WordPress

Ganz ehrlich? WordPress fand ich früher gut. Ein simples Tool, mit dem ich schnell schreiben konnte.

Konnte. Genau, Vergangenheit.

Ich schreibe einen Artikel.

Will ihn sofort veröffentlichen. Klicke auf Sofort veröffentlichen.

Der Artikel wird als „geplant“ eingeordnet.

Nein, ich will ihn sofort sehen.

Stelle ihn als Entwurf wieder ein. Drücke auf Veröffentlichen. WordPress schweigt und reiht ihn wieder in die Planung.

Stelle den Artikel in den Papierkorb und dann als Entwurf. Egal.

Stelle die Uhrzeit um. WordPress interessiert das nicht.

Stelle den Gutenberg Editor aus. Was solls, denkt sich WordPress.

Schreibe den Artikel komplett neu. WordPress lacht nur hämisch.

Gebe auf.

Nach 82 Minuten veröffentlicht WordPress meinen Artikel. Dreimal.

Der Sturm

Januar 2020: Frohes Neues Jahr usw. Es wird ein gutes Jahr. Ich bin mir sicher. Aber was weiß ich denn schon?

Februar 2020: Mein Glücksklee, den mein Papa mir jedes Jahr schenkt, läßt jetzt schon die Blätter hängen. Magisches Denken mag ich ja nicht. Ich gieße weiter. Mit Erfolg. In China soll es eine Corona Welle geben. Die Chinesen bauen wie verrückt Krankenhäuser.

März 2020:

  • Tag 1: Der Hintereingang des Krankenhauses wird gesperrt. Der Sturm wird kommen sagt man uns.
  • Tag 2: Große Roll ups werden aufgestellt: Nur noch ein Besucher/pro Tag/pro Patient.
  • Tag 3: komplettes Besuchsverbot.
  • Tag 4: Mundnasenschutz für alle. Meine Nachbarn klatschen alle um 21 Uhr. Einer spielt „We will survive“.
  • Tag 5: Mundnasenschutz nur für noch sensible Bereiche.
  • Tag 5: Cafeteria macht komplett zu.
  • Tag 6: Wir bekommen to go Essen. Am Zaun hängt ein Laken auf dem steht: Ihr seit Helden. Mache ein Selfie von mir mit Mundnasenschutz.
  • Tag 7: Und nun gibt es auch warmes Essen wieder.
  • Tag 8: Die Cafeteria verkauft jetzt auch Toilettenpapier und Mehl. Bekomme einen riesigen Pickel auf der Nase vom Mundnasenschutz tragen. Der Sturm wird kommen sagt man uns.
  • Tag 9: Wir fahren die Belegung runter, die Stationen verwaisen. Wir  warten auf Corona Patienten. Meine Nachbarn klatschen nicht mehr. Der Sturm wird kommen sagt man uns.
  • Tag 8 bis 30: Wir warten immer noch. Vier Coronapatienten liegen auf der Peripherie und werden morgen entlassen.Der Sturm wird kommen sagt man uns.
  • Tag 31: Die Geschäftsleitung fordert uns auf jetzt Urlaub zu nehmen. Weil die Zahlen nicht gut sind. Die Belegung zu gering.  Der Sturm wird kommen sagt man uns.

April 2020:

Tag 1: Das Laken am Zaun liegt im Schlamm. Mein Nachbar ist zu Hause. Kurzarbeit.

 

 

 

 

 

Rückblick

Wie war 2019? Gutes Jahr, bin viel gereist, habe viel gesehen. Dublin, Belfast, Highlands, Loch Lomond, Loch Lochy (heißt wirklich so). Und es war „mein“ Jahr. Ich war mein Projekt. Abgenommen, immer regelmäßig zum Friseur, Augenbrauen undso. Eine Tonne an neuen Klamotten bestellt. Und deshalb kaum zum bloggen gekommen.

Und die Frisur? Braun, ein bißchen heller, sonst wie immer.

Etwas verloren? Ja, 20 Kilo und den Glauben an eine gescheite Politik in Deutschland.

Etwas gewonnen? 30 Euro im Lotto und die Fähigkeit, Kollegen nicht als Freunde zu sehen.

Was zum ersten Mal gemacht? Staatsexamen geprüft, einen Vortrag über Robotik gehalten, mir Ohrringe aus New York gekauft. In Grün. Und zu Amazon Locker bestellt, klappt super.

Was nie wieder machen? Ich glaube, ich kann nicht mehr Aquarell malen. Ist nicht schön geworden.

Was hat Dich erschreckt? So einiges. Eigentlich bin ich aus dem Schrecken nicht mehr herausgekommen. Sehe demnächst einen Ökokommunismus auf mich zukommen mit Einteilung von Auto und Fahrzeiten, Strom nur noch an geraden Tagen und Internetzeiten, gestaffelt natürlich. Ach ja, und bei der Gesundheitsreform wird klammheimlich die Zeit, in der eine Schwangere ein Krankenhaus erreicht soll auf 40 Minuten erhöht. Und Herzinfarkte auf 30 Minuten. So kann man Selektion auch betreiben.

Was könntest du Dir vorstellen? Auszuwandern. Die Ärztekammer im nächsten Jahr zu verklagen. Ich warte seit drei Monaten auf eine Unterschrift. Manhabesovielzutun.

Dein Motto für 2019 war?: Arbeite weniger, reise mehr.

Dein Motto für 2020 ist? Reise noch mehr.

Und ganz ehrlich: Das Block System in WordPress ist wirklich der letzte Rotz. 🙂

Batterie

Ein Beitrag aus der Kategorie: „Kunden im Gesundheitssystem“. Oder: „Ich habe gedacht, ich hätte schon alles gesehen.“

Meine Assistentin sitzt vorne am Schreibtisch und korrigiert einen Arztbrief. Aus Zimmer 3 schießt der arrogante Sohn von Herrn M., 1 Bett mit Chefarzt versichert. Baut sich vor dem Tresen auf. Zieht einen kleinen runden knopfgroßen Gegenstand aus der Hosentasche. Reicht ihn meiner überraschten Assistenten: „Können Sie die mal entsorgen?“ Sie guckt: „Ein Knopf?“

„Nein, es ist die Batterie. Aus dem Hörgerät von meinem Vater. Ist leer.

Und er drückt sie ihr in die Hand. Verschwindet.

Meine Assistentin ist fassungslos. Wirft die verkrustete Batterie in den Müll. Wäscht sich angeekelt die Hände.

Alles für unsere Kunden.

Ungebraucht

Meine Kollegen, nun ja:

Kollege 1: Ein Kopf kleiner als ich. Im Kontakt passiv aggressiv gereizt ( ich kann nichts dafür, dass du nicht mehr die Nummer 1 bist Kleiner *Kopftätschel*). Bedenkenträger. Entscheidet. Aber nicht heute, nicht morgen und auch nicht übermorgen. Das treibt die Therapeuten und das Controlling in den Wahnsinn. Die natürlich dann mich anrufen. Er isst langsam in der Kantine. Und arbeitet im gleichen Schneckentempo. Aber es hat Prinzip. Keiner beauftragt ihn mit irgendwas.

Kollege 2: Arrogant. Selbstbewusst. Blond, schmale Brille. Denkt, dass er alles kann. Hält einem 93jährigen Patienten einen Riechtest unter die Nase um Parkinson auszuschließen. Übersieht leider, dass Herr M. 40 Grad Fieber und einen strammen Blutzucker von 700 mg/ dl. hat. Nervt meine Sekretärin damit er chinesische Kunstdrucke für sein Zimmer bekommt. Und seine Arzthosen müssen gekürzt werden. Zweimal. Um sein Gehalt hat er schon mehrfach nachverhandelt. Keiner von meinen Assistenten will mit ihm arbeiten. Er korrigiert die Arztbriefe in rot und capslock Größe 40.

Ich gucke mir beide kopfschüttelnd an. Mir fällt der Spruch ein: Kollege abzugeben, Topzustand. Ungebraucht.