Was ist

eigentlich los mit Euch?

Anruf Nr. 1: Die hysterische Sekretärin der Gynäkologen am anderen Ende. Ihre Mutter hatte vor zwei Jahren bei uns gelegen. Jetzt hat sie in dem Entlassbrief gelesen, dass dort Z.n. Hüft Tep links 1982 steht. Nein, es sei rechts gewesen. Da sei sie ganz sicher. Und das müsse jetztundsofort geändert werden. Keift es aus dem Hörer. Ich frage sie, was es denn für Konsequenzen hätte. Und frage mich: Was ist eigentlich los mit Dir?

Auftritt Nr.1: Ich steige aus dem Aufzug. Und werde sofort von einer dünnen rothaarigen anorektischen Frau überfallen, die mit einer Einweisung hyerventilierend vor meinem Gesicht wedelt. Wo sie hin muß? Eine Etage höher sage ich und halte ihr den Aufzug auf. Ja, das habe man ihr schon gesagt. Und ich frage mich: Was ist eigentlich los mit Dir?

Geschichte Nr.1: Mein Assistent erzählt mir im Dienst, er habe die Polizei rufen müssen. Ein Patient habe eine Frau im Aufzug gewürgt. Die Polizei habe gesagt, sie könne nicht machen, da er geistig retardiert sei. Ich und mein Assistent fragen uns: Was ist eigentlich los mit Euch?

Auftritt Nr. 2: Der Sohn von Zimmer 3 mit viel Tagesfreizeit hängt wieder über dem Tresen. Er wolle mit dem Arzt sprechen. Das hat er schon Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag getan. Die Mutter hatte eine komplikationslose Fraktur, es gibt nichts zu besprechen. Die Fraktur heilt nicht schneller durch langatmige Angehörigengespräche. Gleich dahinter kommt die schmallippige Tochter von Zimmer 14. Wie oft sie noch sagen muß, dass Mutti keine Cremesuppen mag, sondern nur klare Suppen?? Aber morgens nur Haferflockensuppen.

Was ist eigentlich los mit Euch?

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7 Antworten zu Was ist

  1. Frau Meyer schreibt:

    Es ist unfassbar, was du dir anhören und ansehen musst.
    Ich bin kurz davor, an der Gesellschaft zu verzweifeln.
    Omas mit Rollator, denen man die U-Bahn-Tür trotz enervierendem Gefiepe aufhält, bedanken sich nicht.
    Jugendliche machen ihre Eltern hier bei mir im Reisebüro fertig, weil ihre Eltern so ein Asi-Hotel (4-Sterne, direkt am Strand, super Bewertungen) ausgesucht haben.
    Menschen mit Smartphone rennen einen ständig über den Haufen und entschuldigen sich nicht (ich warne keinen mehr vor der herannahenden Straßenbahn).
    Ein Basis-Wissen über Höflichkeit und wie man sie anwendet – hach, wie schön wäre das.

    Sei herzlichst gegrüßt von Frau Meyer

  2. Ginge in Germany schreibt:

    It’s not the jobs. It’s the people that drag you down… 😦

  3. Anon schreibt:

    Da ist vieles zusammengekommen.

    Die antiautoritäre Erziehung ab Ende der 60er. Autoritär heißt nicht, dass das man zur Erziehung sein Kind schlagen muss etc., es bedeutet, dass man seinem Kind Grenzen zeigen und setzen muss. Das Kind will sich an den Eltern oder anderen Erwachsenen orientieren, was es tun darf, das vereinfacht das Leben – nicht umgekehrt. Antiautoritär erzogene Kinder kennen die Grenzen des gemeinsamen Zusammenlebens nicht. Was sollen sie also selbst an ihre Kinder weitergeben. Da ist dann das Paar, dass vor der Hochzeit das gemeinsame Kleinkind fragt, welchen Nachnamen man wählen soll; die Eltern, die das Kleinkind fragen, wohin man in den Urlaub fahren soll; das Kindergartenkind, dass der schwangeren Mutter mit voller Wucht in den Bauch tritt und die Schwangere weiß nicht, was sie tun soll.
    Bevor Menschen Kinder erziehen dürfen, sollten sie erst einmal ein Tier erziehen, am besten einen Hund, weil man dann die Fehlerziehung gleich am eigenen Leib spürt.

    Den Leuten wird heute erzählt, das Leben sei ein Ponyhof, alles glücklich, schön und machbar. Nein, dass Leben ist brutal und immer tödlich. Und ich bin nicht sein Held, weil ich nur noch meine Interessen durchsetze.
    und und und

    (fangen auch wir gleich mal freundlich an: Danke, dass ich meine Meinung hier posten kann)

    • labaera schreibt:

      Erschreckenderweise sind auch ältere Leute, die sich wohl die Rücksichtslosigkeit abgeschaut haben. Und ja, du darfst deine Meinung hier immer posten 🤩

  4. Anon schreibt:

    (Weiß ich doch, aber die Freundlichkeit fängt im Kleinen an.)

    Ich denke einige Älteren sind von Natur aus so. Die anderen haben sich irgendwann gesagt, warum soll nur immer ich zurückstecken. Früher standen die Jungen für Ältere im Bus auf, heute heißt es eher, „ey Alter steht auf, sonst gibt`s was in die Fresse“.
    Merke ich ja auch schon z.B. beim Autofahren, warum soll ich mich als einziger Bedanken, wenn auf meiner Seite ein Hindernis steht und einer der wenigen freundlichen Autofahrer mich trotzdem vorbei lässt; warum soll ich rechts fahren, wenn alle links fahren. Äh doch, rechts geht es schneller 🙂 ; warum soll ich die Kassiererin freundlich Grüßen, wenn man merkt, dass ihre Freundlichkeit erzwungen angelernt ist…
    Vielleicht können wir es noch drehen. Die Welt ist ein Pendel. Die Freiheit, die wir in den 70ern, 80ern hatten, wird derzeit zurück gedreht. Aber ein Pendel kann man auch wieder in die andere Richtung bewegen.

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