Ich schaff den drop nicht

Badminton sieht so leicht und mühelos aus. Istesabernicht.

Viel Arbeit nach der Arbeit, Tonnen durchgeschwitzter Shirts und verbrauchter Geduld, Socken, Blasen an den Händen, zwei zerbrochene Schläger und 1000e zerfledderte Federbälle. Ergebnis nach drei Monaten: Die meisten Grundschläge kann kenne ich jetzt.  Clear geht gut, drive und smash ebenfalls. Draufhauen geht immer gut. Das satte Geräusch, wenn ich den Ball gut treffe, könnte ich mir glatt als Klingelton laden. Das Laufen ist ein µ schneller geworden. Aber ich werde wohl immer eine „ruhige“ Läuferin sein. Das heißt, ich stehe dort wie festgenagelt.

Aber an dem drop, dem gefühlvollen langen Schlag, der trotzdem kurz hinter dem Netz landet, arbeite ich mir die Arme ab. Von zehn Schlägen funktionieren zwei. Es kann wahrscheinlich jeder 8 jährige besser als ich. Muss ich den überhaupt können? Wozu brauch ich den? Zum Verzweifeln.

Aber trotzdem.  Ich werde besser. Gegen meine Trainerin bekäme ich wahrscheinlich im richtigen Spiel keinen Ball, aber gegen die grölende Viermänner Truppe, die getapet und mit Knieorthesen auf dem Nebenfeld spielt. Da würde ich gewinnen. Sicherichbin! ;-).

Wie es richtig geht: Hier eine echte rally!

George Clooney?

Italienisch Irische Hochzeit am Comer See. Auchnochnichterlebt.

Die Braut Samuela, eine Italienerin mit perfektem Dubliner Akzent, der Bräutigam Steven, mit irisch ohne jeglichen Dialekt. Ich mit deutschem und David mit englischem, italienischem, iranischem, russischem und was auchimmer Dialekt.  Babylonisches Sprachengewirr und alle haben sich verstanden. Gelebte EU ohne Brüsseldiktatur.

Was ist mir  im Kopf und Herz geblieben von der polyglotten Hochzeit?

– Irinnen können extrem hohe High heels tragen und haben alle Faszinators im Haar.

– Comer See, traumhaft schön, ruhig, klare Luft, gewachsen, enge steile Gassen, nette Hunde, Ramazotti, Pizza, Prosecco, Panninis in der tabaccheria.

Issesnichtschön?

– Das italienische Zugsystem funktioniert tadellos, keine blöden Zonenaufteilung, Adresse in den Kartenautomat eintippen, Visa rein  und los gehts. Danke schön!

– Mailand wird glaubeichmal überbewertet. Tauben im Restaurant brauche ich nicht.

– Die Carabinieri sehen sehr sehr nett aus,  sind sehr sehr nett und machen Ulkfotos mit.

– Der italienische Hotelkaffee ist schlecht.

– Die italienische Zeiteinteilung ist irgendwie anders. Hochzeit um 14 Uhr heißt, die Braut kommt so um 14.20.

– Italienische Kellner, die Carlo heißen, sind unfreundlich.

– Italiener scheinen ihre Sonnenbrillen transplantiert zu haben. Auch um 23 Uhr werden sie noch getragen.

– Es gibt sie wirklich, die kleinen Marktplätze, mit der großen  golden und silbernen Kirche am Rand in einem 800 Seelen Dorf. Dort treffen sich Sonntag alle mit Kind, Kegel und Hund und sitzen in der Sonne. Durch nichts zu ersetzen.

– George Clooney ist wie Nessie, er wohnt hier, alle haben ihn gesehen und keiner kann es beweisen.

– Und Lufthansa hat eine gute Beinfreiheit 😉

Turfen

Turfen ist ein beliebtes Spiel unter Krankenhausärzten. Turfen heißt, einen schwierigen, multimorbiden Patienten an eine andere Fachabteilung zu verkaufen um endlich Ruhe zu haben. Es gibt auch einen Doppel Turf oder Turf Ping Pong: Neurologie in die Innere und wieder zurückt. Ein Turf muß immer gut durchdacht und strategisch  geplant sein.

Mit meinem Kollegen Frank in Essen, der auf der Inneren gearbeitet hat, ging das immer sehr gut.

Beispiel:

Patient, total verwahrlost, eingekotet, seit Wochen nicht gewaschen, wurde bewußtlos unter einer Brücke gefunden. Der Notarzt, der sich beim Eintreffen, die Nase zuhält, meint grinsend, das ist  bestimmt neurologisch. Er habe eingekotet, könne ja einen epileptischen Anfall gehabt haben.  „Danke Herr Kollege, denke ich. Neee ist klar.“

Wahrscheinlich war der Patient einfach zu betrunken die Toilette zu finden.  Einen Zugang hat der Notarzt nicht gelegt, der Patient sei so dreckig. Also bleibt die  Arbeit erstmal an mir hängen. Neurologisch  hat der Patient nichts. Die Laborwerte sind erwartungsgemäß eine  Kastrophe. Transfusionspflichtige Anämie, Nierenversagen. Typisch neurologisch… Ich rufe Frank an, der schlecht gelaunt kommt und meint mit mir stundenlang diskutieren zu müssen, wieso der Patient so schlecht zurecht ist. Haaalllooo?! Guck Dir dir mal die Werte an.  Schließlich gibt er sich geschlagen und nimmt den Patienten  in seine Abteilung auf.

Heute auf der Aufnahmestation:

Frau L.

Frau L. ist 85 Jahre, liegt freundlich lächelnd im Bett. Wieso sie hier ist, weiß sie nicht. Wir auch nicht. Die Angehörigen sind vorsichtshalber bei der Aufnahme nicht mitgekommen. Die Laborwerte sind in Ordnung, EKG und Röntgen auch, Blutdruck sei entgleist  gewesen heißt es. Die Werte hier sind gut.

Während wir Visite machen, unterhält sich Frau L. mit einem  Bild (Kunstdruck von Monet) über der Wand. Sie sieht Hände aus der Wand kommen und begrüßt nebenbei  ihre Mutter.

Okay, vom Alter und von der Demenz gehört die Patientin in meine Abteilung.

Da erzählt der Pfleger mir, dass Frau L. nachts den Bürostuhl der Station als Toilette  mißbraucht hat. Das will ich mir jetzt nicht vorstellen. Den Stuhl kann man nur noch verbrennen. 

Ja, sie habe Durchfall gehabt… Ahhh Durchfall, denke ich. Und nehme den diensthabenden gastroenterologischen  Kollegen ins Visier. Der ist jedoch auf Zack und lehnt dankend die Aufnahme  in seine Abteilung ab. Einmal Durchfall und die Laborwerte  in Ordnung? Nichts für ihn. Schade, Turf nicht geglückt.

Okay. Angriff auf die Unfallchirurgie.  Die Patientin sei eventuell gestürzt. Ich bewege die Hüfte, die Patientin hat Schmerzen. Der Unfallchirurg, der schon fliehen wollte, kehrt seufzend zurück. Im Röntgen später ist eine Fraktur ausgeschlossen.

Ich gebe mich geschlagen, nicht mein Turf Tag heute ;-).

Wer kauft sowas?

Ich trage  gerne Jeans, Jeans oder auch mal eine Jeans. Für eine italienisch-irische Hochzeit Anfang Mai am Comer See sollte jetzt es etwas Besonderes sein. Ein Kleid! Gut dann nach der Arbeit  los in die Essener Innenstadt. Die war voll. Die war warm. Das bin ich nicht mehr gewohnt. Aber es hilft nichts.

Im ersten Geschäft:   Ich suche ein schlichtes, gerade geschnittes Kleid ohne viel Brimborium. Die Verkäuferin zeigt mir einen seitlich  gerafften Leinensack mit einer großen angenähten Tasche vorne drauf. Darin sehe ich aus, als würde ich demnächst  am Hamburger Hafen verschifft werden. Welcher Designer hatte einen schlechten Tag?Und was soll man in diese Tasche tun? Und vor allen Dingen wer kauft sowas? Ich nicht. Weiter geht´s. Ein bodenlanges buntes Hippiekleid mit asymetrischen Riesendrucken. Ich muß meine Oberweite mühsam bändigen und sehe aus wie ein Michelinmännchen auf Speed. Besonders schick dazu meine blauen Sneakersocken. Aber auch ohne Socken sieht es nicht besser aus. Wer kauft sowas?  Als Alternative ein Anzug mit weißer Jacke und Hose. Fühle mich wie ein Arzt  auf Safari.  Dann folgt eine zipfeligebunte  Tunika mit weißem Hosenrock. Ich fühle mich wie Crusty der Clown und sehe auch  so aus. Wer kauft sowas?

Erschöpft und genervt geht es weiter. Da! Ein traumschönes Kleid, gerade geschnitten, Knielänge, China Look.  Winzgröße 34. Aaargh! Wer kauft sowas? Ich leider nicht.

Genervt steige ich in meine geliebte Jeans.  Dort!  Ein korallfarbener  Schal und traumschöne Ohrringe.

Die  kaufe ich! 😉

Edit:

Werde bei der Hochzeit eine weiße Hose, hohe Schuhe, ein schickes Irgendwasdrüber und die neuen Ohrringe tragen. Ende. Abends ist es dunkel  und es sind sowieso  alle betrunken.

Urlaubsschubladen

Ich liebe Schubladendenken. Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu. Funktioniert gut. Gefällt mir.

Beim Einchecken auf dem Flughafen ein Päääärchen vor uns. So wie die aussehen, wird das dauern. Schublade auf.

Sie, blond, braungebrannt, enge Hotpants, Stiefel, Riesenpilotenbrille auf der korrigierten Nase, guckt arrogant auf die wartende Schlage hinter sich. Er, ein etwas ranziger  Typ ewiger Junge, ausgewaschene hochpreisige Jeans, KrokodiloderwasauchimmerLeder Cowboyboots. Dazu eine Tonne Handgepäck von der Größe eines Surfbretts.  Düsseldorfer Schick halt. Stundenlange Diskussion am Schalter über was auch immer. Wahrscheinlich kein vegetarisches laktoseglutenfreies Essen an Bord. Oder so. Schublade zu.

Im Wartebereich vor dem Gate eine blasse dunkelhaarige ätherisch aussehende Mama mit Kind auf dem Arm. Wieso werden die Kinder eigentlich  immer auf der Hüfte getragen?  Beine? Laufen? Alleine? Die Bio Mama flößt dem Kind diverse homöpathische Tropfen ein. Natürlich muß das Kind auch vor der bösen Sonne geschützt werden und trägt nur Ökobaumwolle.  Bioschublade zu.

Vor mir im Flugzeug dann eine zwanzigjährige Blondine. Typ zierliches Eichhörnchen. Schublade auf. Und richtig: Erst müssen die Hände eingecremt werden, dann  die Lippen, dann das Gesicht.  Jaja, die Luft ist ja so trocken nach einminütiger Flugdauer. Und in der Vogue steht ja drin, immer schön cremen. Dann natürlich alle fünf Minuten  auf die Toilette, das nächste Mal vielleicht einen Gangplatz buchen??  Dann noch diverse Kissen, sie hat sogar auf einem Kissen gesessen. Ichschwör! Der Müll aus der riesigen Handtaschen wird natürlich  liegen gelassen oder mit zierlicher Hand in die TUI Kotztüte gestopft, die dann auf dem Boden landet. Das Eichhörnchen ist in der Schublade und fühlt sich wohl.

Auf meiner Strandinsel angekommen, packe ich alles in meine Urlaubsschublade:  Sonnenmilch, endlose Strandtage, Sonnenbrand, Wein, Wind, Barfußgefühl. Es geht halt nichts über meine Schubladen 😉

Urlaub

Klick weg

Personalisierte Werbung ist doch wirklich das Letzte. Es kann einem den Tag schon um sieben Uhr morgens vermiesen.

Beim Einloggen in meinen mail Account poppt(schreibt man das wirklich so?)  parallel die unsägliche unerträgliche Bärbel Schäfer mit Weight Watchers Werbung auf. “ Ich habe 9 Kilo abgenommen trotz Job und Familie.“

Danke schön Bärbel, geh sterben, ich fand Dich schon immer fies, grummel ich.  Und denke mit schlechtem Gewissen an die herrlichen Trüffel Tortelloni und den Pfirsich Prosecco von gestern abend. Klick weg.  

Danach erscheint eine Werbung für eine Berufsunfähigkeitsversicherung. „Schon ab 29 Euro im Monat abgesichert„. Darunter ein lächelnder Senior mit seinem Enkel auf den Schulter. (Häää?! Krank sein und dann ein 20 Kilo Kind auf dem Rücken, wer´s  glaubt).  Klick weg.

Dann will mir Tchibo ein Schmetterlingsstanzenset (was für ein Wort) für 29 Euro andrehen. Ich habe Basteln schon immerimmer gehasst.  Und wer kommt auf die Idee Schmetterlinge aus Papier auszustanzen?  Bestimmt nur spätgebärende grauhaarige Mütter aus Essen-Stadtwald. Klick weg.

Schließlich bietet mir Edarling  Singles aus meiner Umgebung an. „Johnnybegood“, 50 Jahre  sei jetzt online. Würg. Nein danke, ich bin bestens versorgt. Und wieso überhaupt Männer ab 50???  Doppelklick weg.

Kurz bevor ich mich auslogge, schlägt mir Zalando die neuen Nike free Laufschuhe vor. In Schwarz-rot…Ich klick drauf… 😉