Ist das Sommer oder kann das jetzt weg?

WassndasfürnWetter??  Ich will:  Sonne im Gesicht, draußen auf der Treppe sitzen mit einer Kaffeetasse in der Hand, an bunten Blumen riechen, Weinchen trinken, im Gras liegen, Frisbee spielen, Hunde ärgern, pinke Sandalen tragen.

Ich will nicht:  meine Heizung wieder andrehen, Weihnachtsplätzchen backen, Regenjacke rausholen, Schirme suchen,nasse Haare, in Pfützen treten, Sitzheizung anmachen, frieren, Blätter aufsammeln, schwarze Sneaker tragen.

 
Ich hoffe mal, dass wir nicht ertrinken…

Liebe Angehörige

wir sind der Arzt und behandeln Ihren Vater/Mutter/Oma/Opa.

Wir versuchen alles Mögliche, dass Ihr Vater/Mutter/Oma/Opa wieder auf die Beine kommt.

Sie können uns dabei unterstützen:

1. Bitte sprechen Sie uns höflich und in ganzen Sätzen an.  Auf „Wo issn die Cafeteria??“ reagiere ich nicht mehr. Wer mich höflich anspricht, dem antworte ich ebenso…

2. Bitte fragen Sie mich nicht im Aufzug, wo Frau Müller liegt. Ich habe keine Kristallkugel und kann nicht hellsehen.

Auch kann ich Ihnen nicht sagen, wo Sie hinwollen, wenn Sie es selbst nicht wissen.

3. Wenn Sie uns am Wochenende auf dem Flur treffen, sind wir alleine für über 150 schwer kranke Patienten zuständig. Dazu kommen noch mindestens 50 Patienten, die mit diversen Wehwehchen die Ambulanz bevölkern, weil man „da ja so schnell dran kommt“.

Das heißt, dass es äußerst ungünstig ist, mit uns über Tante Helga zu sprechen und zu fragen, wie die Blutwerte von der letzten Woche waren.

Dazu haben wir keine Zeit. Die brauchen wir für die Patienten. Ich möchte dann auch nicht mit jedem Schwippschwager sprechen müssen, bloß weil er „extra“ aus München kommt um seine Tante auf Station B 1 zu besuchen. Im übrigen, bloß weil Sie jetzt da sind, heißt es nicht, dass wir innerhalb von fünf Minuten parat stehen müssen.

4. Ich weiß nicht immer, wer Ihre Mutter/ Vater ist.

Bitte fragen Sie mich nicht“ Wie geht es meinem Vater?“ Besser: Ich bin die Tochter von Herrn Müller.  Können Sie mir sagen, wie es ihm geht?“

5. Bitte fragen Sie mich nicht, wie der verdammte Telefonkartenautomat funktioniert.

Ich weiß es nicht… Danke schön!

7. Bitte lassen Sie uns in Ruhe in der Cafeteria Mittag essen  und halten uns keine Versicherungsbescheinigungen unter die Nase, um die „mal eben auszufüllen“.

8. Kurze Visiten heißt nicht, das wir uns nicht kümmern. Wir haben den Rehaantrag ausgefüllt, mit dem Sozialdienst telefoniert, mit den Ergotherapeuten und den Physiotherapeuten die  Fortschritte besprochen, mit dem Radiologen Röntgenbilder, Laborwerte nachgeguckt und drauf reagiert und  schon Kurvenvisite gemacht.

9. Bitte kümmern Sie sich um Ihre Angehörigen. Wir tun es auch. Gucken Sie, ob er zu Hause Hilfe braucht. Wir helfen Ihnen gerne dabei.

Wir kündigen die Entlassungen mehrere Tage vorher an. Für  Reaktionen wie „so kommt mir meine Mutter nicht nach Hause“ haben wir kein Verständnis. Auch auf plötzliche Urlaube Ihrerseits nach Mallorca vor der geplanten Entlassung nicht. Wir haben  einen Sozialdienst, der Ihnen gerne bei der weiteren häusliche Versorgung hilft. Sie müssen Ihn nur ansprechen.

10. Auf Drohungen mit der beliebten Bild Zeitung oder einen Neffen als Rechtsanwalt reagieren wir allergisch. Eine einfache Regel: Will ich etwas erreichen, bin ich freundlich.

11. Wenn Sie etwas stört oder Sie etwas nicht verstanden haben, sprechen Sie mit uns, anstatt sofort zur Betriebsleitung zu laufen. Falls das Pflegepersonal ihrem Vater die Fußnägel nicht geschnitten hat, die bei Aufnahme schon mehr als vier Zentimeter lang waren, beschweren Sie sich nicht. Sie haben sich auch nicht drum gekümmert. Eine Fußpflege organisieren wir gerne.

12. Wenn ich in ein Patientenzimmer komme, darf ich den Besuch bitten rauszugehen. Und ich möchte das nicht dreimal machen.  Nicht jeder muß die  Krankengeschichte von der Mitpatientin mitbekommen. Ziehen Sie daher bitte kein Gesicht!

12. Wir lieben unseren Beruf und arbeiten gerne, auch wenn wir nur von Kaffee leben, manchmal grummelig gucken und mit zwei Stunden Schlaf auskommen. Auch wir haben Verständnis, dass Sie sich um ihre Angehörigen sorgen.

Vergessen Sie das nicht ;-).

Patientensprüche

Gestern haben wir eine Liste gemacht mit den häufigsten Patientensprüchen.

1. „Haben Sie mich vergessen???“ (Nein, aber die Reanimation ging nicht schneller..)
2. „Ich bin privat und will jetzt sofort den Professor sprechen.“ (Professor gibts koanen….)
3. „Bis gestern konnte mein Vater noch laufen.“ (der Pat. ist eine einzige Kontraktur…)
4. „Ich bin schließlich auch ein Notfall.“ (Sie haben sich den Fuß verstaucht, der Patient vor Ihnen hat einen Puls von 190…)
5. „Krieg ich jetzt was zu essen??“ (Patient mit akutem Bauch und Kotzerei)
6. „Jetzt warte ich schon 3 Stunden!“ (nach spätestens einer halben Stunde)
7.Das geht schon seit vier Wochen so, aber heute Nacht ist es besonders schlimm....“.(Nachts um halb drei in der Notaufnahme, aarrrghhh)
8.“ Mein Kind hat Fieber….nein, gemessen haben wir noch nicht….“
9.  „Aber noch ein bißchen Blut drinlassen….. „(bei Blutabnahmen, kannesnichtmehrhören)
10. „Wissen Sie, der Bruder meines Schwagers dessen Freund die Tochter studiert Medizin….ich kenn mich da aus!“
11. „Aber der ist  doch viel später gekommen. Warum kommt der jetzt vor mir dran?? „(Antwort: Sie haben einen Pickel im Nacken und ihr Nachbar erbricht gerade Blut)
12. „ Hier wird ja nichts gemacht“ (nein, nur EKG, Röntgen, Labor, Magenspiegelung, Ultraschall innerhalb von zwei Tagen ).

Machmallauter – Max Herre ft Philipp Poisel Wolke 7

Philipp Poisel mag ich ja nicht, aber in der Kombination mit Max Herre durchaus hörenswert! Weicher, halt-und mutloser, menschlicher Text, aber draußen scheint ja die Sonne ;-).

„Dinge kommen, Dinge gehen
Angst vorm Fallen,
lieber für nichts mehr stehen“.
In den Bilderfluten nichts mehr sehen
und dann mit wehenden Fahnen untergehen
Nachts in Katakomben abfliegen,
in Katakonter wieder abschießen.
Und im Gedränge untertauchen.
Und ich schließ die Augen,
vor all diesen Fragen,
weil es schwer ist die Zweifel
auf den Schultern zu tragen.“

Edit:
Sorry, ich habe jetzt schon zum dritten Mal eine Videoversion eingestellt, aber es wird leider immer wieder gesperrt. Das nervt gewaltig. Dies ist die aktuellste, mal gucken, wann die gesperrt wird…

Malreingehen – Dein Weg

Spätestens seit Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ ist das Pilgern auf dem Jacobsweg populär geworden. „Dein Weg“ vom amerikanischen Filmemacher Emilio Estevez nimmt sich dieses Thema zur Brust. Der verwitwete Augenarzt Tom Avery (Martin Sheen) führt in Kalifornien zwischen Praxis und Golfclub ein eher langweiliges Leben. Sein Sohn Daniel (Emilio Estevez) hingegen lebt nicht nach klaren Regeln wie sein Vater, er hat die Doktorarbeit geschmissen hat und will nur eines: Reisen!
Dann erhält Tom Avery auf dem Golfplatz einen Anruf: Sein Sohn ist bei der Wanderung über den Jakobsweg tödlich verunglückt. Tom reist nach Frankreich, um die Leiche zu identifizieren und einzuäschern. Kurz vor der Rückreise schnallt er sich den Rucksack von Daniel um und macht sich mit Urne auf den Jacobsweg, um für seinen Sohn den Weg zu laufen.
Schöne, nicht kitschige, imposante Landschaftsbilder aus dem Baskenland, wo nicht nur purer Sonnenschein herrscht, begleiten den Film.

Unterwegs trifft Tom auf andere Pilger. Es kristallisiert sich eine Vierergrupper heraus mit dem eßlustigen Holländer Jost, der spröden blonden Kanadierin Sarah und dem hypertrophen abgedrehten Irländer Jack, der Reiseberichte schreibt.Jeder der vier hat seine eigene Geschichte, den Jacobsweg zu gehen. Ein emotionaler Film, der einen lachen und dann wieder weinen läßt. In der Reihe vor uns wurden die Taschentücher gezückt.
Ein bißchen zuviel Werbung für Northface Anoraks, aber ansonsten: Seelenfutter.
Reingehen!!
Bon camino 😉

Big brother is blitzing you

Heute morgen um 6 Uhr ist der Blitzmarathon in NRW gestartet.

Laut Innenminister Jäger geht es nicht um darum Geld in die chronisch klammen Kassen zu spülen (nein, natürlich nicht, wie komm ich nur darauf?).

Vielmehr solle die Bevölkerung vor den Rasern geschützt werden und daher wird heute an 3000 Stellen in NRW geblitzdingst.

Die NRW Bevölkerung wurde öffentlich  zum Denunziantentum aufgerufen und konnte sogenannte Wutpunkte angeben, an denen geblitzt werden soll.

Es soll Bürger geben, die die Polizei dabei noch mit Kaffee und Kuchen versorgen und natürlich mit Strom für die Radargeräte…Und die noch stolz darauf  sind.

Sagt mal, merkt ihr eigentlich überhaupt noch irgendwas? Ihr werdet von der Landesregierung instrumentalisiert und zur Blockwart Mentalität erzogen und angeleitet! Ihr folgt der Pseudoargumentation von Jäger und denkt, dass durch diese Aktion auch nur ein Unfalltoter verhindert wird?  Glaubt ihr wirklich, dass der Staat euer Freund ist?

Merkt ihr  nicht, dass es immer mehr eine Gleichmacherei wird mit dem Ziel der angepasste Bürger?

Und ihr Übermütter und geifernden Frührenter mit Opel Vectras, die ihr nix zu tun habt, macht noch mit dabei?

Petzern hat man früher die Nase langgezogen…

     Foto von dmytrok , thx!

Machmallauter – Asaf Avidan – One day / Reckoning Song (Wankelmut Remix)

Der Berliner DJ Jacob Dilßner aka Wankelmut war so sehr vom „Reckoning Song“ des israelischen Sängers Asaf Avidan begeistert, dass er sich  dazu entschloss, einen Remix anzufertigen. Wankelmut legt gerne Musik auf, die nicht gerade mainstream ist.

Und er hat es geschafft, diese Stimme und der Rhythmus geht mir nicht mehr aus dem Kopf und aus dem Herz.

Malhingehen – Glückauf Kino

Das Glückauf Kino in Essen, direkt am Anfang der Rüttenscheider Strasse (von den arroganten Rüttenscheidern auch kurz „Rü“ genannt) ist momentan mein Wohlfühlkino.

Weit ab von klebrigen, übelriechenden Käse Nacho Multiplex Kinos  findet man hier keine Tonnen von verstreuten Popcorn im Kinosaal.

Stattdessen ein kleines, im Stil der 50er Jahre renoviertes Programmkino mit roten etwas harten Holzklappsesseln, Tütenlampen,Nierentischen, roten Ledersofas, witzigen Filmplakaten  und originalgroßen matt schwarzen Filmkameras.

Vorher kann man in der Foyer Bar einen Milchkaffee oder ein kaltes Pils trinken. Wer möchte, auch ein Glas Wein. Keine nervige stundendauernde Reklame im Vorspann, und before the movie starts gibt es:

Eis! Undzwarwiefrüher…Eine nette Studentin mit Bauchladen, die Nogger, Magnum Mandel und Eiskonfekt im Angebot hat.

Lecker!

Und nach dem Film kann man anschließend gleich nach nebenan ins „Aldegheri“ stolpern und dort noch einen Absacker trinken.Mittendrin im Lokal ein alter gelber Fiat Cinquecento als Hingucker, auf dem Dach eine gestärkte weiße Tischedecke und silberne Kerzenleuchter.
Ein guter Start ins Wochenende!

Machmallauter- CHIMA – Morgen

Ichmagesgutleiden! Das neue Prokrastinie (Aufschieberitis) Lied von Chima. So was kennen wir ja alle. Ich müßte jetzt auch bügeln  ;-). Morgen…..

„Ich zieh die Decke übern Kopf
Der Tag zieht an mir vorbei
Die Sonne lacht durchs Fenster
Mein Arsch ist schwer wie Blei
Vögeln zwitschern Melodien
Haben wir wirklich schon nach drei
Der Kühlschrank ist leer
Dann halt Cornflakes mit Wasser

Morgen, bin ich wieder dabei
Und morgen, sind die Ausreden vorbei
Morgen, weil ich heut nicht kann
Morgen, fang ich von vorne an
Morgen, nehm ich mein Leben in die Hand
Erst morgen, aber dann richtig Mann
Morgen, wenn nicht
morgen, wann denn dann..“