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Sah gestern ein Interview mit einer Literaturkritikerin, ich glaube vom „Spiegel“.

Sie war, wie ich mir eine Literaturkritikerin so vorstelle. Auf dem Kopf ein lässig zerknautschter dunkelbrauner Düddeldüt Knoten. Mit einzelnen grauen Strähnen. Sie wohnte natürlich in Berlin in einer  lässigen Wohnung, etwas alternativ verstaubt angehaucht. Unkraut auf dem Balkon. Teetasse auf dem Tisch, der wie ein alter Koffer aussieht. Sogar eine aus Fuerteventura eingeschleppte Katze lag auf dem Trödelmarkt Sofa. Um den Hals trug sie ein Medallion mit einer weißen Kamee (die Kritikerin, nicht die Katze) , dazu beige 20er Jahre Schluppenbluse und eine dunkelblaue Strickjacke im Hochsommer mit Faltenrock. In der letzten Szene saß sie alleine auf einer maroden Holzbank irgendwo im Tiergarten und blickte sinnig in eine schmutzige Pfütze.

Auf meinen Armen bekam ich eine Gänsehaut. Zu viel Image. Viel zu viel übertünchtes plakatives Image. Wieso müßt ihr so aussehen, wie andere meinen, dass ihr aussehen müßt? Panisch habe ich heute bei Google gesucht. Und siehe da, ich habe ein Bild einer  mittelaltrigen Literaturkritikerin gefunden, die eine blonde Kurzhaarfrisur und Jeans trug und ein bißchen wie die nette Dame in der Sparkasse aussieht. Aber wahrscheinlich auch alles nur Image.

 

Dieser Beitrag wurde unter Aaargh!, Allgemein, Alltag! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Image

  1. germanginge schreibt:

    Look up the English word, „veneer“…

  2. germanginge schreibt:

    I think the German translation might be „Furnitur“? Literally and figuratively.

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