Manchmal und immer öfter

fällt es mir schwer, Töchtern und Söhnen und Schwestern und Brüdern und Ehefrauen und Ehemännern  zu sagen, dass ihre schwer kranken Angehörigen in den nächsten Tagen sterben werden. Und dass unsere  komplexe Medizin sie nicht mehr retten wird. Und dass das Leben endlich ist.

Manchmal und immer öfter möchte ich nicht mehr  in ihren Augen das  pure Entsetzen, dann Aggressivität und später Erkenntnis, Ergebenheit  und tiefe Trauer sehen.

Manchmal und immer öfter möchte ich keine toten Menschen mehr sehen.

Manchmal und immer öfter möchte ich keine Gespräche über  schlechte Prognosen von metastasierenden Bronchialkarzinomen mehr führen.

Manchmal und immer öfter möchte ich mir nicht mehr die Vergänglichkeit des Lebens  angucken müssen.

Aber manchmal und immer öfter sehe ich schmerzfreie  Patienten ohne Luftnot über den Flur laufen, die wieder nach Hause können und nicht ins Heim.

Und manchmal und immer öfter  sehe ich Dankkarten und Pralinen von Angehörigen auf dem Stationstisch liegen.

Und täglich sehe ich meine Ergotherapeuten,  Krankengymnasten,  Pflegepersonal, Assistenten, Kollegen und freue mich, dass wir trotz allem beim Mittagessen über Kleinkramwitze lauthals lachen können. 😉

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6 Antworten zu Manchmal und immer öfter

  1. David schreibt:

    Hey, chin up. You’re doing a great job.

  2. David schreibt:

    Do not stand at my grave and weep,
    I am not there; I do not sleep.
    I am a thousand winds that blow,
    I am the diamond glints on snow,
    I am the sun on ripened grain,
    I am the gentle autumn rain.
    When you awaken in the morning’s hush
    I am the swift uplifting rush
    Of quiet birds in circling flight.
    I am the soft star-shine at night.
    Do not stand at my grave and cry,
    I am not there; I did not die.

  3. Appelschnut schreibt:

    Schön, dass der Blog wieder auflebt mit meinem Lieblingsthema „aus dem Klinikalltag“ (ich dachte schon, der Blog ist sanft entschlafen). Aber manchmal und immer öfter kriegt man ja doch die Kurve.
    Und manchmal und immer öfter will ich jetzt nicht mehr ins Lenkrad beißen, wenn mich in einer Baustelle, wo ich genau 60 fahre, alle anderen, die ich vorher überholt habe, an mir vorbeirauschen.
    Danke für deine Gedanken.

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