Bilder im Kopf

Gestern nachmittag Konsilvisite mit Dr. Sommer bei einem Patienten: Der 85 jährige Mann ist nach einer Untersuchung bei seinem Urologen in der Praxis kollabiert. Na ja, eine Hafenrundfahrt verträgt nicht jeder.

Nach der Visite vor der Tür:  Dr.Sommer, blickt nachdenklich sinnend über seine halbe Brille: Dr. La Bära,  ich war übrigens gestern auch beim Urologen! „

Ich (spontan in Schweiß ausbrechend, wünsche mich auf den Mars, weit weg, weißer Anzug, flache Schuhe usw.): Ohhhh nein,  Herr Kollege!“

Das bunte Bild  Dr.SommerbeimUrologen bekomme ich jetzt nicht mehr aus meinem Kopf. Nie wieder.Gibt es vielleicht ein zerebrales Resetting für solche Bilder?

Chirurgenworte

Heute auf der chirurgischen Station 6.

Längere Diskussionen über die geplante Aufnahme eines Patienten mit einer Leistenhernie.

Schwester Katja: “ Wir haben aber am Mittwoch kein Bett. Dann müssen wir ihn morgen auslagern auf die  Station 12 zu den Unfallchirurgen!“

Dr. Sommer  (ja, er heißt wirklich so und kennt sämtliche Witze über seinen Namen) kommt rein, bekommt das Telefonat mit: “ Neeee, auslagern ist nicht gut! Das klappt schon. Die Hämorrhoiden von Zimmer 5 gehen doch morgen! Oder in das Zimmer 12 von der Analfistel!? “ 

Katja: Ja, dann auf 5, wenn die Hämorrhoiden gegangen sind!“  Alle sind zufrieden. 

Aaargh! Ich liebe diese individuelle namenorientierte Medizin! 🙂

Stöckchen

Eigentlich wollte ich ja ins Bett. Ist Montag, ich habe nach der Arbeit bei 40 Grad 90 Minuten Badminton gespielt. Aber Fraukrokodil hat mir ein Stöckchen zugeworfen,welches ich unbedingt aufheben muss.

1. Was war dein Traumberuf als Kind?

Bibliothekarin oder Meeresbiologin. Bücher fand ich immer toll. Und Bibliothekarinnen hatten sowas Autoritärstrenges. Hatten die Macht über alle Bücher. Und ich  habe immer gerne bunte Fische als Kind gemalt. Dann wollte ich mal einen Schreibwarenladen führen mit vielen dicken Filz-und Buntstiften. Deshalb bin ich Ärztin geworden, hee?!?

2. Restaurant, Lieferservice oder selbst kochen?

Geht nichts über Pizza dream oder Acquario mit genialem Pfirsich Prosecco! Kochen finde ich anstrengend. Vom Stehen kriege ich Rückenschmerzen.

3. Pauschal- oder Individualurlaub? Strand oder Meer?

Ich bin gerne normaler Tourist, so richtig mit Vollpension (noch  besser All in). Ich will nicht einkaufen im Urlaub und möchte mich um nichts kümmern.  Wenn ich eingeengt im vollen Pauschalflieger sitze und ein Kind mir auf die Hose kotzt, bereue ich meistens diese Entscheidung.

4. Sprichst du Dialekt oder Hochdeutsch?

Ich meine Hochdeutsch, aber Ruhrpott kommt manchmal durch. Ich sage Doatmund und nicht Dortmund, Kiachturm und nicht Kirchturm. Na ja, nobody is perfect.

5. Was ist Dein Sternzeichen? Und glaubst du an Astrologie oder hältst du das für Humbug?

Zwillinge. Ich glaube nicht dran. Zwillinge sollen ja durchs Leben schweben, das mache ich nicht.

6. Wenn du eine Sache an dir ändern könntest, was wäre es? Oder bist Du vollkommen zufrieden mit dir?

Ich will  mich nicht mehr aufregen, wenn andere Zigarettenkippen aus dem Autofenster werfen. Essen ohne zuzunehmen wäre auch eine feine Sache.

7. Süß oder salzig?

Früher süß, jetzt salzig, ich werde alt. Salzige Heringe von Haribo und Tortilla chips.

8. Wenn du eine Zeitmaschine hättest, in welche Zeit würdest du reisen?

In die Urwelt der Dinosaurier. 30 Meter hohe Pflanzenfresser gucken.

9. Weihnachten ist ganz schön schrecklich oder ganz schrecklich schön?

Ich liebe Weihnachten! Lecker Essen, tolle Geschenke von meiner tollen Familie. Nur Geschenke kaufen nicht. Ich lasse mir alles faul durch amazon liefern um den vollen Innenstädten zu entgehen.

10. Beatles oder Stones?

Erst die Stones. Seitdem die stones  aber gesagt haben , dass in der ersten Reihe in ihren Konzerten nur junge schlanke girls stehen sollen, dann doch die Beatles! Aber eigentlich die foofighters!

11. Welche Frage würdest du nicht beantworten?

Gewicht 🙂

Und das Stöckchen geht weiter an: Trommelwirbelundtusch: Patty!  (obwohl sie keine Stöckchen mag….). Dass ihr das jetzt passieren muss!

Herr M.

Herr M. ist ein Furcht einflößender psychiatrischer Patient. Er ist  1,80 Meter groß, wiegt  220 kg, trägt eine beige Hose mit verstellbarem Bund. Er hat nur noch ein Auge. Das andere Auge hatte ihm ein ehemaliger Gläubiger ausgestochen. So sagt Herr M jedenfalls. Wenn ich mit ihm spreche und in die vernarbte Augenhöhle gucke, muß ich schlucken. Er raucht mindestens vierzig Selbstgedrehte  pro Tag und hat die typisch langen gelben Fingernägel von chronischen Psychose Patienten. Der einzige Mensch, vor dem Herr M. Angst hat, ist seine 1,50 Meter kleine Mutter, die immer eine braune abgewetzte  Plastikhandtasche über dem Arm trägt und ihn gnadenlos im Griff hat.

Herr M. hat eine paranoid halluzinatorische Psychose. Seine Medikamente nimmt er nicht so regelmäßig. Wenn er Schulden hat und seine Gläubiger ihm gefährlich  nah auf den Pelz rücken, legt er sich einfach auf Strassenbahnschienen. Sein dicker Bauch  ragt heraus. Wenn  die Polizei mit Blaulicht kommt, schreit er laut: „Ich will mich umbringen!!“

Die Polizisten, die ihn schon seit Jahren kennen, bringen Herr M.  grinsend wieder in die Psychiatrie auf die fakultativ geschützte Station. 

Dort gibt es dreimal am Tag Essen, er kann endlich  Geld sparen. Nach einem Aufenhalt von sechs Wochen hat er genug Geld zusammen. Er ist auch „irgendwie“ nicht mehr suizidal.  Herr M.  möchte wieder nach Hause, sich auslösen. Die Gläubiger geben endlich Ruhe.

Herr M. hat das psychiatrische System perfekt verstanden.

Leider hat ihn am letzten Mittwoch die Straßenbahn übersehen.

Marskolonie

Sommerabend, Freitagabend, Biergartenabend.   Mit vier Personen in einem Biergarten einen Tisch zu finden ist nicht so einfach.

Wir begannen im Wolpertinger.  Fehler. Voll, voll, voll. Lange Schlange vor  der Bierausgabe,

Alle Tische besetzt. Bis auf einen. Da passten noch fünf Leute dran. Es standen allerdings Teller und Gläser drauf. Aber man kann ja mal fragen.

Am Tisch saß eine moppelige Rothaarige mit „frecher“ Kurzhaarfrisur (fehlte nur noch die eingefärbte Strähne im Pony). Typ Lehrerin am Ferienbeginn.

Ich: „Entschuldigung, sind die Plätze hier noch frei?“

Moppel (mich scharf über ihre verschmierte Lesebrille  anblickend): „Nein. Da sitzen fünf Kinder!!! “ Das Wort Kinder betont sie besonders. Weil Kinder ja die besonderen Menschen sind.

Ich, mich fragend wo die Kinder denn sind. Sehe keine. Bin ich aber bestimmt viel zu unsensibel für.

Gut, dann nicht. Ich sehe, dass am Nebentisch eine Gruppe zahlt.

Ich: „Entschuldigung, gehen Sie jetzt?“

Sie (blonde, struppige Haare, zuviel Solarium, zuviel Zigaretten, zu wenig Hirn):“ Ja, aber wir haben noch lange nicht ausgetrunken. Dass wir zahlen heißt nicht, dass wir sofort gehen!!“

Ich mustere die  Gläser auf dem Tisch: Überall nur noch eine Pfütze drin.

Die Truppe macht jetzt betont langsam. Es wird noch geraucht, gelacht, telefoniert und natürlich nicht ausgetrunken.

Leckt mich doch.  Dann halt nicht.

Weiter geht es nach Rüttenscheid. Unterwegs überlegen wir,  ob wir mit handverzählten passenden Menschen auf dem Mars eine einsame Kolonie gründen sollen. Eine menschliche Arche Noah.

Wir würden alle weiße Anzüge tragen. Flache Schuhe. Unaufgeregte cleane idiotenfreie Atmosphäre.

Mars, wir kommen.

Zufall

SPON zufolge soll ein geplantes abhörsicheres Aufklärungszentrum auf dem Wiesbadener Militärgelände sobald es fertig gebaut ist, auch vom amerikanischen Geheimdienst NSA bezogen werden.

Dass die beteiligten Baufirmen und Materialien sowie Arbeiter nur aus den USA stammen – sicherlich  Zufall.

Dass der Dagger Complex  nur 4 km von der Telekom liegt – sicherlich  Zufall.

Dass eine zentralisierte Macht grenzüberschreitend die Souveränität anderer Staaten mißachtet  – sicherlich  Zufall.

Wahrscheinlich wird Angela  Merkel lächelnd   bei der Einweihung das rote Band durchschneiden, USA Innenminister Friedrich wird ihr die Hand  führen – sicherlich Zufall.

obama-merkel

Bild via Proll blog, thx!