Kollegen

 

Es gibt verschiedene Kollegentypen

  1. Der Chaot: Er arbeitet von halb sieben morgens bis halb sieben abends. Leider ohne jegliche Effizienz. Ständig überlastet. Er verbreitet Chaos, wo er geht, steht und sitzt. Unzählige kleine teils selbst getöpferte Kaffeetassen zieren seinen Schreibtisch. Ein Schreibtisch? Nein, er hat zwei Schreibtische. Die er mit Papieren übersät. Studien, die er alle nochmal lesen will. Was er nie tun wird.  Er liebt die Natur, bestellt sich zwischendurch Birkenstämme im Internet für sein Wohnzimmer. Er hat es geschafft, seine Zugangsberechtigungen für sämtliche Zimmer zu löschen. Der EDV ist es ein Rätsel. Ihm auch. Er kommt nun in kein Zimmer mehr. Für die nächsten drei Tage.
  2. Der Gottesanbeter: Steter Freund vom Chef.  Man duzt sich, kennt sich und kommt aus einem Stall. Man redet viel, analysiert, beguckt sich das Problem.  Und entscheidet letzten  Endes falsch. Es werden viele Probleme gesammelt. Schnittstellenprobleme. Um mal mit den Chirurgen, Kardiologen, Irgendwaslogen darüber zu sprechen. In sechs Monaten. Oder in einem Jahr. Auf jeden Fall nicht mehr dieses Jahr. Oder auch gar nicht. Pragmatismus überfordert ihn.
  3. Der eine Nette: Freundlich, geht ans Telefon. Arbeitet schnell, entscheidet schnell. Macht seine Arbeit, macht anderen keine Arbeit.  Studentenunterricht erledigt er ohne Kniefall und Bestechung durch Lakritz. Schleppt keine privaten Probleme mit sich herum. Oder redet nicht drüber.

Der Nette arbeitet leider nicht in meiner Abteilung. Aber die anderen.

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Nicht essen

Weihnachtszeit, Schokoladenzeit. Ich habe einen handgroßen goldenen Schokoladenbären geschenkt bekommen. Mit einer roten Herzschleife. Runder Kopf, dicke Pfoten. Das rechte Ohr ist etwas eingeknickt.

Ich werde ihn nicht essen können. Niemals. Er hat schon einen Namen.

Ich werde es wie meine Mutter machen:

Den Bären im März in eine weiche Küchenrolle wickeln. Nicht hingucken. Ihn langsam in die Mülltonne legen. Nicht werfen. Und den Deckel offen lassen. Damit er Luft bekommt.

Und dann hoffen, dass ich zu Ostern nichts aus Schokolade mit runden Augen geschenkt bekomme.

 

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Rückblick

Wie war Dein Jahr?  Gut, im Beruf viel geschafft, und auch sonst sehr glücklich.

Neue Frisur?  Ich denke, ich habe meine Frisur gefunden. Es wird nichts mehr probiert. Aus dem Alter bin ich raus. Glatt (na ja nicht immer), dunkelbraun, bisschen Pony. Alle sechs Wochen nachschneiden. Und gut ist es.

Was zum allerersten Mal gemacht?  In einer Zirkusjugendherberge übernachtet (die Matratzen waren schrecklich) Vorlesung gehalten, eine Kreuzfahrt gemacht.

Was nie wieder machen? In der Vorweihnachtszeit ohne Reservierung essen gehen.

Was immer wieder machen? Indisch essen gehen. Ich werde den Koch vom Rajdarbaar adoptieren.

Was ist anders?  Ich kann mir vorstellen Schluppenblusen und wildrosenfarbende Ankle boots mit 7 cm Absatz zu tragen.

Wo gewesen? Dresden, Mallorca, Bilbao, Normandie, Amsterdam, Lissabon, Cadiz, Barcelona. Die Normandie hat mir erstaunlich gut gefallen, klare Luft, abgeklärte Calvados Winzer. Und in Bilbao möchte ich leben, wenn ich alt bin.

Unwort des Jahres: Dieschonlängerhierleben.  Milchistböse.

Schlechtester Film des Jahres: Mord im Orientexpress, zäh wie Juchtenleder.

Motto des Jahres: Das kriegen wir schon hin.

Getränk des Jahres: Wodka Lemon. Mineralwasser mit Kohlensäure.

Vorsätze fürs nächste Jahr: Ich nenne es jetzt Projekte (ob es dadurch besser klappt). Meinen roten Schrank aufräumen, abnehmen, mit D. mehr englisch sprechen und wieder malen.  Und Dresden im Sommer sehen. Und den Kirschkern mit den 185 geschnitzten Gesichtern im grünen Gewölbe besuchen.

 

 

 

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English please!

Auszüge aus einer bilingualen Beziehung.

D. (guckt mich streng über seinen Brillenrand an): “ Today let´s talk english. You need to practice a little more!“

Ich (verdrehe die Augen, habe mich auf ein entspanntes deutsch sprechendes Wochenende gefreut): „Okay.“ (das war Englisch).

D.: “ What do you think about the brexit and Theresa May?“

Ich. : “ She really wears nice shoes!“ (fünf perfekte Worte, ich bin ein wenig stolz auf mich)

Jetzt schluckt D. Guckt mich ungläubig an: “ Nicht dein Ernst.“

Ich: „ In english please!“   🙂

 

 

 

 

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Raumtemperatur

Novemberzeit, Kongresszeit. Am Gate in München ist es gestapelt voll. Die Leute kreisen hilflos nach freien Sitzplätzen.

Zwei Reihen vor mir sitzt eine  Russin mit glattem Bob und hochgezupften Augenbrauen. Der Platz neben ihr ist gemütlich von ihrer Tasche belegt, gegenüber sitzt ihr Freund, der Sitz neben ihm dient als Garderobe.  Ich wollte mich ja nicht aufregen.

Neben mir zieht ein Japaner die Nase ständig hoch, hinter mir maulen zwei klugscheißende 9 jährige Kinder  (aus Oberkassel), das es in Meijämi  doch soviel besser sei. Ich versuche meine innere Mitte zu finden.

Leider wird die Suche gestört durch einen Mann mit Männerschal. Männerschals sind mir suspekt. Kleine Fähnchen, nichts Ganzes und nichts Halbes.

Der Männerschal telefoniert, wahrscheinlich mit seiner Frau. Was es denn heute Abend zu essen gebe? Lange Diskussionen. Ob Pasta (ich sage ja immer noch Nudeln), oder doch einen Salat. Oder Suppe?  Letzten Endes entscheidet man sich für den Salat. Was Leichtes halt zum Abend. Meine Nackenhaare sträuben sich leicht.

Darauf ein noch längerer Gesabbel Austausch. Wo der Salat denn jetzt aufzubewahren sei? Kein Wunder, dass es in Deutschland nicht vorangeht, wenn schon für solche Entscheidungen ein Ausschuss einberufen wird.

Der Schal überlegt. Nein, der Kühlschrank müsse nicht sein. Sie solle es doch bei Raumtemperatur auf den Küchentisch stellen. Er hat tatsächlich Raumtemperatur gesagt.

Gekrönt wird der Dialog vom Abschied:

Der Schal flötet ins Telefon: Alles klärchen, bis gleich.

Endlich Boarding.

Tschö mit Ö mein lieber Schal.

 

 

 

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Memo an mich

Heute kam Herr M.  Chronischer Schwindel, chronische Obstipation, sei nicht so gut zurecht.

Ich frage ihn, ob er an Gewicht abgenommen hat.

Herr M (geschätzter BMI 45) strahlt mich an: „Nö, letzte Woche habe ich mich auf der Waage in der Hawaii Therme splitterfasernackt gewogen. Immer noch 95 Kilo!“

Memo an mich: Nicht mehr in die Hawaiitherme gehen. Jedenfalls nicht auf die Waage.

Auf zur nächsten Neuaufnahme in Zimmer 5 zu Herrn S.  Ich frage ihn, ob er sich schon angemeldet hat.

Herr S. schüttelt den Kopf: „Nein, meine Sexpartnerin macht das gerade.“ Selbige kommt gerade rein und drückt mir die Aufkleber in die Hand.

Memo an mich: Nicht mehr nach Aufklebern fragen.

In Zimmer 10 klagt Frau Z. über Obstipation.  „Es ist so hart… wenn ich es an die Wand werfen würde, wäre da ein Loch!“

Memo an mich: Bilder im Kopf ausschalten. Jetzt. Sofort.

 

 

 

 

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Liebe Freunde

ich bin Ärztin. Ich mag meinen Beruf und helfe gerne. Meistens.

Aber, liebe Freunde, was ich nicht mag:

Samstag morgens (ich freue mich auf ein Rühreischinkenbrötchenfrühstück) winselt mein Smartphone.  Gucke mit einem Auge drauf.  Hätte ich es mal gelassen.

Ein Foto von einem behaarten Männerrücken. Darauf ein riesiger blutroter Pickel.

Darunter (ohne „Guten Morgen, wie geht es Dir?“) schreit mich ein guter Freund in caps lock an:

„IST DAS BORRELIOSE ?“

„Nein, du Lauch, es ein nur Riesenmegapickel. Es wird Dir dein Samstag Abend date verderben.“

SOLL ICH NICHT DOCH EIN ANTIBIOTIKUM NEHMEN?“

„Nein, es sei denn, du willst üblen Durchfall kriegen. Und Dir Dein date verderben.“

Der Lauch lässt ab und ist beruhigt.

Am nächsten Morgen.

Ein neues Bild. Behaarter Rücken, großer Pickel, heute in schwefelgelb. Ebenfalls ohne Gutenmorgenwiegehtesdir?

„SO SIEHT ES HEUTE AUS!“

Liebe Freunde. Bitte. Ich will sowas nicht sehen. Jedenfalls nicht morgens. Jedenfalls nicht ohne ein „Guten Morgen, wie geht es Dir?“  Bitte, danke, gern geschehen liebe Freunde!

 

 

 

 

 

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