Liebe Angehörige

wir sind der Arzt und behandeln Ihren Vater/Mutter/Oma/Opa.

Wir versuchen alles Mögliche, dass Ihr Vater/Mutter/Oma/Opa wieder auf die Beine kommt.

Sie können uns dabei unterstützen:

1. Bitte sprechen Sie uns höflich und in ganzen Sätzen an.  Auf „Wo issn die Cafeteria??“ reagiere ich nicht mehr. Wer mich höflich anspricht, dem antworte ich ebenso…

2. Bitte fragen Sie mich nicht im Aufzug, wo Frau Müller liegt. Ich habe keine Kristallkugel und kann nicht hellsehen.

Auch kann ich Ihnen nicht sagen, wo Sie hinwollen, wenn Sie es selbst nicht wissen.

3. Wenn Sie uns am Wochenende auf dem Flur treffen, sind wir alleine für über 150 schwer kranke Patienten zuständig. Dazu kommen noch mindestens 50 Patienten, die mit diversen Wehwehchen die Ambulanz bevölkern, weil man „da ja so schnell dran kommt“.

Das heißt, dass es äußerst ungünstig ist, mit uns über Tante Helga zu sprechen und zu fragen, wie die Blutwerte von der letzten Woche waren.

Dazu haben wir keine Zeit. Die brauchen wir für die Patienten. Ich möchte dann auch nicht mit jedem Schwippschwager sprechen müssen, bloß weil er „extra“ aus München kommt um seine Tante auf Station B 1 zu besuchen. Im übrigen, bloß weil Sie jetzt da sind, heißt es nicht, dass wir innerhalb von fünf Minuten parat stehen müssen.

4. Ich weiß nicht immer, wer Ihre Mutter/ Vater ist.

Bitte fragen Sie mich nicht“ Wie geht es meinem Vater?“ Besser: Ich bin die Tochter von Herrn Müller.  Können Sie mir sagen, wie es ihm geht?“

5. Bitte fragen Sie mich nicht, wie der verdammte Telefonkartenautomat funktioniert.

Ich weiß es nicht… Danke schön!

7. Bitte lassen Sie uns in Ruhe in der Cafeteria Mittag essen  und halten uns keine Versicherungsbescheinigungen unter die Nase, um die „mal eben auszufüllen“.

8. Kurze Visiten heißt nicht, das wir uns nicht kümmern. Wir haben den Rehaantrag ausgefüllt, mit dem Sozialdienst telefoniert, mit den Ergotherapeuten und den Physiotherapeuten die  Fortschritte besprochen, mit dem Radiologen Röntgenbilder, Laborwerte nachgeguckt und drauf reagiert und  schon Kurvenvisite gemacht.

9. Bitte kümmern Sie sich um Ihre Angehörigen. Wir tun es auch. Gucken Sie, ob er zu Hause Hilfe braucht. Wir helfen Ihnen gerne dabei.

Wir kündigen die Entlassungen mehrere Tage vorher an. Für  Reaktionen wie „so kommt mir meine Mutter nicht nach Hause“ haben wir kein Verständnis. Auch auf plötzliche Urlaube Ihrerseits nach Mallorca vor der geplanten Entlassung nicht. Wir haben  einen Sozialdienst, der Ihnen gerne bei der weiteren häusliche Versorgung hilft. Sie müssen Ihn nur ansprechen.

10. Auf Drohungen mit der beliebten Bild Zeitung oder einen Neffen als Rechtsanwalt reagieren wir allergisch. Eine einfache Regel: Will ich etwas erreichen, bin ich freundlich.

11. Wenn Sie etwas stört oder Sie etwas nicht verstanden haben, sprechen Sie mit uns, anstatt sofort zur Betriebsleitung zu laufen. Falls das Pflegepersonal ihrem Vater die Fußnägel nicht geschnitten hat, die bei Aufnahme schon mehr als vier Zentimeter lang waren, beschweren Sie sich nicht. Sie haben sich auch nicht drum gekümmert. Eine Fußpflege organisieren wir gerne.

12. Wenn ich in ein Patientenzimmer komme, darf ich den Besuch bitten rauszugehen. Und ich möchte das nicht dreimal machen.  Nicht jeder muß die  Krankengeschichte von der Mitpatientin mitbekommen. Ziehen Sie daher bitte kein Gesicht!

12. Wir lieben unseren Beruf und arbeiten gerne, auch wenn wir nur von Kaffee leben, manchmal grummelig gucken und mit zwei Stunden Schlaf auskommen. Auch wir haben Verständnis, dass Sie sich um ihre Angehörigen sorgen.

Vergessen Sie das nicht ;-).

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