche wurden 1200 Boxen Weiß Fisch gefangen, sehr gute Quote.

Zum Schluss wird noch Mrs. Weller gratuliert, die heute 80 Jahre alt wird. Sie feiert heute ab 16 Uhr. Der Besuch wird gebeten durch die Hintertür zu kommen, da die vordere Tür gestern frisch gestrichen wurde.

Heile Inselwelt!

Das Ende vom Lied

Episode 1:

Heute auf der Visite, Zimmer 2.
Ein 83jähriger Patient, liegt im Bett, absolut immobil. Mir ist allerdings nicht klar wieso. Er meint, dass er vor einer Woche noch gelaufen sei. Ich gucke mir die dünnen atrophischen Beine an. Und finde das unwahrscheinlich.
Es klopft. Die 20 Jahre jüngere Ehefrau in einem bunten Sommerkleid segelt herein. Ich frage sie, wann ihr Mann zuletzt  gelaufen sei.
Sie (winkt ab): “ Ach, der ist schon seit Jahren nicht gelaufen! Hat Pflegestufe 2 seit fünf Monaten. Er geht mit dem Rollator zum Klo, maximal!“

Er (prostestiert): „Stimmt gar nicht!“
Sie: „Erzähl nix. Du bist noch nie gerne gelaufen. Sogar zum Bäcker bist du damals immer mit dem Auto gefahren. Und der war nur eine Minute entfernt. Und mussest  direkt davor parken. Du hast dich nie gerne bewegt!!

Er (wütend, bekommt einen schmalen Mund): „ Hab ja auch lange genug für Dich gearbeitet!  Wolltest ja immer weit weg in den Urlaub. War dir ja nichts gut genug!“

Die Stimmen werden lauter. Dem ist nichts hinzufügen. Ich entferne mich aus dem Zimmer.

Episode 2:

Gestern beim Italiener (der mit dem leckeren Pfirsich Prosecco).
Moni und ich sitzen draußen. Noch bestimmt zehn Tische  frei.

Es tapert ein älteres Ehepaar heran. Sie hat die  schicke Ausgeh Bluse an und trägt die guten Ohrringe. Er die Trekking Sandalen mit Klettverschluss an den ödematösen Füßen. Dazu eine graue Autofahrer Hose.

Sie möchte gerne neben dem großen Olivenbaum sitzen.

Er: „Nee, da kommt doch die Sonne rüber.“

Gut.  Die Frau steuert einen Platz neben dem Oleander an.

Er: „Nee, da sieht uns kein Kellner!“

Weiter geht das Tischroulette.

Auch der Tisch neben dem Eingang ist nicht genehm. Zu viele Gäste, die an dem Tisch vorbei laufen könnten!

Das Ende vom Lied:

Er will drinnen sitzen. Sie gibt  seufzend nach. Guckt ihn an wie saure Milch. Die guten Ohrringe hängen traurig runter.

Das Ende vom Liebeslied.