Medizinertisch

Wer mit einem Medizinermenschen zusammen sitzt und ißt, braucht Nerven wie Stahlseile.

FünfFrauenGruppe in der spanischen Finca Bar in Essen (ich mag die Finca zwar nicht, aber die anderen wollten dahin).

Alkohol fließt in Strömen. Cola und O-Saft auf dem Tisch. Sonne scheint, alle haben Hunger. Lange nicht gesehen, Frauengeschnatter. Der Nebentisch aus KupferdrehStadtwaldBredeney mit mageren Hippen und Riesensonnenbrillen guckt schon zu uns rüber. Gemalte Augenbrauen werden hochgezogen. Egal.

Ich habe den Currywurstspieß bestellt (nicht noch mal).

Moni:  Hähnchenspieße.

Brigitte:  kanarische Kartoffeln.

Gudrun: Suppe.

Angela:  hab ich jetzt vergessen.

Ich mustere meinen Spieß, präpariere sorgfältig die Wurststücke herunter.

Moni beäugt das misstrauisch und meint: “  Die Soße sieht aus wie die Makrohämaturie im Urinbeutel  von Herrn Müller auf Zimmer 6.

Ich tunke ungerührt meine Wurst in die Hämaturiesoße. Schmeckt. Sehr fruchtig.

Ich gucke jetzt auf die Hähnchenspieße von Moni.  Moni zuppelt die Stücke herunter. Grob. Sie zerschneidet die Vena poplitea und garantiert den Nervus femoralis Die Hähnchenmuskeln sehen atrophisch aus.  Kannichnichthingucken.

Der Nebentisch auch nicht. Werden schon grün im Gesicht.

Brigitte, leicht alkoholisiert,  guckt auf ihre kanarischen schrumpeligen Kartoffeln  und gackert los: „Neee, die sehen aus wie die Hoden von dem Thrombosepatienten, der gestern gegangen ist.“

Der Nebentisch flüchtet.

Ich bestelle Crema Catalana. Lecker!

Englisch – Deutsch

In einer britisch-deutschen Beziehung kann man einiges über Kommunikationsstile lernen.  Die Briten  sind  sehr höflich (es sei denn sie liegen besoffen und krebsrot in Magaluf am Strand). Direkte Kritik ist nicht gerade ihre Stärke. Sie würden nie um etwas bitten.

Was die Briten sagen und was sie meinen:  Ein feiner Unterschied.

  • I hear what you say: Ich höre es, werde aber nie damit einverstanden sein.
  • That´s not bad: Es ist schrecklich, erwähne  es nie nie wieder.
  • I would suggest, …: Mach es, sofort!
  • Very interesting:  Absoluter Nonsense!
  • I´m sure it´s my fault: Es ist dein Fehler, nicht meiner!
  • I almost agree: Was hast du für schwachsinnige Ideen?
  • You´re welcome: Besuch mich bitte nie!
  • You must come to dinner: Komm zum Essen, ich werde nicht da sein!

Via David, thx!

Das Bob Spiel

Bob ist ein 48 jähriger Brite mit abgewetzten Jeans und einem langem grauen Pferdeschwanz. Seit seiner Scheidung vor 20 Jahren leidet er an dem AlleFrauensindSchlampen Syndrom.

An allem hat seine Ex Frau Schuld.

Bob hat seinen gutbezahlten Job verloren? Jane hat Schuld, weil sie ihn psychisch fertig gemacht hat.

Bob  ist zu dick? Jane hat Schuld. Wäre sie nicht gegangen, wäre er schlank.

Bob hat eine Lebensmittelallergie? Wenn Jane richtig gekocht hätte, würde er nicht allergisch reagieren.

Klopapier ist alle? Wäre Jane nicht gegangen, wäre er nicht depressiv und hätte an Klopapier gedacht.

Bob kreist alleine in seinem kaltblauem Scheidungsuniversum.

Aus dem Gedankenkleben an Jane ist das Bob Spiel entstanden.

Ziel und Sinn ist es innerhalb von fünf Sekunden von einem beliebigem Thema auf  Jane zu kommen.

Wir reden über z.B. Tiefseetauchen (sehr gängiges Thema).

Bob: „Jane, meine ExFrau, die mich vor 100000 Jahren verlassen hat, kann nicht Tiefseetauchen.“

Wir weichen auf das Thema „Wohnzimmerschränke“ aus. Hoffen.

Aber nein: Bob wird rot im Gesicht, ereifert sich: „Jane hat unseren Ahornschrank im Wohnzimmer nie richtig geputzt.“

Gut, wir versuchen es mit „Matjessalat“. Keine Chance: Jane hat nie Fisch gegessen und ihn immer verkochen lassen.

Der Rekord steht bei 4 Sekunden. Entrinnen beim Bob Spiel ist unmöglich. Hands up!

Deine Ärzte

Kardiologe:

Wichtigster Arzt (denkt er jedenfalls). Schlank, groß,  schon fast kachektisch. Läuft häufig Marathon, steigt immer Treppen, drei Stufen auf einmal. Über den Flur hetztend. Blickt mit verächtlicher Miene auf Menschen herab, die den Aufzug benutzen. Ißt immer gesunde Mittelmeerkost.  Das wichtigste Organ ist für ihn das Herz.  Tunnelblick für übrige Diagnosen. Das Gehirn interessiert ihn nicht so sehr.

Gastroenterologe:

Nett, manchmal etwas schüchtern und zurückhaltend. Spricht noch freundlich am Telefon, selbst wenn er mit dem Endoskop 40 cm im Colon steckt. Liebt diverse Beschreibungen von Stuhlgangskonsistenz und Farbe, hellbraun, flockig, krümelig, breiiig, spritzend…

Geriater:

Sieht fast so alt aus wie seine Patienten (als mein Chef am Gemeinschaftstisch auf der Station saß, habe ich ihn für eine Neuaufnahme gehalten). Läuft fast so langsam wie seine Patienten. Hat Angst, genauso zu werden wie seine  Patienten.

Psychiater:

Sehen ohne Kittel aus wie ihre Patienten. Das Team ist immer wichtig. Ohne Team und Supervision läuft nichts. Noch nicht mal Kaffeebestellung.  Vordergründig freundlich. Sehr lange Besprechungen, in denen nicht rumkommt.

Gynäkologe:

Die Ärztinnen sind irgendwie alle blond mit Pferdeschwanz, schlank  und klein. Stets ängstlich, dass der blaue Säugling, den sie entbunden haben, kein Abitur macht und sie deswegen 10 Jahre später angeklagt werden. Müssen immens hohe Prämien bei der Haftpflichtversicherung zahlen.

Unfallchirurg:

Lautlärmend, dick , lachend, rauchend. Kennen richtig schlimme Witze.  Im Spind hängt das neuste Playmate. Haben diverse Autos. Darunter meist ein großer SUV Panzer.  Was nicht operiert und mit einem Stabilo Baukasten versorgt werden kann, ist keine Krankheit.

Anästhesist:

Unsichtbar. Doch, doch es gibt sie. Sie fallen im normalen Alltag nicht auf. Einsilbig, kein Wunder, müssen auch nicht viel mit ihren betäubten Patienten sprechen.

Kinderarzt:

Sehen fast genauso aus wie ihre Kundschaft. Immer ein buntes Stethoskop lässig um den Hals geschlungen . Witzige Namensschilder in Pink oder Grün aus Fimo oder selbstgetöpfert.  Machen immer lange Mittagspausen in der Cafeteria, am grossen Gruppentisch mit alle Mann.

Viszeralchirurg:

Wenn man sie zu einem akuten Bauch  ruft, gibt es nur zwei Reaktionen: „Für sowas rufen sie mich? Erst mal den Patienten abführen!Oder: “ Wieso rufen Sie mich jetzt erst? Jetzt können wir nicht mehr operieren. Hätten Sie mich mal eher gerufen.“  Können es nicht fassen, wenn schwer kranke Patienten sterben.  „Wieso, der Bauch war doch in Ordnung.?! “ „Jaaa, aber der Patient hatte ein Nierenversagen, eine beidseitige Pneumonie und einen Herzinfarkt!“

Urologe:

Ihnen ist nichts Menschliches fremd. Haben alle möglichen Gegenstände aus männlichen Harnröhren entfernt. Erzählen davon mit verzückten Mienen auf Parties. Zeigen Fotos davon.

Gefäßchirurg:

Präparieren  beim Mittagessen sorgfältig die Arterien und Venen des  kross gebratenen Hähnchenschenkels, während der Umgebung schon vom Zusehen schlecht wird.

Radiologe:

Er ist der Reichste.  Stirbt früh. Hat eine Dauerkarte auf der VIP Tribüne auf  Schalke.  Seine deutliche jüngere Frau fährt als Zweitwagen einen Porsche Cayenne und kann damit nicht einparken.

Neurologe:

Halten sich für Dr. House. Sind die Besten und Schönsten. Stimmt ja auch!

Chefworte

Mein Chef bei der ersten Visite in Zimmer 12. 86 jährige Patientin  mit Z.n. Oberschenkelamputation  links bei schwerer pAVK.
Die Patientin, klein und moppelig, sitzt auf der Bettkante.  Die Bettdecke über dem Bein.

Sie  grüßt freundlich: „Guten Morgen.“

Chef: „Guten Morgen Frau Schmidtmüllermeier.“

Er mustert die Patientin genauer über seine Brille und meint:  “ Sie haben aber kurze Beine.Ich gucke, ob sich  gerade schnell irgendwo die Erde auftut. Nein, tut sie nicht.

Frau Schmidtmüllermeier grinst: „Ja, und besonders das linke…“

Touché! Humor ist wenn man trotzdem lacht.