Machmallauter -Agnes Obel- September song

Reese Witherspoon in „Little big lies“ hat mich zu diesem Lied geführt.

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Die barfly

Es ist ein schöner Urlaubsabend.  D. und ich sitzen in der Cocktail Bar.  Es ist ruhig, der Kellner poliert Gläser und schnitzt  hingebungsvoll Ananas Dekorationen zurecht.  Nebenan läuft  Bundesliga. Ich picke Erdnüsse auf. Auf einmal durchbricht ein  Kichern hinter meinem Rücken die Atmosphäre.  Gefolgt von  Absatzklacken. D. schaut auf, erblasst bis in die roten Haarspitzen.

Oh, no.“ (Das entspricht einem emotionalem englischen Ausbruch).

Ich murmele:  „Was ist los?“

D.: „Pass auf.“

Ich drehe mich nicht um. Das Kichern umrundet mich und landet vor dem Kellner an der Bar.  Zieht sich mühsam  auf einen Barhocker hoch.  Ich erblicke eine Frau Mitte 50, grau blonde Haare, moppelig,Glitzeroberteil, Hose „für die Partyabende“ (meine Mutter sagt dazu Treiber) , Schuhe mit Blockabsatz, 1 Promille.

Sage zu D.: „Ja und?“

D.: „Wait and see.“

Nach drei Minuten weiß ich Bescheid.

Das Kichern hat ein doppeltes Münsterländer Schnäpschen verschlungen und zugleich den Kellner mit den Augen. Zudem erklärt sie ihm ihre Welt und ihr Leben. Der  Kellner schaut hilflos zu uns.

Es ist eine Barfly. Eine echte Barfly.  Sie wird mindestens drei Stunden dort sitzen, falls sie nicht vorher vom Hocker fällt. Oder wie echte Fliegen in Alkoholpfützen festklebt.

Ich stehe auf, muss zur Toilette.

D. schaut mich schockiert an: „Du willst mich jetzt doch nicht alleine lassen?“

Nur zur Toilette, beruhige ich ihn.

Als ich wiederkomme,  hat die barfly einen Angriff gestartet und  D. zugezwinkert.

Sie sei geschieden.

Wir verschwinden. Zurück bleiben die Erdnüsse, der Kellner. Und die barfly.

 

 

 

 

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Ohne Punkt und Komma

R., ein Freund, den ich sieben Jahre kannte, stieg ins Auto. Es war ja auch vollkommen klar, dass ich fahre (O-Ton: Wie kommen wir denn dahin??).  Kaum saß R. ging es auch schon los. Er habe so viel Stress in der Praxis, und dann noch die Zahnschmerzen, und auch das Knie, auch Badminton könne er nicht spielen, das (überteuerte gebatikte Hipster) T-Shirt, was er trage, sei natürlich aus Berlin, und das Ruhrgebiet sei ja so retro, er würde nur wegen der Praxis hier wohnen, Berlin sei es halt, es sei ja seine Stadt (klar, der vollgekotzte Cotti hat was).  Ich sah auf die Uhr. 14 Minuten, 32 Sekunden narzisstischer Monolog ohne Punkt und Komma. Und überhaupt sei er hochsensibel, habe er sich ja immer schon gedacht.

Und weiter ging es. Gestern traf ich mich mit S. Ihre Redezeit: 2 Stunden 25 Minuten, inclusive Vorlegen Fotos sämtlicher Familienmitglieder. Meine Redezeit: 11 Minuten. Da ich mit dem Auto da war, konnte ich mich noch nicht mal mit Aperol betrinken, um mir den Rotz schön zu hören.

Ich habe jetzt zwei Freunde weniger. Punkt. Ohne Komma.

 

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Machmallauter-Miley Cyrus-Malibu

Das Sommerlied für mich. Habe sie sonst nicht beachtet. So kann man sich täuschen.

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Screening

In der Geriatrie wird viel gescreent. Für jegliche Funktion gibt es einen Test. Laufen, Essen, Stimmung, Schmerzen, Kognition, Schlucken etc. Neuer Chef heißt neue Tests.  Viele neue Tests. Ob das immer den Patienten nutzt, ist eine andere Frage.

Ein neuer Chef mit neuen Mitarbeitern heißt aber auch:

Tägliches Wehklagen, wie toll doch die alte Klinik war. Wieviel besser und ruhiger es dort war, man hatte da noch Zeit für Patienten.

Ich schlage daher dieFrankfurter  Mimimi Scale and Screening“ (FMISAS) vor:

Folgende Fragen:

  1. Kommen Sie vom Land und hat Ihr Nummernschild 3 Buchstaben?
  2. Denken Sie, dass das Ruhrgebiet rau ist?
  3. Finden Sie Stau außergewöhnlich?
  4. Das Budget und CMI Punkte und straffes Entlassmanagement macht Ihnen Angst?
  5. Sie lassen gerne Patienten 3 Wochen oder länger liegen?
  6. Sie brauchen  zig Wochen um einen Vortrag vor gelangweilten Studenten vorzubereiten?
  7. Eine selbstbewusste Pflege ist Ihnen nicht wichtig?
  8. Sie finden einen Stammtisch bestehend aus Arzt (wahlweise Tierarzt), Pfarrer und Bürgermeister jeden Samstag wichtig?
  9. Sie finden, dass Sie als Arzt an erster Stelle stehen?

1  Punkt:  Sie könnten es hier versuchen.

2 bis 3 Punkte:  Sie könnten es hier bitte nicht versuchen.

ab 3 Punkte: Verzieh dich schnell. Kontaktieren Sie Ihren Headhunter erneut.

 

 

 

 

 

 

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Deutsch – Englisch II

Auszüge aus einer bilingualen Beziehung. Was der Engländer sagt und was er eigentlich meint.

„Das ist nicht schlecht!-  Nie, nie werde ich das machen.

„Es klingt interessant! –  Denk nicht mal dran.

„Wir können mal dran denken“ – Und zwar nie. Nicht in diesem Leben.

„Sorry? –  Was zum Teufel soll das hier werden?

„Es wäre möglich“–  Aber nicht mit mir.

„Meinst Du, ob du Lust und Zeit hättest, auf den Tour de France Start zu gehen?  – Bitte geh mit, es ist mir sehr wichtig.

„Gib mir Deinen Ärmel“ –  Ich liebe Dich.  🙂

 

 

 

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Kalt

Frauen, die sich bei angenehmen 24 Grad Celsius fröstelnd eine Strickjacke überziehen, sind mir suspekt. Häufig werden die Jackenärmel dann noch über die Handgelenke gezogen. Gekippte Fenster müssen dann selbstverständlich geschlossen werden. Es zieht! Das fünfzig andere Menschen im Restaurant dann rotköpfig vor sich hin köcheln, uninteressant.  Dann umschließen die zitternden Hände eine Tasse grünen Tee, der wie feuchte Wiese riecht.

Aber eine Steigerung erlebte ich dann im letzten Urlaub. Gluthitze. Ich warte auf einen Spa Termin, habe kurze Hose, T-Shirt, Flip Flops an. Dann kommt eine Frau im flauschigen Bademantel. An den Füßen diese Hotel Frottee Pantoffeln. Dazu hellblaue „Kuschelsocken“.

Nun ja. Ich habe Urlaub, versuche keine Vorurteile zu haben, sie nicht aufkommen zu lassen. Ich suggeriere mir Entspanntheit. Geistige Mitte und so.

Aber es gelingt nicht. Es kam, wie ich es befürchtet hatte. Die flauschige Frau zieht fröstelnd ihren Bademantel um sich. Vergürtet sich. Inspiziert mutwillig geöffnete Fenster. Schon vom Zusehen steigt mein innerer Thermostat. Sie dreht den Kopf und guckt auf meine nackten Füße. Zieht erstaunt die Augenbrauen hoch.

Und sagt: “ Es ist sehr fußkalt hier!“ 

 

 

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