Blogger Typ

Ich greife mal das Stöckchen auf (obwohl es mir keiner zugeworfen hat).

Was bin Du für ein Blogger Typ? Hach,  so eine schwere Frage. Ich mag diese Typeinteilung nicht.  LustundLauneAlltagMedizinMusikBlogger oder so ähnlich.

Gerätschaften digital: Iphone 3 GS, Medion Akoya E6217  notebook mit gelbem Aufkleber drauf von einem T-Shirt Hersteller (ich fand die Farbe so schön), diverse MP3 Player mit verwurschtelten Kopfhörern und sogar noch einen mobilen CD Player (aber der ist nicht digital, gilt nicht).

Gerätschaften analog: Zahlreiche Zeichenblöcke und viele, dicke Buntstifte, die in einer alten schwarz weißen Ikea Tasse stehen. Auch Aquarellfarben, Pinsel. Post-it Notizzettel und die kleinen Blocks, die man in der Apotheke bekommt. Schreibe häufig auf Briefumschlägen. Das muss man aber nicht verstehen.

Arbeitsweise: Schnell und lustvoll. Das trifft es glaube ich am besten.

Welche Tools nutzt Du zum Bloggen, Recherchieren und Bookmark Verwaltung?

Was ist denn eine Bookmark Verwaltung? * hüstel*. Hab ich nicht. Brauch ich das?  WordPress ansonsten regelt alles. Häufiger Design Wechsel, je nach Lust und Laune und Jahreszeit. Ich liebe das Halloween Design mit der Spinne, die sich am rechten Rand herunterseilt.

Wo sammelst Du Deine Blogideen?

Im Stau auf der A40, im Stau auf der A3, im Stau auf der A 516, im Krankenhaus, beim Anstehen an der Kasse beim Einkaufen, beim Anstehen beim Check out im Hotel, beim Anstellen beim Check in am Flughafen.

Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?

Kaffeemaschine, eindeutig.

 

Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?

Jaaa. Sicher. Ich kann mich sehr gut aufregen und sehe sofort, wenn irgendwas nicht läuft. Auch bemerke ich sofort kaputte Glühlampen und Spinnweben beim Griechen um die Ecke.
Beim Bloggen kann ich gut Worte zusammenschreiben, die garnichtzusammengehören.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?

Nix. Brauche Ruhe beim Bloggen. Manchmal gucke ich dabei Trash TV.  Letztes Mal habe ich Berlin Tag und Nacht geguckt. Peinlich, aber ich steh dazu.

Eher introvertiert oder extrovertiert?

Mal so mal so. Im Auto sehr, sehr extrovertiert. Mein Honda is my castle. Auf der Arbeit ruhig, Ansonsten bin ich diejenige, die auf Visiten gnadenlos zugetextet wird. Und auch Liebeskummer von meinen Assistenten muss ich mir anhören. Wahrscheinlich ist mein blog die Rache, hier kann ich Euch nämlich zutexten.

Der beste Rat den du je bekommen hast?

Wenn du hinfällst, steh wieder auf, rück Dir Dein Krönchen zurecht und lauf weiter.

Noch irgendwas wichtiges?

Bitte setzt doch beim Abbiegen den Blinker. Danke!

Weil es doch mal gut sein soll

Heute bei der Visite habe ich in der Akte die Patientenverfügung von Frau M. gefunden. Frau M. ist  eine kleine, zierliche Dame mit krummer Wirbelsäule,  einer frischen BWK 12 Fraktur und perfekter Dauerwelle. Sie ist eine von den schüchternen Patienten. Sie traut sich nicht zu schellen, aus Angst den Schwestern „Arbeit“ zu machen.  Sie bedankt sich für  jeden Handschlag.  Sie versucht ihr Tablett alleine  zu tragen, wäscht sich und hilft sogar ihrer Bettnachbarin.  Frau M. schreibt:

„Ich gehe nun auf meinen 90. Geburtstag zu und habe ein abwechslungsreiches Leben geführt. Meine Kinder und Enkel sind alle schon im Beruf und weggezogen, aber ich bin sehr stolz auf sie.

In früheren Jahren bin ich oft mit einem meiner drei Kinder in den Urlaub gefahren oder geflogen. Ich habe einen Teil von Europa kennengelernt. Mit zunehmendem Alter haben sich allerdings Beschwerden beim Laufen eingestellt, die Füße und der Rücken schmerzen, jedoch kann ich es aushalten. Unerträglich ist mir aber die Vorstellung, geistig nicht mehr fit und dann auf Hilfe angewiesen zu sein.  Wie sehr Demenz die Menschen verändert, habe ich bei meinem verstorbenen Ehemann Josef mitbekommen.

Unter solchen Voraussetzungen möchte ich nicht leben.  Mir ist es sehr wichtig, dass ich mich mit meinen Freunden und Verwandten unterhalten kann. Wenn ich einmal verwirrt bin, dass ich nicht mehr weiß, wer ich bin, und meine Familie nicht mehr erkenne, so soll es auch nicht mehr lange dauern, bis ich sterbe.  Daher möchte ich dann keine Behandlung und auch keine Maschinen, die mein Sterben nur hinauszögern. Die ganzen Schläuche und die ganzen Apparate machen mir Angst und ich möchte auch nicht mehr vom Notarzt reanimiert werden, weil es doch auch mal gut sein soll, wenn mein Herz zu schlagen aufhört.“

Ich mache die Akte zu. Nein, das  ist keine Träne.

Prinz Valium

Prinz Valium.

Prinz Valium war ein allseits gefürchteter chirurgischer Assistenzarzt in einem Krankenhaus im Essener Süden mit dem Sprechundarbeitstempo von 20 mg Valium. Kurzum einer Schlaftablette.

Wenn ich mit Prinz Valium zusammen Dienst hatte, Pech gehabt! An Schlafen war nicht zu denken. Kritisch waren Tage wie Rosenmontag in Kupferdreh mit massivem Anfall von Schnapsleichen, die mit allen denkbaren Platzwunden und Prellungen kamen.

Die wurden  zuerst chirurgisch gesehen und versorgt. Doch dann musste immer noch ein Neurologe „draufgucken“. Warum? Wahrscheinlich weil es eine neurologische Abteilung gab und wir halt da waren. Man muß ja auch die anderen Kollegen schön am Arbeiten halten.

Und es war immer wie folgt:

Nachts 02.30 Uhr:

Mein Funk piepst. Nummer von der chirurgischen Ambulanz.

Ich (noch freundlich, immerhin seit 10 Minuten im Bett): „Hallo.“

Am anderen Ende Pause, länger. Dann „Haalloo….?“

Ich (schon leicht genervt, hangel schon nach meinen Sneakers vor dem Bett): „Ja, wasissn?“

Pause, dann endlich Prinz Valium: „Bist Du wach?“

Ich: „Ja, jetzt ja.“ 

Prinz Valium: „Ich hab hier einen intoxikierten Patienten, 2,1 Promille. Hat sich den Kopf angeschlagen. Kannst Du einen neurologischen Status machen?

Ich (rolle meine Augen in den Kopf nach hinten, das kann ich gut): „Kannsu Du das nicht selbst? „(Sollte man eigentlich gelernt haben, ich ruf auch nicht wegen jeder Hüfte an).

Prinz Valium: „Jaaa, aber er hat gekotzt. Nicht, dass er Hirndruck hat!! „Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Er, ein Chirurg, kennt das Wort Hirndruck.

Ich: „Er kotzt wahrscheinlich, weil er intoxikiert ist.“

Er: „Ja, aber, nicht, dass ich was übersehe.“ (Totschlagargument)

Ich (kotze auch langsam): „Komme schon.“ Knalle Lege den Hörer auf, wanke in die Ambulanz.

Im Untersuchungsraum: Prinz Valium ist mittlerweile ins Bett gegangen (das kann er immer schnell).

Der Patient ist voll wie eine Strandhaubitze, als Schlumpf verkleidet. Konfetti rieselt auf den Boden. Großartig.

Der Neurostatus ist erwartungsgemäß regelrecht. Beim Aufstehen von der Liege verzieht der Schlumpf schmerzhaft das Gesicht: „Auaaa, mein Knie tut so weh.

Ich: „Seit wann?“

Blauer Schlumpf: „Seit bestimmt nem halben Jahr.“ Übergibt sich wieder laut würgend, verfehlt die Brechschale um einen  ganzen Meter.

Ich greife grinsend zum Telefon.

Am anderen Ende nach einer Minute Durchschellen, dann Schnaufen am anderen Ende: „Haaallooo?“

Ich (zwitschernd): „Hallo Prinz Valium, der Patient hat Knieschmerzen, kannst Du mal bitte  gucken? Nicht, dass ich was übersehe…“

Am anderen Ende Totenstille.

Ich lege auf, gehe pfeifend ins Bett. Obwohl, ich bin jetzt irgendwie wach.

Arztjahre

Junger Arzt, frisch von der Uni.:

Er liebt Patienten! Glaubt an das  Gute im Menschen. Er fragt 104jährige nach ihren Kinderkrankheiten. RötelnMasernMumps? Läßt geduldig Erlebnisse vom Russlandfeldzug über sich ergehen. Spricht mit jedem Schwippschwager über den Krankheitsverlauf. Kommt um 7 Uhr und geht um 7 Uhr (am nächsten Tag). Fährt mit dem Fahrrad.  Braucht für einen Arztbrief mindestens zwei Stunden Diktat. Teilt sich mit drei anderen Assistenten ein Zimmer. Hat zwei Akten zum Diktat auf seinem aufgeräumtem  Schreibtisch liegen. Hat eine Schreibtischauflage. Sortiert seine Kassetten.  Hat sich einen Stauschlauch gekauft! Steht in der Röntgenbesprechung in der hintersten Reihe. Macht sich aus Angst vor dem ersten Bereitschaftssdienst in die stets frisch gebügelte Hose. Trinkt Tee. Darf Kaffee auf der Intensivstation  kochen.  Und ist im OP immer unsteril.

Arzt im zweiten Ausbildungsjahr:

Mag seine Arbeit aber keine Angehörigen mehr. Kommt mit einem alten roten  Mercedes oder einem blauen VW Bully zur Arbeit. Kennt versteckte Parkplätze am Krankenhaus. Trinkt zwei Liter Kaffee täglich, kommt um viertel vor acht, abgehetzt. Trägt jetzt Jeans und T-Shirt unterm knuppigem Kittel. Das Stethoskop hat er  lässig um den Hals geschlungen. Hat ein selbstgemaltes Namensschild, die anderen drei hat er  verloren. Irgendwo.  Genau wie seine Pupillenleuchte, die nie funktioniert hat. Glaubt, dass er alles beherrscht und alles gesehen hat. Darf Bäuche zunähen. Die Op Schwestern grüßen ihn sogar. Sitzt in der Röntgenbesprechung und steht nicht. Seine Arztbriefe enden mit den Worten: „Für die verspätete Zusendung bitten wir um Entschuldigung.“  Er hat fünf Kilo unerledigter Arztbriefe unter dem Schreibtisch liegen. Klaut seinem Kollegen die Kassetten vom Tisch. In seinem Schrank  liegen drei Familienpackungen Haribo Colorado, eine Packung Menthos,  fünf Stauschläuche, woher auch immer.

Arzt im letzten Ausbildungjahr:

Weiß, dass er nicht alles gesehen hat und nicht alles kann. Läuft in blauen Intensivklamotten rum. Kennt alle Feuerwehrleute beim Vornamen. Wird zum Gänseessen  mit der Intensivstation eingeladen. Trinkt drei Liter Kaffee täglich.  Schlägt, wenn er nachts im Dienst aufstehen muss, die Tür vom Bereitsschaftzimmer so laut zu, dass der Chirurg nebenan aus dem Bett fällt. Turfkönig. Sitzt in der zweiten Reihe in der Röntgenbesprechung. Kommt morgens zu spät zur Frühbesprechung. Der Chef lässt es milde lächelnd durchgehen: „Ist ja unser Bester.“

Oberarzt:

Wird grauer und faltiger. Hat fast alles gesehen. Glaubt, die Welt wird immer verrückter. Hat Recht damit. Hat ein eigenes Zimmer, wenn er Glück hat,  auch einen eigenen Parkplatz. Kitteltaschen sind jetzt deutlich leerer. Sitzt in der ersten Reihe bei der Röntgenbesprechung.  Oder vor der ersten Reihe um sie selbst zu machen.  Duzt sich mit keinem mehr.  Gespräche verstummen manchmal, wenn er in ein Stationszimmer kommt. Muß alles kontrollieren. Muss Assistenten erziehen, trösten, loben, ermutigen. Fährt einen BMW, überlegt doch noch den Motorradführerschein zu machen. Besser nicht, er hat zu viele Polytraumen gesehen.

Chefarzt:

Ist an allem Schuld. Ist für alles zuständig. Großes Zimmer (na ja, das vom Geschäftsführer ist immer größer), großes Auto, Parkplatz. Eigene Sekretärin. Hat fast alles gesehen. Wird von keinem mehr geduzt. Entwickelt eine Paranoia vor prozessführenden Patienten und neidischen anderen Chefärzten. Die Geschäftsführung ist sein Feind. Verbringt mehr Zeit in Bauausschussitzungen als am Patientenbett. Muss stets die CMI Punkte im Auge haben. Wird von der Geschäftsführung auf  „Schneller, höher, weiter“ eingenordet. Freut sich auf die Rente. Oder hat Angst davor.

Tag 1

nach Urlaub. Und wie in jedem Jahr nach dem Urlaub:

Ich gammel ziellos rum. Mein silberner treuer Koffer mit abgewetztem Leukosilk am Griff steht beleidigt in der Ecke und wartet darauf, dass ich ihn endlich auspacke.  Er will auch mal Urlaub haben. Im Wohnzimmer stehen noch die Geschenke von meinem Geburtstag, die Cocktailkarte klebt noch an der Tür. Den  vollen Aschenbecher habe ich  vergessen zu leeren.  Mein Garten ist explodiert, leider nur das Unkraut. Die Pfingstrosen kriechen langsam nur raus. Beeilt Euch mal, Pfingsten ist schon lange vorbei.  Die Cappuchinokatze ist schon wach und patrouilliert.

Ich kaue auf gesundem Vollkornbrot einem alten Pizzabrötchen, dass ich noch gefunden haben. Und ich vermisse mein Hotelrührei und die frische Brötchen, Honig, Kaffee, Schwimmen, in der Sonne liegen, schlafen, lesen. Auf meinem Tisch liegt ein Buch „Fit ohne Geräte“. Ich blättere es durch.  Und mache es schnell wieder zu, als ich Schwarz Weiß Fotos von einem durchtrainiertem Ex Marine Soldat sehe, der lächelnd Klimmzüge an seiner Wohnzimmertür macht.

Aus dem Radio der Wetterbericht für heute: Der Tag bleibt trocken und es gibt häufig Sonne.  Das klingt schon besser.

Und bevor ich endlich meinen Koffer auspacke, spielen sie jetzt Big jet plane. Ich setze mich wieder hin. Mein Koffer spricht jetzt nie mehr mit mir.

Arzturlaub

ist speziell, weil

–  ich auf die Unterarme des Kellners gucke und überlege, welche Venen am besten für einen grünen Zugang geeignet sind.

– ich einen  Mann im Schwimmbad mit mindestens Körbchengröße C sehe und sofort denke: Er säuft zu viel oder hatte ein Prostata Karzinom. Oder beides.

– ich im Urlaub Kaffeentzugskopfschmerzen bekomme, wenn ich nicht mehr auf meine täglichen zwei Liter komme.

– ich mich im Restaurant weit weit weg von krank aussehenden Menschen setze.  Aus Angst sie reanimieren zu müssen, wenn sie plötzlich mit dem Gesicht in die Kartoffelsuppe oder Tomatenessenz  fallen.

– ich krumme Wirbelsäulen im Schwimmbad sehe und es mir in den Fingern juckt, Calzium Vitamin D zu geben.

–   ich schlanke Wirbelsäulen im Schwimmbad sehe und überlege, wo ich dort am besten lumbal punktieren könnte.

-ich eine einarmige Frau sehe, Trauma? Tumor?

Ein Mann hat mir mir einmal beim ersten date gesagt: „Ärztinnen sind speziell (ich denke, er meinte schrecklich), weil sie immer, aber auch immer alles analysieren.“  „Verstehe ich nicht“ habe ich gesagt und auf seine Hände geguckt, wo ein großer Pickel war. Nur eine seborrhoische Keratose? Oder doch ein Spinaliom?

Unsichtbar

Ab einem bestimmten Alter, sagen wir mal 40 Jahre, wird man als Frau für die Welt unsichtbar. Glaubtesmir.

Wir sitzen in einer Bar in einem Hotel. Um uns herum viele geschwätzige Stammgäste mit kölschem Dialekt im besten Renteralter. Happy hour.

Als wir die Bar betreten haben, waren wir die zweiten.  Der Barkeeper bediente zuerst die Familie, die vor uns da war. Danach wurde der kölsche Klüngel bedient, der nach uns kam.

Wir winken, wir rufen, es nützt nichts. Der Barkeeper und die Kellnerin sehen uns nicht. Wir sind unsichtbar.Ich überlege, mit Erdnüssen zu werfen, Rettungsraketen abzuschießen.  Es hilft nichts.

Ich gehe zur Theke. Vor mir steht der Barkeeper, die Kellnerin und ein Kellner. Keiner reagiert.

Ich sage laut: „Bin ich eigentlich unsichtbar?“

Endlich rucken die Köpfe nach oben. Höflich wird mir versichert, ich sei es nicht. Ich bin mir da nicht so sicher.

Am nächsten Tag:

Ich stehe an der Spa Anmeldung. Vor mir eine dreiköpfige Truppe, die langatmig überlegt, was sie jetzt nun buchen soll. Allegro oder Scherzo? Oder doch Tuina?

Aus den Augenwinkel sehe ich schon, wie eine schmerbäuchige  Kundin im gelben Flauschbademantel mit einem Zettel in der Hand zielstrebig die Anmeldung ansteuert.

Endlich ist die Truppe fertig.

Die Hand des gelben Bademantel schießt sofort mit dem Zettel nach vorne. So schnell kann ich gar nicht gucken.

Die Dame an der Anmeldung guckt mich nur hilflos an. Ich spüre wie mir die Magensäure zu den Ohren rausläuft. Am Nacken entlang rinnt.

Laut und höflich sage ich: „Schön, dass ich vor Ihnen dran bin.“

Der gelbe Bademantel giftet sofort zurück: „Dat ist ja wie bei Aldi hier.“

Ich erinnere sie ruhig und gelassen daran, dass sie nicht alleine auf der Welt ist, es sich nicht alles um sie dreht. Und ja, es ist wie bei Aldi hier.

Der gelbe Bademantel zischt noch ein paar unfeine Worte, gibt sich aber dann geschlagen.

Und weiter geht es!

Auch beim Abendessen scheinen wir einen Tarnumhang zu tragen.

Ich stehe vor dem Fisch. Es gibt Red Snapper und sonst noch einen Fisch. Der Fisch wird für jeden separat gebraten.

Nach mir kommt ein Paar. Beide ausgedörrte humorlose Sportler (ja, ich liebe meine Vorurteile).

Das Braten dauert ein paar Minuten. Ich bleibe solange vor dem Koch stehen. Das Paar möchte nicht warten und dreht noch eine Runde durchs Büffet.

Endlich ist der Fisch fertig.

Der Koch guckt hoch, sein Blick irrt suchend durch die Gegend, an mir vorbei.  Ich stehe direkt vor ihm. Er winkt dem Paar zu.  Der Fisch ist fertig! Dasglaubichdochjetztnicht! Ich kneife mich fest in den Arm, das spüre ich. Ich fühle, also bin ich. Scheine doch zu existieren. Irgendwie.

Wahrscheinlich bin ich in einem Paralleluniversum. Ü 40. Gefangen. Bis in alle Zeiten. 😉

Deutscher Webvideopreis 2013

Am Samstag wurde der deutsche Webvideopreis in Düsseldorf vergeben: Die äußerst bunten Kategorien reichten von „OMG“ (Oh my God) bis „LOL“ (laughing out loud), von „Let’s Play“ über „Cute“ (niedlich) bis „VIP“.

Zu Recht gewonnen hat in  der Sparte „LOL“ das Satire Magazin Postillon24 mit der reißerischen Reportage über eine im Krankenhaus vertauschten Mutter. Weiter ging es mit einer Meldung über einen Handwerker, der pünktlich erschienen ist, im Kreis laufenden Nordicwalkern und Tofu Hühnern.

Da freut man sich doch mal auf die Nachrichten!

Seltsam

so ohne Patienten. Ohne Arbeit. Urlaub.  Langelange drauf gefreut. Keine Frühbesprechung, keine Sofortkonsile, keine A40, keine A3, kein rosarotes Schloss Oberhausen, kein Gasometer, keine Middlesbrough Brücke, kein flacher Niederrhein, keine einsamen dunklen Pferde an der Ausfahrt Wesel/Schermbeck. Keine 130 Km pro Tag, keine 200 km/h auf der Autobahn.

Ausschlafen habe ich anscheinend verlernt. Mein innerer Wecker ist auf 5 Uhr programmiert. Und dann werde ich wach. Auch ohne äußeren Wecker.

Es ist ruhig. Die Vögel sind wach und schwätzen eifrig.  Die Cappuccino Katze patroulliert schon wachsam. Sie hat ein Glöckchen um, so dass die Vögel gewarnt werden, wenn sie sich anschleicht. Meine Nachbarn fahren zur Arbeit. Ich höre den großen Jeep und den kleinen roten Mini. Ich habe endlich mal Zeit auf meinen Garten zu gucken. Den sehe ich sonst nur im Dunklen. Ich entdecke Riesenlöwenzahn. Mutation? Nein, wahrscheinlich nur meine Faulheit. Löwenzahn scheint mich nie  zu verlassen. Die Pfingstrosen beginnen zu blühen. In Gelb! Habe ich noch nie gesehen.

Ein freier Tag liegt vor mir. Endlos. Weit.  Gut.  Badminton, um 9 Uhr im Fitness Camp.  Nicht so teuer. Sehr angenehme Erfahrung. Sonst ist es doppelt so teuer. Als Berufstätiger scheintmanja nur gearscht zu sein. Drop geht heute besser. 

Bei Bauer Ridder ist so leer, ich kann in Ruhe gucken. Mit der Bedienung freundlich reden. Erdbeerprosecco kaufen für heute Abend. Nägel in Mädchenrosa lackieren. Erster Urlaubstag.  In der Antropstrasse bekomme ich Parkplätze. Keine Termine.

Als wäre es eine neue Welt. 😉