Irgendwann

Wir Altersmediziner sind die underdogs der Ärzte. Wir behandeln alles über 80.  Egal ob zwei Beine, ein Bein, kein Bein. Man kennt uns nicht so genau, man weiß nicht so genau, was wir machen. Die Kardiologen und die übrigen richtigen Ärzte gucken uns etwas mißtrauisch,  innerlich naserümpfend an. “ Die behandeln ja nur kratzende, beißende Omis!!“ Aber irgendwann kommen sie alle zu uns. Wenn die Tante gefallen ist, die Eltern alt werden und nicht mehr so  tun, wie erwartet. Dann grüßt man uns freundlich. Auf einmal. Oder wie mein Kollege Markus sagt: Irgendwann kriegen wir euch alle!!! Wir machen uns mittlerweile einen Spaß draus.

Vor dem Aufzug steht ein grummeliger dickbäuchiger Chirurg.

Markus: Damit würde ich nicht fahren!!“

Chirurg, ratlos: Hääähh?“

“ Kollege, Treppensteigen hält gesund. Nicht, dass du bald bei uns am Gemeinschaftstisch auf Station 4 a sitzt. Und Hirnleistungstraining mit Memory machst!“  Wir verschwinden schnell um die Ecke, bevor der Chirurg es kapiert. Obwohl, bei Chirurgen dauert das schon mal.

Oder wir gucken stirnrunzelnd auf die knusprigen Pommes, die sich der Gastroenterologe freudig auf seinen Teller schaufelt. Schütteln entsetzt den Kopf. Nicht gesund. Transfette, Schlaganfallrisiko, weißmanja.

Und dann? Landet ihr bei uns. Nicht jetzt, nicht gleich. Irgendwann. Weil: Irgendwann kriegen wir euch alle!!!

Serien

Gefunden bei Margarete via Filmschrott.

Es gibt eine Blogstöckchenparade über Fernsehserien.

Margarete will folgendes wissen:

Welche Serie hat dich zuerst in ihren Bann gezogen? Nach welcher Serie warst du zum ersten mal süchtig? Gemeint sind solche Serien, die tatsächlich für Erwachsene oder zumindest für Jugendliche gedacht sind, die typischen Zeichentrick- und Animeserien für Kinder fallen damit raus.

Los gehts: Meine ersten Serien, die ich immer und immer sehen musste, waren  in den 80er Jahren:

  • Das A Team, jaaaaaa mit Mr. T. der 25 Kilo Goldketten um seinen Hals tragen konnte. Hat mich sehr beeindruckt.
  • Hart aber herzlich (Stephanie Wagner hatte so tolle Haare)
  • Büro Büro (kennt bestimmt kein Mensch), mit Herbert und Elfie. Da gab es eine nette Titelmelodie mit Schreibmaschinengeklapper.
  • Falcon Crest mit der fiesen Angela, die aussah wie Nancy Reagan (war sie bestimmt auch).
  • Alf (ich habe ihn echt geliebt).

Dann als ich älter und nicht wesentlich weiser wurde:

Die hepatitisgelben Simpsons (gelten die?? bitte bitte!!!)

Ein bisschen Beverly Hills 90210 und Prinz von Bel Air.

Die anderen Serien mit Ihrem Geklatsche aus der Konserve haben mich richtig genervt.

Dann war lange, lange Pause, da ich die Folgen immer verpasst habe. Erst im Zeitalter von Amazon prime, Netflix  und Co bin ich wieder Serien Fan.

  • Homeland mit einer genialen psychotischen Claire Danes.
  • Good wife (wurde aber irgendwie dann doch langweilig)
  • Damages mit der schmallippigen Glenn Close.
  • House of cards (aber reicht jetzt auch).

Und der Gewinner ist: ****Trommelwirbelundtusch****

  • Code 37 mit einer unglaublich gesichtsakrobatischen  Veerle Baetens. Hach. Das Leben ist schön, wenn es solche Serien gibt.

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Veerle Baetens

Vergeben

Neuer Job, neue Passwörter. Urgs.

Eins für Windows, eins für das Krankenhausinformationssystem (sinnigerweise KIS genannt), eins für die Apotheke, eins für was weiß ich. Alle müssen natürlich nach 4 Wochen wieder geändert werden.

Ich beginne.

Gebe mein Nullachtfuffzehn Passwort ein. Das was ich immer nehme.

Ich werde darauf hingewiesen:

„Bitte geben Sie mindestes 8 Zeichen ein.“

Gut, kein Problem.

Ich gebe ein:

dublödespasswort

Ungerührt kommt zurück:

„Bitte geben Sie mindestens ein Sonderzeichen ein.“

Harr, harr, kannst Du haben!!

dublödes%$§passwort.

„Bitte geben Sie einen  Großbuchstaben ein.“

Kein Problem.

Dudummesblödes§$%&passwortdu!.

„Bitte verwenden Sie keine Umlaute.“

Guckst Du!!

Dudummesbloedes§$%%passwortdu!

„Dieses Passwort ist leider vergeben.“

Stilberatung

Ich las gestern einen Artikel. “ Was trägt ein Arzt unter dem Kittel? 10 Styling Tipps für Ärzte.“

Nachdem ich mich von einem 60 minütigem Lachflash erholte und die Worte „gedeckte Farben, Hemden mit Streifen, richtiger Grad an Seriosität, Hugo Boss, Bootsschuhe, kleiner Absatz von 5 cm, Burberry, klassische Bluse, eng tailliert“ aus meinem Kopf verschwunden waren, dachte ich nach.

Auf mich treffen eher diese Worte: “ Hauptsache bequem, je flacher desto besser, erst nach einem halben Jahr sind die Schuhe richtig gut, alte  Jeans, T-Shirts mit seltsamen Mustern, die letzte Bluse habe ich auf meinem Einschulungsfoto an“ zu.

Obwohl, jetzt an einer Uniklinik werde ich mich wohl umstellen müssen. Viele befolgen die Styling Tipps und tragen Hemden mit Streifen, Blusen, Lederschuhe (gelocht, 300 Euro).

Ich putze grummelig meine Chucks. Vielleicht gibt es die ja auch mit Absatz, klassisch, 5 cm.

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Läuft

Erster Tag in meiner neuen Stelle.  45 Minuten zu früh. Kaum geschlafen. Nichts gegessen. Auf dem Kinn entwickelt sich ein unterirdischer pochender Pickel. Sitze im Auto auf dem Parkplatz.  Verfluche mich. So schlecht war die alte Stelle irgendwie doch nicht.  Überlege, ob ich eben schnell in den Busch neben meinem Auto kotzen soll. 

Vor der Klinik ist eine riesige Baugrube. Auch eine Möglichkeit zu verschwinden.

Tief durchatmen (als ob das je geholfen hätte). Feuchte Hände. Warte  vor dem Sekretariat. Rote hektische Flecken kriechen mir ins Gesicht, Ruhepuls von 120 bpm. Vielleicht bekomme ich ja jetzt auf der Stelle einen Vorderwandinfarkt und das Thema ist dann durch.  Die Tür wird aufgerissen. Mein neuer Chef steht vor mir, braungebrannt, gut gelaunt. Er guckt mich an, holt mir einen Kaffee: “ Erste Tage sind schrecklich. Man sollte sie einfach abschaffen.Wir freuen uns sehr, dass Sie da sind!“

Läuft.