Für die Konzerne – gegen die Bürger

Die USA und Europa wollen einen gemeinsamen Markt schaffen mit dem „Transatlantic Trade and Investment Partnership“, kurz TTIP genannt.

Das Ganze ist ein bisschen unappetitlich. Es geht um Chlorhähnchen, um Hormonfleisch und um Genmais – alles Dinge, die ich nicht auf dem Teller haben möchte.

Aber es ist noch mehr als unappetlich. Es ist eine wirtschaftliche Übernahme ohne Rücksicht auf soziale Strukturen der einzelnen Länder. Die Zölle und Einfuhrquoten sollen aufgehoben werden.  Unterschiedliche Normen und Standards. Stichwort Chlorhähnchen und Budweiser light Plörre bald auch hier.

EU Kommissar Karel de Gucht und der US-Handelsbeauftragte Michael Froman tagen geheim, nichts dringt nach draußen.  Das steigert das Vertrauen in den TTIP nicht gerade. Die einzelnen EU Parlamente dürfen erst nach Vertragabschluß mit Nein oder Ja stimmen.

Die schlimmsten Zumutungen werden kaum erwähnt. Das mit dem „Freien Handel“ auch die Privatisierung von Betrieben der Daseinsvorsorge gemeint ist , ist vielen nicht klar. Wenn die Verträge abgeschlossen sind, können die Wasserwerke, Abfallwirtschaft und die gesetzlichen Krankenversicherungen zur Privatisierung ausgeschrieben. Aber das wird nicht alles sein! Der ÖPNV, das Rettungswesen mit Feuerwehr  etc. wird wahrscheinlich folgen. Und wie sieht es mit der Rentenversicherung aus, haben die USA da nicht auch ein privates Modell? Also bereiten wir uns auf den Wahnsinn vor.

Falls ihr dem nicht folgen wollt und Euch informieren möchtet:

Hier noch mehr Infos:

Thx Attac, Deutschland.

Übergabe

Übergabe ist eine kurze (leider manchmal auch längere) Besprechung, in der wir uns über Patienten  austauschen. Was ist nachts passiert? Wer ist aufgenommen worden? Wer ist verstorben? Haben die Chirurgen  uns mal wieder geärgert? Oder wir die?

Wir versammeln uns  mit sechs Diensthabenden in einem kleinem Arbeitsraum auf der Aufnahmestation. Ich stehe.  Immer. Angelehnt an eine Arbeitsplatte (ich muß aufpassen, manchmal stehen frische Urinproben dahinter…) Sobald man sich setzt, dauert die Besprechung noch länger. Finde ich.

Übergaben sind für die Assistenzärzte ein zweischneidiges Schwert. Wenn man übelgelaunte Oberärzte (wie mich) dabei hat, die auf jeden Fehler lauern oder einen Scheiß Laborwert wissen wollen, an den man natürlich nicht gedacht hat: Kein Spaß!

Übergabe Start:

Dr. K: „Ich habe einen 18 jährigen Jungen aufgenommen, der im Schwimmbad fast ertrunken wäre.  Die haben einen Tauchwettbewerb gemacht und er ist nicht mehr hochgekommen.“

Oberarzt Dr. vonundzuhundertzwanzig Prozent: “ Wie lange war er unter Wasser?“

Dr.K (leicht schwitzend): „Geschätzt eine Minute.“  

Oberarzt: „Kardiopulmonale Reanimation?“ (Ärzte sprechen selten in ganzen Sätzen)

Dr. K. : „Laienreanimation 3 Minuten, Beim Eintreffen des NAW leicht somnolent, ansprechbar. Neurostatus regelrecht.“

Oberarzt: „Gekühlt?“

Dr.K.:  „Ja. Prophylaktisch.“

Oberarzt: „CCT Befund?“

Dr. K.: “ Kein Ödem, keine Ischämie (Dr. K. wähnt sich in Sicherheit, gleich hat er Feierabend, bis jetzt ist es gut gelaufen)

Oberarzt: „Wer hat ihn rausgeholt?“

Dr. K. (überlegt kurz, ob er seinen Telefonjoker anrufen soll):  „Der Bademeister!“

Oberarzt: “ Wie heißt der Bademeister?“

Totenstille. Allgemeine Fassungslosigkeit. Sechs Ärzte gucken  jetzt ungläubig auf den Oberarzt.

Der errötet seinerseits, räuspert sich verlegen: „Ähhm, ´Tschuldigung. Weil, ich gehe da immer schwimmen. Dreimal die Woche. Ich wohne da gleich in der Nähe.“

Übergabe Ende.

 

 

 

 

Cha cha cha

Stau macht dumm. Stau macht blöd. Echt jetzt. Nachdem ich heute einen *’$%&/?!* Opel Vectra (natürlich silbern, wieso sind die immer silbern und wieso sitzt da immer ein Vollbart drin??), der 20 Meter „Sicherheitsabstand“ bei Tempo 30 gehalten hat, gepflegt rechts  (nein Mama, hab ich nicht) überholt habe, fiel mir folgendes ein: Was ist eigentlich aus dem Cha cha Charmin Bär geworden? Der Toilettenpapierbär von Zewa? Weg ist er. Nicht, dass ich ihn vermissen würde. Ich fand ihn immer peinlich. Bären sollten sich nicht den Hintern abwischen. Aber die Baccardi Werbung  mit Summer feeling vermisse ich. Und die Becks Werbung mit dem grünen Segelschiff auch. Hans Harz ist schon tot. Mir ist warm. Der glatzköpfige Autofahrer im Audi A8 neben mir bohrt ausgiebig im Ohr. Und untersucht das Ergebnis.  Wie ich das hasse. Fenster sind durchsichtig. Merkdirdas! Lassdassein!

Ich will ans Meer, Füße in den Wellen. Kaffee in der Hand. Sofort. Hoffentlich sind die auf der A40 bald mit den Lärmschutzwänden fertig. Wir danken für Ihr Verständnis. Stau cha cha cha.

 

 

Mind the gap

Fahre nach London, wenn Du fast von einem roten Bus plattgefahren werden möchtest, weil du beim Überqueren der Strasse mal wieder in die falsche Richtung geguckt hast.

Fahre nach London, wenn Du willst, dass dich nette indische Verkäufer „How are you Mam?“ fragen.

Fahre nach London, wenn Du in der tube“ Mind the gap“ aus metallisch quäkenden Lautsprechern hören willst.

Fahre nach London, wenn Du am Flughafen Heathrow von einem Gate zum nächsten in 25 Minuten Laufzeit hetzen möchtest. *Gnarr*

Fahre nach London, wenn Du beim Frühstück 400 Gramm Fett zu Dir nehmen willst  und den restlichen Tag pappsatt bist.

Fahre nach London und gehe nicht in die Westminster Abbey und bezahle nicht 18 Pfund Eintritt.

Fahre nach London und versuche mit den Polizisten vor der Downing Street zu flirten.

Fahre nach London, um dich von zahlreichen Kameras beobachten zu lassen. „Smile“

Fahre nach London, wenn Du Dir die Füße wundlaufen und an einem perfektem sonnigen Tag vier Liter Wasser trinken möchtest.

Fahre nach London, wenn es Dir nicht zu peinlich ist, im Taxi aus Versehen auf den Fahrersitz zu steigen.

Fahre nach London um best of british zu erleben.

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Memo

Sonntag. Es regnet. Ich habe Dienst. Ich habe keine Lust. Memo: Im nächsten Leben einen Bürojob.

Früh aufstehen. Ich habe zugenommen. Memo: nicht mehr am Wochenende wiegen.Die A 40 ist endlich mal frei. Ich bin ja schon mit kleinen Dingen zufrieden.

Ich grummel mich über die Stationen. Eine dauergewellte Privatpatientin redet mich zu, das Zimmer ist unerträglich warm und nicht gelüftet. Mir ist warm. Ihr nicht. Zugedeckt bis zur Nasenspitze. Sie redetundredetundredet. Endlose Gespräche über ihre kaum sichtbaren Knöchelödeme. Sie verabschiedet mich mit: „Endlich hört jemand zu.“ Memo: Nicht zu freundlich sein am Wochenende.

Kein Kaffee mehr da, ich versuche mich an Senseo. Memo: nächstes Mal Tee.

Ich laufe über die letzte Station. Mir kommt eine Patientin mit ihrem Rollator entgegen. Wir kennen uns, sie ist jetzt schon das siebte Mal hier stationär. Sie stoppt mich. Aaargh, denke ich. Nicht noch ein Endlos Gespräch. Zu spät.

„Frau Doktor! Ich muss Ihnen mal was sagen. Sie haben abgenommen!! Hab ich schon gestern zu meiner Tochter gesagt!!

Memo: Arbeiten am Wochenende kann auch Spaß machen.

 

 

 

 

 

 

Volksgarten

Gestern nachmittag im Volksgarten. Wir sitzen in der Sonne, trinken was Leckeres. Auf den Nebentisch  steuert ein älterer Herr im blauen Anzug mit Rollator zu. Hinter ihm seine silberlockige Ehefrau. Goldene Halskette, korallenroter Blazer, rosafarbener Lippenstift. Ich gucke auf meine ausgewaschene Jeans und schäme mich. Ein bißchen.

Er parkt mühsam ein und läßt sich in den Stuhl fallen.  Seine Frau hat mittlerweile am Nebentisch eine Bekannte entdeckt. Diese ist ebenfalls  rollatorbestückt. Vorne im Korb liegen vier Flaschen König Pilsener. Ich überlege kurz, ob man Punkte bekommt, wenn man betrunken Rollator fährt.

Mittlerweile entwickelt  sich nebenan ein lebhaftes Krayer Gepräch:

Köpi: „Was hat er denn?“ (gemeint ist der Ehemann, der sich in 50 cm Entfernung befindet)

Korallenblazer: “ Fast schon Parkinson“

Köpi (typisch ruhrgebietssensibel): „Schlimm. Kann er denn noch denken?“ (ich zucke zusammen).

Blazer: „Ja, geht noch.“

Köpi: „Hauptsache!

Blazer: „Ja, jeden Tag drehen wir eine Runde im Volksgarten. Gut für die Muskeln.“

Köpi, nickt zustimmend: „Ich hab auch mit die Knochen (ja, sie hat „die“ gesagt). Kenn ich. Ja, wenn man einmal zum Liegen kommt, ist aus.“

Genau.  Geriatrische Weisheiten im Volksgarten. Ich mag es.