Warteschleife

Es gibt Menschen, die sich in langen Warteschlangen wohlfühlen, mit den Vor-und Hintermänner schnell per Du sind, Handynummern nach 10 Minuten tauschen und sich tiefenentspannt  zum Grillen verabreden.

Ich bin nicht so.  Warten ist meine persönliche Hölle.  Lucifer wird  mich nicht in einen heißen Kessel stecken sondern in eine Schlange bei Edeka an der Kasse.

Beim Optiker. Neue Brille abholen (jaa, ich weiß, keiner kennt mich mit Brille, meistens trage ich Kontaktlinsen, aber die Augen müssen sich jamalerholen, ich trag die auch nur abends und heimlich).  Es regnet in Strömen.  Beim Schirmöffnen schneide ich mich in den Finger. Blutet wie Sau. Kein Pflaster. Ich stecke mir unauffällig den Finger in den Mund. Hilft nicht. 

An der Theke steht ein älterer Mann, der seine zwei Brillen abholen will. Ein schwarze und eine braune. Die Verkäuferin hat nur zwei schwarze. War ja klar. Endlose Diskussionen. Mein Finger blutet weiter. Mein Mund schmeckt nach Kupfer. Ich schwitze. Ich bin müde.

Alle Stühle sind von breitgesäßigen alten Männern in Autofahrerhosen und Gallus Sandalen besetzt, die Kaffee trinken, auf ihre Brillen, Frauen oder beides warten und sich knarzig über Schweinsteiger unterhalten.

Endlich bin ich nach 20 endlosen kupfrigen Minuten dran. Die Verkäuferin guckt mich ängstlich an. Wenn ich warten muß, bin ich nicht mehr freundlich. Sonst aber auch nicht. Endloses Gefummel an der Brille. Sitzt hinterher genauso wie vorher- Memo: Brillen sind keine Lebensentscheidung. Nächstes Mal bei Mr. Spex bestellen. Geschafft.

Dann noch einkaufen. Vor mir an der Kasse nur ein Handwerker, der sich für die WM eindeckt. Das hätte mich mißtrauisch machen sollen. Bingo. Das beschissene Laufband funktioniert nicht. Beim Chipshandwerker gibt es einen Storno.

Als ich nicht mehr hyperventiliere, beschließe ich mein berufliches Leben auf  Ackerbau und Viehzucht und Selbstversorgung umzustellen. Aber wahrscheinlich geht dann mein Trecker kaputt. Und ich muß warten. Auf den Mechaniker. Der erst in zwei Wochen kann.

 

 

 

 

 

 

 

Bahn Memo

Eigentlich fahre ich gerne mit der Bahn (wer eigentlich sagt, der lügt).

Es sei denn….

– Ich höre diese Durchsage: „Der ICE nach B. fällt heute technisch bedingt aus  Es gibt einen Ersatzwagen. Die Sitzplatzreservierungen haben leider keine Gültigkeit. Sie können sich hinsetzen, wo Sie wollen!Memo: 18 Euro Reservierung in den Müll. Zu Diskussionen im Service Point (zu erkennen an den meterlangen Schlangen) fehlt mir die Geduld.

– Die Rolltreppe geht nicht. Aufzug ist kaputt. D. hilft einer hilflosen Mutter, den gefühlt 70 Kilo schweren Kinderwagen samt Nachwuchs nach oben zu schleppen. Danach hat er einen Hexenschuss. Memo: Immer Voltaren mitnehmen auf Bahnreisen.

– Auf den reservierten Plätzen sitzt natürlich jemand. Und zieht ein langes Gesicht wenn man ihn verscheucht. Kannnixdafür. Memo: Nicht zu nett sein.

– Auf dem Bahnsteig zieht es. Die Raucher sitzen geschützt. Memo: Ich sollte rauchen. Ist auch besser für die Figur.

– Der Anschlußzug, der auf Gleis 2 ankommen sollte, wechselt nach  Gleis 10. Memo: Wußte gar nicht, dass ich so schnell laufen kann.

– Die weibliche Zugbegleitung mit dem Gewichthebercharme, der im Gegensatz zu der roten Schleife am Hals steht, mustert kritisch mein knittriges Online Ticket. Fühle mich wie in der ersten Klasse an der Tafel, kriege feuchte Hände und sehe mich schon auf den Gleisen ausgesetzt. Dann zieht sie die Zange und tackert mein Ticket. Geschafft. Memo: Nächstes Mal etwas mehr Selbstbewusstsein bei 100 Euro Fahrpreis.

– Ein stylischer Hemden“mirmachtkeinerwasvor“ Typ mit 300 Euro italienischen Schuhen  und Kryptophon Blackberry steigt in Hannover aus und hinterlässt einen Müllberg aus Kaffeebechern, ausgelesenen Zeitungen, Sandwichpapier, Brötchentüten. Memo: Soziale Verantwortung hat nichts mit Schuhen zu tun. 

Memo: Das wusste ich ja schon immer.

Erinnerungen

Och nö, stayfriends hat sich was gaaaanz tolles Neues ausgedacht:

Wie erinnern Sie sich an Ihre Klassenkameraden? Man kann dann folgende Eigenschaften anklicken:

Er/Sie/Es war:  clever, warmherzig, Partymaus, einzigartig, kreativ, gutaussehend, humorvoll.

Mir fehlen folgende winzige Ergänzungen:

Er/Sie/Es war: ein cleveres Riesenarschloch/ein humorvoller Schläger/eine kreative Petze/ein gutaussehender Feigling.

Ja doch, ich bin sehr gerne zur Schule gegangen 😉

Wieso ich

Amazon liebe?

Ganz einfach:

Tag eins: Fahrrad Großhändler in Düsseldorf, nennen wir ihn „Fucky bike“.

Es sollten zwei Räder sein.Ein normales City bike und ein Cross bike.  Ein genervter Verkäufer, der uns schon neutral pissig musterte. Ich kann nichts dafür, dass Du arbeiten mußt. Echt jetzt. Im Gegensatz zu anderen Kunden haben wir uns nach fünf Minuten für zwei Räder entschieden. Guter Stundenumsatz. Dann noch ein Helm für mich. Keine Ahnung, welche Größe ich brauche. Seine Kollegin sei dafür zuständig. Die war unsichtbar. Auch nach 15 Minuten. Es war warm. Neben mir eine Düsseldorfer Familie, die dem 5jährigen Jacob-Anton erklären, dass dieser Helm eine spezielle Lüftung hat. Der andere mit dem Piraten drauf nicht. Lautes Geheule. Wieso muss man 5jährigen eigentlich alles erklären? Echt jetzt. Mir reicht es. Ich probiere jetzt einfach einen auf. Nato Grün mit gelber Schrift.Ursula von der Leyen wäre stolz auf mich. Passt. Gehe zur Kasse. Vor mir ein Typ, mit einem Reizhusten, der seine EC Karte nicht findet und dann noch wissen will, welches Sattelmodell sein neues Rad nun hat. Die Kassiererin fragt, ob ich den Helm auch probiert habe und ob ich wisse, worauf ich achten müsse. Da müsse man sehr! sehr! genau sein. Ich überlege, ob ich sie beißen oder ignorieren soll. Entscheide mich für zweites.

Am nächsten Tag können wir die Räder abholen.Termin 14 Uhr. Stelle mich schon auf eine Wartezeit ein. Bingo: 45 Minuten. Wozu eigentlich???? Ist ein Notfall Rad dazwischen gekommen? D. sieht mich ängstlich von der Seite an und holt mir schnell vom Aldi Joghurt Gums und Wasser. Die Räder gehen natürlich nicht beide in mein Auto. Nur eins. Egal. Macht nichts mehr. Taxi. Schnell weg von Fucky bike.

Tag zwei: Fahrrad“fachhändler“ in K.werth. D. möchte auch so einen Helm wie ich und ein Schloß. Es ist Samstag. Es ist voll. Ich versuche ruhig zu bleiben. D. kämpft sich zu den Schlössern durch, die durch mindestens 9 Fahrräder verstellt sind. Ein Rad fällt mir auf den Fuß. Der „Fachhändler“ berät seit 10 Minuten eine Mutter über einen Fahrradwimpel von Prinzessin Lillifee. D. entdeckt einen Helm. Der Kinnriemen ist kaputt. Wir suchen auf den 20 qm Laden nach einer zweiten Verkäuferin. Die hastet an uns vorbei und wirft uns einen flüchtigen Blick zu. Nö, kein zweiter Helm da. Evtl. nächste Woche.  Sie wisse es nicht. Wir stehen endlos an der Kasse an. Sie schreibt Quittungen per Hand. In runder linksgeneigter Schulmädchenschrift. Fehlt nur noch, das sie die I Punkte in Blasenform malt.Das dauert.  Ewig. Frage mich über den Sinn des notebooks nebenan. Wir kriegen keine Quittung. Haben ja auch nur 85 Euro ausgegeben. Mit EC Karte dürfen nur Fahrräder bezahlt werden. Jawollja.

Zu Hause angekommen, bestellt D. sofort ein neues Trikot und Radhose bei Amazon. Mit einem Klick. Herrliches Gefühl.

 

Woche 21

Gesehen: Nichts, keine Lust auf Fernsehen. Ansonsten viele schreckliche oder schrecklich viele Tattoos auf weißer Winterhaut.

Gelesen: Einen englischen Kalender für 2015. Na ja, versucht zu lesen.

Gearbeitet: Jaaaa. Mehr gibt dazu nicht zu sagen.

Gesäubert: Meine blogroll. Und Rosen geschnitten.

Gedacht: Endlichendlichendlich freies Wochenende mit Supersommerwetter!!

Geschlafen: Ging so, um 3 Uhr wach gewesen, Gordon Ramsey und Hell´s kitchen geguckt, von Risotto, New York Steak und Muscheln geträumt und matschig um 5 Uhr vom Wecker aus dem Bett geworfen worden. Gnarr.

Geturnt: Einmal.Na ja.

Genervt: Der weiße 3er BMW heute auf der A3, der von Oberhausen bis Wesel Schermbeck vor mir hergekrochen ist. Kauf Dir doch ein Fahrrad! Und übrigens rechts ist auch noch eine Spur! Auch für BMW!

Geschnitten: An einer blöden Kanüle. Gott sei Dank steril.

Gewesen: Im Klinikum Essen bei meiner besten Freundin. Obwohl ich dort sechs Jahre studiert und gearbeitet habe: Nix mehr wiedererkannt. Meine geheimen Parkplätze, alle weg!

Geklickt: Wetter.com, ob es auch wirklich so schön bleibt.

Gelernt: Männer sind Weicheier (obwohl, das wußte ich immer schon) und kommen wegen  ein bißchen Mimimimi Kopfschmerzen nicht zum Dienst. Ich bin mit einem Bänderriss arbeiten gegangen. Damals, in den Ardennen.  Jawollja!

Liste hier geklaut. Thx!

Erster

Astrophysiker aus Göttingen haben nur 13 Lichtjahre entfernt einen vermutlich lebensfreundlichen Planeten aufgespürt. Ich will da hin. Sofort.
Ich packe meinen Koffer und nehme mit: Die Cappuccinokatze von nebenan (auch wenn sie sich wehrt und nicht in den Koffer einsteigen will), Friendsandfamily, Unique one für meine Strubbelhaare, die ich sonst nach dem Waschen nicht durchkämmen kann, meinen Friseur, Scrabble, Plants versus Zombies (beide Teile), einen Kasten Wasser, eine sich stets nachfüllende Packung Toffifee und einen Dönerspieß.
Ich nehme nicht mit: Strassen NRW, cholerische Kollegen, Dauerstau, Lohnsteuerspitzensatz, Achillessehnenentzündung, Schlangen vor der Kasse, Barack Obama, Sepp Blatter.
Erster!

Für die Konzerne – gegen die Bürger

Die USA und Europa wollen einen gemeinsamen Markt schaffen mit dem „Transatlantic Trade and Investment Partnership“, kurz TTIP genannt.

Das Ganze ist ein bisschen unappetitlich. Es geht um Chlorhähnchen, um Hormonfleisch und um Genmais – alles Dinge, die ich nicht auf dem Teller haben möchte.

Aber es ist noch mehr als unappetlich. Es ist eine wirtschaftliche Übernahme ohne Rücksicht auf soziale Strukturen der einzelnen Länder. Die Zölle und Einfuhrquoten sollen aufgehoben werden.  Unterschiedliche Normen und Standards. Stichwort Chlorhähnchen und Budweiser light Plörre bald auch hier.

EU Kommissar Karel de Gucht und der US-Handelsbeauftragte Michael Froman tagen geheim, nichts dringt nach draußen.  Das steigert das Vertrauen in den TTIP nicht gerade. Die einzelnen EU Parlamente dürfen erst nach Vertragabschluß mit Nein oder Ja stimmen.

Die schlimmsten Zumutungen werden kaum erwähnt. Das mit dem „Freien Handel“ auch die Privatisierung von Betrieben der Daseinsvorsorge gemeint ist , ist vielen nicht klar. Wenn die Verträge abgeschlossen sind, können die Wasserwerke, Abfallwirtschaft und die gesetzlichen Krankenversicherungen zur Privatisierung ausgeschrieben. Aber das wird nicht alles sein! Der ÖPNV, das Rettungswesen mit Feuerwehr  etc. wird wahrscheinlich folgen. Und wie sieht es mit der Rentenversicherung aus, haben die USA da nicht auch ein privates Modell? Also bereiten wir uns auf den Wahnsinn vor.

Falls ihr dem nicht folgen wollt und Euch informieren möchtet:

Hier noch mehr Infos:

Thx Attac, Deutschland.

Cha cha cha

Stau macht dumm. Stau macht blöd. Echt jetzt. Nachdem ich heute einen *’$%&/?!* Opel Vectra (natürlich silbern, wieso sind die immer silbern und wieso sitzt da immer ein Vollbart drin??), der 20 Meter „Sicherheitsabstand“ bei Tempo 30 gehalten hat, gepflegt rechts  (nein Mama, hab ich nicht) überholt habe, fiel mir folgendes ein: Was ist eigentlich aus dem Cha cha Charmin Bär geworden? Der Toilettenpapierbär von Zewa? Weg ist er. Nicht, dass ich ihn vermissen würde. Ich fand ihn immer peinlich. Bären sollten sich nicht den Hintern abwischen. Aber die Baccardi Werbung  mit Summer feeling vermisse ich. Und die Becks Werbung mit dem grünen Segelschiff auch. Hans Harz ist schon tot. Mir ist warm. Der glatzköpfige Autofahrer im Audi A8 neben mir bohrt ausgiebig im Ohr. Und untersucht das Ergebnis.  Wie ich das hasse. Fenster sind durchsichtig. Merkdirdas! Lassdassein!

Ich will ans Meer, Füße in den Wellen. Kaffee in der Hand. Sofort. Hoffentlich sind die auf der A40 bald mit den Lärmschutzwänden fertig. Wir danken für Ihr Verständnis. Stau cha cha cha.

 

 

Memo

Sonntag. Es regnet. Ich habe Dienst. Ich habe keine Lust. Memo: Im nächsten Leben einen Bürojob.

Früh aufstehen. Ich habe zugenommen. Memo: nicht mehr am Wochenende wiegen.Die A 40 ist endlich mal frei. Ich bin ja schon mit kleinen Dingen zufrieden.

Ich grummel mich über die Stationen. Eine dauergewellte Privatpatientin redet mich zu, das Zimmer ist unerträglich warm und nicht gelüftet. Mir ist warm. Ihr nicht. Zugedeckt bis zur Nasenspitze. Sie redetundredetundredet. Endlose Gespräche über ihre kaum sichtbaren Knöchelödeme. Sie verabschiedet mich mit: „Endlich hört jemand zu.“ Memo: Nicht zu freundlich sein am Wochenende.

Kein Kaffee mehr da, ich versuche mich an Senseo. Memo: nächstes Mal Tee.

Ich laufe über die letzte Station. Mir kommt eine Patientin mit ihrem Rollator entgegen. Wir kennen uns, sie ist jetzt schon das siebte Mal hier stationär. Sie stoppt mich. Aaargh, denke ich. Nicht noch ein Endlos Gespräch. Zu spät.

„Frau Doktor! Ich muss Ihnen mal was sagen. Sie haben abgenommen!! Hab ich schon gestern zu meiner Tochter gesagt!!

Memo: Arbeiten am Wochenende kann auch Spaß machen.