Das Sommerlied für mich. Habe sie sonst nicht beachtet. So kann man sich täuschen.
Autor: labaera
Screening
In der Geriatrie wird viel gescreent. Für jegliche Funktion gibt es einen Test. Laufen, Essen, Stimmung, Schmerzen, Kognition, Schlucken etc. Neuer Chef heißt neue Tests. Viele neue Tests. Ob das immer den Patienten nutzt, ist eine andere Frage.
Ein neuer Chef mit neuen Mitarbeitern heißt aber auch:
Tägliches Wehklagen, wie toll doch die alte Klinik war. Wieviel besser und ruhiger es dort war, man hatte da noch Zeit für Patienten.
Ich schlage daher die „Frankfurter Mimimi Scale and Screening“ (FMISAS) vor:
Folgende Fragen:
- Kommen Sie vom Land und hat Ihr Nummernschild 3 Buchstaben?
- Denken Sie, dass das Ruhrgebiet rau ist?
- Finden Sie Stau außergewöhnlich?
- Das Budget und CMI Punkte und straffes Entlassmanagement macht Ihnen Angst?
- Sie lassen gerne Patienten 3 Wochen oder länger liegen?
- Sie brauchen zig Wochen um einen Vortrag vor gelangweilten Studenten vorzubereiten?
- Eine selbstbewusste Pflege ist Ihnen nicht wichtig?
- Sie finden einen Stammtisch bestehend aus Arzt (wahlweise Tierarzt), Pfarrer und Bürgermeister jeden Samstag wichtig?
- Sie finden, dass Sie als Arzt an erster Stelle stehen?
1 Punkt: Sie könnten es hier versuchen.
2 bis 3 Punkte: Sie könnten es hier bitte nicht versuchen.
ab 3 Punkte: Verzieh dich schnell. Kontaktieren Sie Ihren Headhunter erneut.
Deutsch – Englisch II
Auszüge aus einer bilingualen Beziehung. Was der Engländer sagt und was er eigentlich meint.
„Das ist nicht schlecht!- Nie, nie werde ich das machen.
„Es klingt interessant! – Denk nicht mal dran.
„Wir können mal dran denken“ – Und zwar nie. Nicht in diesem Leben.
„Sorry? – Was zum Teufel soll das hier werden?
„Es wäre möglich“– Aber nicht mit mir.
„Meinst Du, ob du Lust und Zeit hättest, auf den Tour de France Start zu gehen? – Bitte geh mit, es ist mir sehr wichtig.
„Gib mir Deinen Ärmel“ – Ich liebe Dich. 🙂
Kalt
Frauen, die sich bei angenehmen 24 Grad Celsius fröstelnd eine Strickjacke überziehen, sind mir suspekt. Häufig werden die Jackenärmel dann noch über die Handgelenke gezogen. Gekippte Fenster müssen dann selbstverständlich geschlossen werden. Es zieht! Das fünfzig andere Menschen im Restaurant dann rotköpfig vor sich hin köcheln, uninteressant. Dann umschließen die zitternden Hände eine Tasse grünen Tee, der wie feuchte Wiese riecht.
Aber eine Steigerung erlebte ich dann im letzten Urlaub. Gluthitze. Ich warte auf einen Spa Termin, habe kurze Hose, T-Shirt, Flip Flops an. Dann kommt eine Frau im flauschigen Bademantel. An den Füßen diese Hotel Frottee Pantoffeln. Dazu hellblaue „Kuschelsocken“.
Nun ja. Ich habe Urlaub, versuche keine Vorurteile zu haben, sie nicht aufkommen zu lassen. Ich suggeriere mir Entspanntheit. Geistige Mitte und so.
Aber es gelingt nicht. Es kam, wie ich es befürchtet hatte. Die flauschige Frau zieht fröstelnd ihren Bademantel um sich. Vergürtet sich. Inspiziert mutwillig geöffnete Fenster. Schon vom Zusehen steigt mein innerer Thermostat. Sie dreht den Kopf und guckt auf meine nackten Füße. Zieht erstaunt die Augenbrauen hoch.
Und sagt: “ Es ist sehr fußkalt hier!“
Brückentag
ist, wenn ich auf D.s rechtem Augenlid eine kleine runde Sommersprosse sehe, die mir noch nie aufgefallen ist.
Hab ich doch jetzt schön geschrieben.
Können Sie das?
Mein Assistenzwelpe beschwert sich. Viele Patienten fragen ihn, wenn er Blut abnimmt, Viggos legt etc.: “ Ja, können Sie das denn auch????“ Nebenbei, irgendwie kann ich sie verstehen, der Welpe sieht aus wie 14 Jahre. Dazu kommt dann ein misstrauisches Starren, wenn er ein Pflaster abzieht.
Reaktionen, die ihm auf der Zunge liegen, aber den Mund nicht verlassen:
„Nein, aber ich tu’s trotzdem…“
„Ja, ich habe einmal zugeguckt.“
„Wenn Sie nachher noch zwei Füße haben, habe ich alles richtig gemacht…“
„Das kommt drauf an. Sind Sie denn privat versichert?“
„Die Freundin Ihres Mannes hat 30.000 geboten, wenn ich’s nicht kann. Was bieten Sie?“
*irres Lachen und Skalpellschwingen, während aus dem Nachbarzimmer erst Geschrei und dann ein ersterbendes Röcheln zu hören ist*
Und mein lieber Welpe….Sei froh, dass du ein Mann bist. Jeder Pflegehelfer, der kaum geradeaus laufen kann, wird von den Patienten als „Herr Doktor“ tituliert. Ich bin seit zwanzig Jahren immer noch „die Schwester“. 🙂
Machmallauter- Julia Michaels – Issues
Sie lispelt, sie atmet seltsam, sie kratzt. Sie trägt einen Schlafanzug.
Ich mag es.
Handwerker
In der Garage ist ein Wasserrohr geplatzt. Kein Weltuntergang, aber man möchte es doch repariert haben. Dieses Jahr wäre nett.
Handwerker 1 am Montag: „Wir haben so viel zu tun. Wir müssen gucken. Wir melden uns morgen.“ Dienstag: Kein Rückruf. Mittwoch: Ich rufe erneut an. Handwerker: „Mailen Sie uns bitte Bilder von dem Rohr, dann gucken wir.“ Ich knipse und maile. Donnerstag: „Ja, Ja, da müssen wir vor Ort gucken. Ich melde mich morgen wegen einem Termin.“ Freitag: „Da muss ich mit dem Chef sprechen, der ist gerade auf der Baustelle. “
Handwerker 2: „Wir haben ein Projekt in der nächsten Woche (wahrscheinlich BER). Evtl. zwischendurch. Termin erst nach Ostern 2021.“
Handwerker 3: „Ja, wegen einem Termin rufen bitte an jedem ungraden Donnerstag um 07.47 Uhr an. Aber nicht die nächsten drei Donnerstage, da ist die Sekretärin im Urlaub!“
Ich stelle mir gerade vor: Patient mit Unterschenkelfraktur. Unfallchirurg: „Wir haben so viel zu tun, geht erst nach Ostern. Und bitte einmal vorher die Fraktur selbst röntgen. Wir melden uns sowieso nicht.“ 🙂
Rotkohl
Heute auf Visite. Zimmer 12. Das letzte Zimmer nach einer schweißtreibenden gefühlten 27 stündigen Visite mit Chef. Mein Assistenzarzt verheddert sich bei den 15 Hauptdiagnosen. War das eine Pneumocystis Pneumonie 1987? Wie lange liegt das Urostoma?
Wir kommen ins Zimmer. Gibt schon Mittagessen. Rotkohl mit IrgendwasFrikadelle. Ich mag Rotkohl.
Herr M. mit nacktem Oberkörper bei einem BMI von 42, kurzer Schlüpper. Sitzt an der Bettkante. Kopfhörer auf, guckt Fernsehen. Sieht uns an. Isst seelenruhig weiter. Lässt die Kopfhörer auf.
Chef: „Wie geht es Ihnen?“
Schlüpper (gabelt die Frikadelle auf): „Wieso krieg ich so schlecht Luft?“
Weil du 42 Zigaretten pro Tag rauchst.
Chef erklärt geduldig, der Schlüpper schaufelt ungerührt weiter. Kleckert Rotkohl auf seine grau behaarte Brust. Schabt den Kohl mit der Serviette ab.
Ich schlucke trocken, ich mochte mal Rotkohl.
Nach der Visite schnell in die Cafeteria. Die Schlange geht bis zur Tür. Endlich bin ich dran. Es ist nur noch Rotkohl da. Mit Zwiebelsauce. Ich mochte mal Rotkohl.
Generation Y
Viel ist über die Generation Y geschrieben und gerätselt worden. Ich habe mich geweigert daran zu glauben (jedes Jahr wird eine Sau durchs Dorf getrieben). Aber es gibt sie wirklich!
Assistenzarzt Y (frisch von der Uni): „Wieso muss ich 12 Patienten betreuen und Herr Dr. Schonlangeda nur 11 Patienten?“
Erkläre ihm noch geduldig (Welpenschutz und so) , dass der eine mehr, der andere weniger Patienten hat. Und es sich wieder ausgleichen wird.
Y lässt nicht locker. „Und wieso muss ich schon nach vier Monaten Bereitschaftsdienste machen? “ Diesmal werde ich deutlicher (Welpenschutz off) : „Weil es Ihr Job ist! „ Du wirst nicht dafür bezahlt, weil du auf der Welt bist mein lieber Y.
Am nächsten Tag kommt ein Hospitant zum Probearbeiten. Er hat keinen Arztkittel mitgebracht. Wozu auch? Meine Sekretärin zockelt mit ihm los in die Wäscherei. Er bekommt einen Leihkittel. Er beschwert sich, der Kittel ist zu groß. Und überhaupt, wieso muss er zum Mittagessen zuzahlen. In anderen Kliniken…
In der Vorlesung. Die Studenten schlendern in den nagelneuen Hörsaal rein. In der Ecke steht ein Kaffeeautomat, Wasserflaschen und Orangensaft, Obstschale mit Äpfeln, Bananen.
Generation Y: „Wieso gibt es hier keine Kekse? Letztes Mal hatten wir noch Kekse!“
Liebe Generation Y, zwei Arbeitsstellen von Euch sind eine Stelle Generation Golf! 🙂