Matschig

Krank sein ist echte Zeitverschwendung. Es macht mich dumm und matschig im Kopf. Es ist nervig.

Beim Arzt warte ich eine Stunde auf eine dreiminütige Untersuchung. Krank sein heißt warten, auf Termine, auf Ärzte, auf Besprechungen, auf Untersuchungen. Ich kann nicht sitzen. Die blöde Tussi Frau vor mir lässt sich laut und ausführlich über Impfungen nach Ägypten beraten. Ach ja und wie war das letztes Blutbild? Zum Schluss fragt sie, wieso ihr Mann schnarcht. Ich versuche ruhig zu bleiben, ruhig zu atmen. Es gelingt mir nicht.

Zu Hause ist liegen angesagt. Und schlafen. Und schlimme Fernsehprogramme. Fernsehen macht blöd und dumm und matschig.  Ich verliere pro Tag bestimmt zwei IQ Punkte. Dann lieber Ostfriesenkrimis und  DVDs, die ich schon immer mal gucken wollte. „Das geheime Fenster“ mit Johnny Depp. Johnny Depp erschlägt in der letzten Szene seine Freundin. Ich weiche aus auf „Superman“.  Danach diverse You Tube Dokumentationen. Wie gelange ich eigentlich von „Gesunde Ernährung“ zu  „Leben auf St. Pauli“ und schließlich zu „Weibliche Serienkiller“? Unergründliche You Tube Algorithmen.

Mein Kopf schwirrt. Ich schlafe schlecht. Träume, wie Johnny Depp auf der Reeperbahn in einen matschigen Maiskolben beißt.

Matschig.

Sätze

, die ein Arzt nie sagen wird:

1. Wo lässt es sich schöner Weihnachten feiern als im Kreise seiner Patienten?

2. Ja, wenn der Schwangerschaftstest zu Hause positiv war, müssen Sie sich sofort in der Klinik vorstellen, um das abklären zu lassen – natürlich auch nachts.

3. Wunderschön, wie der dreckige Bademantel Ihren Unterleib betont.

4. Ich fühle mich im Krankenhaus stets sehr wertgeschätzt.

5. Schnell, einen Dermatologen/Radiologen/Psychiater!!

6. Ich hab das Wochenende mit meinen Freunden verbracht.

7. Der Nachtdienst war super ruhig. Freue mich schon jetzt darauf gleich Sport zu machen.

8. Es ist Klasse, dass Chefarzt und Oberärztin parallel 3 Wochen im Urlaub sind. So wird mir garantiert nicht langweilig und ich kann in der ganzen Klinik nach hilfsbereiten Fachärzten Ausschau halten, die sehnsüchtig auf meine Anrufe warten.

9. Kann ich voll verstehen, dass Sie vor der Darm OP nochmal richtig gefrühstückt haben. Wir verschieben das auf morgen. Kein Problem!

11. Klar, Fibromyalgie ist eine schwere Krankheit.

12. Mit der Geschäftsführung kann man super zusammenarbeiten.

13. Kein Problem, dass Ihre Tochter/Sohn zwei Wochen nach Teneriffa  fliegen. Bleiben Sie ruhig hier.

14. Ich liebe internistische Dienste, da kann ich soviel lernen.

15. Eunerpan macht die Oma zahm.

16. Lesen Sie auf jeden Fall den Beipackzettel!

Ping

Ich versuche, wenn es irgend geht, Geschäfte und die Gastronomie vor Ort zu unterstützen. Gelingt nicht immer.

Beispiel: „Bei Theo, das musische Gasthaus.“

Von außen sieht es  nett und normal aus, gut bürgerlich. Was auch immer das heißt.

Wir können hinlaufen. Ein nicht verachtenswerter Vorteil.

Wir öffnen die schwere braune Holztür. Drinnen ist es dunkel. Sehr dunkel. Nur die Theke ist erleuchtet. Davor hängen stehen drei mittelaltrige Gäste, die uns mißtrauisch anschauen. Die Gespräche verstummen sofort. (Als würde man als Frau alleine in ein türkisches Teehaus gehen. So ähnlich. Aber das ist nicht politisch korrekt).

Wir fragen vorsichtig: „Ist schon geöffnet? Wir möchten essen.“

Der Wirt schlurft mißmutig hinter dem Tresen raus und knipst das Licht für die Tische an.  Herzlichen Dank.

Die Tische sind orange eingedeckt. Die Karte ist mindestens vierzigseitig, kaum überblickbar. Diverse Schnitzelvariationen.  Und Gans. Für 19 Euro. David bestellt Gans. Ich riskiere nichts.Nehme ein Teufelsschnitzel. Kann man nicht viel falsch machen. Wir sind weiter die Einzigsten, die essen.

Die Gans kommt erstaunlich schnell auf den Tisch. Ich meine aus der Küche  das durchdringende Ping einer Mikrowelle gehört zu haben.

Die Getränke werden von einer etwas ruppigen gepiercten schwarzhaarigen Kellnerin aufgenommen.

David bestellt Köpi.

Ich entdecke hinten in der Karte versteckt Cocktails. Dahinter steht: Bitte sprechen Sie uns an!

Das mache ich doch glatt. Die Kellnerin guckt  verzweifelt und gibt tuschelnd meine Bestellung an den Wirt weiter. Dem fällt  fast die Oberkieferprothese aus dem unrasiertem Gesicht.

Caipi? Kennt er nicht. Mojito? Nie gehört.

Aber er will mir was mixen. Ergebnis: Altbier mit Kirschlikör und blauem kurzem Strohhalm.Unglaublich, so schnell war ich noch nie betrunken. Ich weiche auf einen Sekt aus. Der knarzige Wirt rollt mit den Augen und verschwindet leise laut schimpfend im Keller. Er erscheint mit einem handwarmen verstaubtem Piccolo „Comtesschen“. Verstohlen gucke ich nach dem Verfallsdatum.

Als er zurück an den Tresen wankt, sagt er laut zu übrigen Gästen:„Die will immer was Besonderes!!“

Nein, Theo keine Angst! Die will jetzt nichts mehr. Jedenfalls nicht in Deinem musischen Gasthaus.

Im Hintergrund ertönt wieder das Ping der Mikrowelle.

Schwätzer Minister

Gruselig, durch wen Deutschland demnächst regiert wird:

Alexander Dobrindt: Verkehrsminister: Studium der Soziologie.

Hermann Gröhe: Neuling auf dem Posten des Bundesgesundheitsministers : Rechtsanwalt.

Thomas de Maizière:  ein enger Vertrauter der Kanzlerin, kehrt dorthin zurück, wo er schon einmal war, ins Bundesinnenministerium: Jurist.

Gerd Müller: bisheriger Staatssekretär im CSU-geführten Agrarministerium, soll das Bundesministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit: Wirtschaftspädagoge.

Barbara Hendricks : Umweltministerin: Studium der Geschichte in Bonn.

Sigmar Gabriel hat es geschafft: Vizekanzler.  Das Energie- und Wirtschaftsministerium : Berufsschullehrer, Germanistik und Politik.

Andrea Nahles, die SPD-Generalsekretärin, übernimmt das  Arbeits- und Sozialministerium: Sie studierte 20!! Semester Politik, Philosophie und Germanistik.

Zusammenfassend:

Deutschland wird von Schwätzern und Nichtskönnern regiert.

Ich habe sie nicht gewählt.

Sonntagsvisite

Heute auf der Sonntagsvisite Station 3 Zimmer 1 Frau N, privat.  Pfleger Martin warnt mich schon vorher: „Sie ist schrecklich anstrengend, meckert nur. Kaffee zu kalt, Frühstück zu spät.“ Na toll, das steigert meine Laune nicht wirklich. Ich habe schlecht geschlafen und werde, glaube ich, krank.

Ich gehe in Zimmer 1.

Frau N. liegt auf dem Bett, Nackenkissen, Kopfhörer auf, guckt Fernsehen.

Ich stelle mich direkt ans Fußende in ihr Blickfeld. Ich bin nicht zu übersehen.Wirklich nicht.

Frau N. sieht mich, guckt um mich herum, weiter auf den Fernseher.  Die Kopfhörer nimmt sie nicht ab.

Ich frage laut, schreie fast: „Guten Morgen Frau N. Wie geht es Ihnen?“  Noch bin ich höflich.

Es kommt keine Antwort. Frau N. macht keine Anstalten die Kopfhörer abzunehmen. Sie guckt ungerührt weiter Fernsehen. Ist ja wichtig. Sonntagsmesse.

Ich schäume innerlich. Sage zu Martin achselzuckend: “ Gut, wer nicht behandelt werden will.“ Ich drehe mich um und gehe ins nächste  Zimmer, zu Herrn P., der im Sterben liegt mit Nierenversagen.

Im Herausgehen erklingt die  schneidende Stimme  von Frau N. in meinem Kittelrücken: „Ich habe Schmerzen und es hilft alles nichts.“

Ich  drehe mich innerlich seufzend um.  Ich betrachte Frau N. näher.  Wenn sie läuft, knickt das linke Bein ab und zu ein.  Z.n. Hüft TEP. Vorher war sie fit, sie lebt alleine und hat Angst. Die Kinder leben in Münster.

Ich lasse sie laufen, gucke mir das Gangbild an,  verspreche ihr eine Orthese für das Knie  und steigere die Schmerzmedikamente.

Als ich rausgehe, bedankt sich Frau N. Sie wünscht mir und Martin einen schönen dritten Advent. Und macht den Fernseher aus.

Büffetregeln

Aus gegebenem Anlass:

Bitte beim Frühstücksbüffet:

– das Brot mit der Serviette, die darüber liegt, anfassen. Und nicht mit Ihrer bloßen Hand, in die Sie gerade noch grün reingehustet haben. Das ist der Sinn der Serviette. Sie liegt nicht über dem Brot, um es vor Kälte zu schützen. Sondern vor Ihren Keimen.

– den unsäglich künstlichen Orangensaft nicht immer aus dem demselben Glas trinken. Es ist eklig, wenn Sie mit dem gebrauchten Glas die Ausschütte berühren und Ihren Norovirus, den Sie noch nicht merken, gleich gratis an weitere zwanzig Leute verteilen.

– bitte pro Gang einen frischen Teller nehmen und nicht auf den benutzten Teller mit dem Vorlegelöffel ein Kubikmeter frisches Essen schaufeln.

– aus der Entscheidung, ob Sie ein Weizen-oder doch ein Vollkornbrötchen nehmen, keine dreistündige Vollversammlung machen, während sich hinter Ihnen eine 20 Meter lange hungrige Schlange stapelt.

– nicht am Hintern kratzen, wenn ich hinter Ihnen stehen.

– nur soviel auf den Teller legen, wie Sie auch wirklich essen wollen.

– versorgen Sie nicht Ihre sechsköpfige Großfamilie samt Schwippschwager mit diversen Marmeladenbukoequisahonigtöpfchen für lau.

– und falls Sie einen unsäglich lauten Handyklingelton haben, den Sie sicherlich sehr witzig finden, gehen Sie s c h n e l l an Ihr Handy. Und wühlen nicht stundenlang in Ihrer Tasche rum und schauen, nachdem Sie es endlich gefunden haben, lächelnd schulterzuckend in genervte Gesichter.

Danke.

Leichenfuß

Medizin ist nicht  fröhlich. Nein, Medizin ist nicht immer nett und heilbringend. Nein, Medizin besteht nicht immer aus freundlich lächelnden Ärzten in gebügelten, frisch gewaschenen Kitteln. Medizin kann grausam sein. Medizin kann dreckig sein. Medizin kann mich fassungslos  machen.

Gestern wurde eine 74jährige Patientin Frau B. notfallmäßig eingeliefert. Sie lebt alleine zu Hause und ist gestürzt. Der Sohn, mit dem ich heute gesprochen habe, meinte: „Sie ist sehr, sehr eigen!!  Sie hasst Ärzte. Sie sollte schon lange zum Hausarzt. Seit einer Woche geht es ihr richtig schlecht. Kann kaum laufen vor Schwäche und Schmerzen im rechten Bein. Gott sei Dank ist sie dann gestern endlich zum Arzt. „

Frau B. wurde dann heute auf meine Station verlegt. Schon ein Blick  auf die Laborwerte im PC lassen mich das Schlimmste ahnen. Dialysepflichtige Niereninsuffizienz, CRP hoch, spricht für einen schweren Infekt.  Röntgen noch nicht gelaufen. Ich denke, na ja, vielleicht hat der diensthabende Arzt es nicht für nötig befunden oder was auch immer. Aber kein gutes Gefühl dabei. Der typische Freitagnachmittagfall.

Frau B. ist dann endlich auf meiner Station. Ich gehe ins Zimmer. Frau B. liegt auf der Seite, blass, strähnige Haare, vorgealtert, halluziniert. Sie hat gerade das Mittagessen ausgebrochen, das Erbrochene sieht aus wie altes Blut.  Ich gucke unter die Bettdecke. Erste geriatrische Regel.  Immer unter die Bettdecke gucken.  Zweite Regel:  Sich nie auf vorliegende Diagnosen verlassen. Immer ein eigenes Bild machen. Dritte Regel: Nur den Röntgenbildern und Laborwerten glauben, die ich selbst gesehen habe!

Und Bingo: Ich entdecke ein blaues, eiskaltes linkes Bein, pulslos.

Der nette schlichte Sohn mit Oberlippenbart, der neben dem Bett  steht, stottert verlegen, als er meinen fassungslosen Blick sieht: „Das hat sie schon seit gestern. Der Hausarzt hat gesagt, der Fuß müsse warm gehalten werden, sei nicht so schlimm.“

Ich merke, wie mir die Magensäure zu den Ohren raus läuft.Frage mich, was der Hausarzt studiert hat? Frage mich, ob der Diensthabende das blaue Bein gestern Abend nicht gesehen hat?  Ob die Visite auf der Aufnahme das heute morgen  nicht gesehen hat? Ob die Pflege das kalte Bein heute morgen beim Waschen nicht gesehen hat?

Funke die Gefäßchirurgin an. Sie kommt sofort. Blickt auf das pulslose blaue kalte Bein. Doppler. Diagnose: Kompletter Verschluss. Typischer Leichenfuß. Länger als drei Tage. Therapie: Oberschenkelamputation.  Eine OP wird Frau B. jedoch bei der Niereninsuffizienz nicht überleben. Also konservativ behandeln.  Das heißt Morphin und polstern. Und warten auf das  Sterben. Endlich liegen auch die Röntgen Bilder vor: Ich entdecke zwei  mandarinengroße Raumforderungen im rechten Lungenmittellappen, Hoffe, dass es eine atypische Pneumonie ist. Weiß aber doch, dass es ein bösartiger Tumor ist. Aber für Frau B. ist es egal.

Sie guckt mich an. Lächelt. Die Oberkieferprothese verrutscht dabei. Dann schwingt ihr Blick auf ihren Sohn, der hilflos am Fußende steht. Ihr Blick gleitet zum Fenster. Der Sohn weint.

10 Stunden später füllt der Diensthabende den Totenschein von Frau B. aus.

Überbewertet

Wie schaffe ich es, mir meinen freien Samstag zu verderben?

Ganz einfach:  Indem ich um acht Uhr morgens bei Edekapennylidlnettoaldisüdnordrealrewe einkaufen gehen muss.  In meinem Kühlschrank ist noch eine Tube Löwensenf (ja, gibt es auch in Tuben), eine Flasche Hela Ketchup, ein altes Ei und eine wellige Scheibe Käse.  Nichts um damit in das Wochenende zu starten.

Habe ich es schon erwähnt?  Ich hasse einkaufen. Wer mich und sein Leben liebt, lässt mich im Auto sitzen und geht alleine einkaufen.  Klappt leider nicht immer. 

In meinem Einkaufswagen (dem letzten!) hat jemand  einen kaputten Joghurt Becher drin gelassen. Einkaufsschlunzen, Ich gehe durch die Glastür. Pralle auf zwei Frauen, die es sich vor dem Obst gemütlich machen. Sie fliehen schnell. Vor der Milch wird natürlich wieder nachgefüllt.  Brauche ich Milch? Ist überbewertet. Schnell weiter. Der Rest geht gut. Aus den Augenwinkeln sehe ich schon eine lange Schlange vor der Kasse. Lange Schlange heißt bei mir vier Leute. Irgendein Blödmann hat seinen Wagen so dämlich im Gang zur Kasse stehen lasse, das nichts mehr geht. Ich kicke ihn ungerührt weiter. Macht Spaß. Vor mir an der Kasse steht ein Öko Rentner. Grauer Vollbart, zugewucherter Nacken, North face Jacke, Milch von freilaufenden Hühner,  Putenbiobrust, ein Basilikumtöpfchen. Drei Artikel. Natürlich legt er keinen Trennstab (oder wie heißt das) hinter seine Einkäufe. Wieso muss ich das eigentlich immer machen?  Natürlich hat er keinen Wagen. In aller Seelenruhe zieht er sein Portemonnaie aus der Hosentasche (ich habe meins schon lange in der Hand) und pröttelt 10,23 Euro in Ein Cent Münzen raus. Ichwerdwahnsinnig. Und werde noch wahnsinniger, als er im Schneckentempo seine drei Sachen in eine Leinentasche packt.  Ich komme nicht weiter mit meinem Wagen, meine Einkäufe prallen auf seine. Ich umrunde ihn mit meinem Wagen um doch dran zu kommen. Rempel ihn aus Versehen an. Pfeffer alles in meinen Wagen. Hyperventiliere,  als er dann noch zu den Werbeblättchen greift, die am Ende des Bandes liegen, es durchblättert, es zurücklegt, es sich anders überlegt und doch eins einsteckt.

Weiter geht es beim Bäcker. Vor mir zwei Männer, einer im obligatorischen Bequemballonseidenanzug (wenn ich das Geraschel schon höre ) und schmutzig weißen Pantoffeln, der zweite bestellt 20 Brötchen. Dann bin ich dran. Die Verkäuferin blickt an mir vorbei, der Blick gleitet über und dann hinter mich. Sie fragt: „Wer bekommt jetzt?“

Brot und Brötchen werden auch überbewertet.

Lieber Herr S.,

Sie sind bei uns mit einer schweren Herzinsuffizienz behandelt worden. Wir haben Sie wieder gut hinbekommen. Finden wir jedenfalls. Wir wissen, Sie sehen das anders. Leider.

Vor 14 Tagen konnten Sie nur mit zwei Hilfspersonen 5 Meter zur Toilette laufen. Heute  laufen Sie alleine. Und zwar bis zur Cafeteria mit ihrer Frau. Und essen dort ein Stück Erdbeertorte.  Und trinken ein Tässchen Kaffee. Mit viel Milchschaum. In den ersten drei Tagen konnten Sie nur Pudding essen und eine klare Suppe, weil Ihnen immer schlecht geworden ist und Sie sich sofort übergeben mussten. Ohne Sauerstoff sind Sie sofort blau angelaufen. Heute ist ihr Gesicht wieder rosig, der Sauerstoffschlauch ist weg.

Heute bei der Entlassung saßen Sie in ihrem Zimmer. Die jetzt schlanken Beine trotzig auf das Sitzbrett des Rollators gelegt.

Auf unser „Guten Morgen!“

antworteten Sie mir mit verkniffenem Mund:

„Was soll daran gut sein? Wie geht es jetzt weiter? Von wem bekomme ich jetzt  meine Tabletten?

Noch freundlich haben wir Sie darauf hingewiesen, dass wir Ihnen die Tabletten für zwei Tage mitgeben und Sie dann zum Hausarzt müssen.

Darauf erwiderten Sie: „Und wer soll zum Hausarzt gehen und  die Rezepte holen?“

Ich: “ Wer auch sonst immer gegangen ist!“

Ihnen schien die Sache jedoch unendlich kompliziert. Nein, die Frau könne nicht, der Sohn müsse arbeiten und der Pflegedienst mache das nicht. Erschöpft haben wir nach endloser  Diskussion aufgegeben und den Brief mit der Bitte um Zusendung der Rezepte dann an den Hausarzt gefaxt.

Sie sagten dann beim Abschied mürrisch: “ Hoffe, ich muss hier nicht wieder rein!“

Danke. Das hoffen wir auch, Herr S.

Dreck and drop

Ja, ich habe ein iphone.  Ja, es wird mein letztes sein. Ja, das wusste ich bereits,  als ich es nur mit dem PC starten konnte. Ja, ich wusste es bereits, als ich es vorher mit einem Stecker meines blauen Billig Ohrrings von Bijou Brigitte anmachen musste. Heute gibt es ja dafür die ach so putzige Stimmgabel.

Und ja, seit heute weiß ich definitiv, dass Apple und ich uns auf ewig hassen werden.

Beim Synchronisieren verschwanden mal eben meine sämtlichen Hörbücher im digitalen Nirwana. Hummeldumm und Co. Einfach weg.  

Nein, lieber Apple Support, sie sind nicht unter Musik gespeichert, nein, auch nicht in der Mediathek.   Wahrscheinlich sind sie in irgendeiner sinnbefreiten Cloud verschwunden. Die Musik dito, die habe ich mühsam durch „Auffüllen“ wieder auf das Handy bekommen.

Von wegen “ einfach durch drag und drop“. Nein, Dreck und drop! Und dann  Ex und Hopp.

Und ja, lieber Apple Support, bitte erzählt mir nicht in gelangweilten Ton für Blöde, wie toll Apple und Itunes ist.

Solange ihr Smartphones mit verschweisstem Akku herstellt, könnt ihr mich mal.

Kreuzweise.

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