Anspruch

Heute auf Visite. Frau E., 87  Jahre alt. Nackenkissen unter dem graugelocktem Kopf, zweite Bettdecke über den Beinen. Privat. Vorwurfsvoller Blick. Mir ahnt nichts Gutes. Und richtig. Es geht sofort zur Sache.

Ich: „Wie geht es Ihnen?“

Frau E.: “ Ich habe mein kleines Fläschchen heute nicht gekriegt!“

Ich (gucke zu Schwester Katrin): „Was für ein Fläschchen? Antibiose?“

Frau E, unwillig: „Na, das Orangensaft Fläschchen! Das habe ich im letzten Jahr jeden Morgen bekommen!“

Katrin: „Die Küche schickt Ihnen das nicht mehr hoch, weil Sie Diabetes haben.

Frau E.:  Ja, aber ich habe Anspruch drauf! Ich bin privat. Ich will meinen Saft.“

Ich versuche Frau E. es nochmal und nochmal zu erklären. Krankenhaus kein Hotel, Pflege keine Kellner. Sinnlos.

Mir platzt der Arztkittelkragen.

Als wir rausgehen, wirft Frau E. uns noch hinterher:  „Ziehen Sie die Decke richtig über meine Beine.“

Dieser Beitrag wurde unter Aaargh!, Allgemein, Alltag!, Klinikkram! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Anspruch

  1. Urs Wiehager-Dietz schreibt:

    …und vermutlich „Privat“ durch den Mann samt den Rentenansprüchen…..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s