Wunsch

Eine Frage, die uns am häufigsten im Krankenhaus gestellt wird, ist nicht: “ Frau Doktor, wie werde ich wieder gesund?“ oder „Muß ich jetzt sterben?“

Nein, es ist: „Haben Sie mal ein Obstmesser? „.  Oder auch im wirhabenunsimmerschongekannt  Stil “ Habt Ihr mal ein Obstmesser?“.

Liebe Kunden, wozu brauchen Sie immer ein Obstmesser? Die besten Vitamine und Ballaststoffe stecken unter und in der Schale, weiß man ja.  Und soviel Vitamin C steckt in Orangen auch wieder nicht.

Gefolgt wird der Messerwunsch auch gerne von natürlich ohne  Guten Tag und Bitte: „Wo sind hier die Vasen?“.

Messer sind im Krankenhaus nicht so ganz ungefährlich. Delirante Patienten haben schon mal nachts Ihren friedlich schlummernden Bettnachbar mit einem klitzekleinen  Pittermesser in winzige Scheibchen schneiden wollen.

Und auch zierliche  Vasen wurden dazu benutzt, sie dem schnarchendem Zimmergenossen über den Schädel zu ziehen.

Also, Vorsicht, wenn Sie den Wunsch nach Messer oder Vase äußern: Er könnte in Erfüllung gehen…

 

 

Erwachsen

Ich bin eine erwachsene Frau. D. hat  letztes Jahr in London gearbeitet. Wir haben uns nur alle zwei Wochen gesehen. Wir sind erwachsen und  vernünftig. Polyglott. Urban. Arbeit ist wichtig.  Eine kurze Fernbeziehung  macht uns nichts. Ab und zu war ich in London, meistens ist D. nach Düsseldorf gekommen.  Er kam  dann müde vom gate mit dem letzten Flug Freitag Abend aus Heathrow. In der Hand jedes Mal eine Duty free Tüte. In dieser Tüte steckte immer ein britischer Teddy Bär. Ein Jahr hat 48 Wochenenden…

Nun schauen mich auf meiner Kommode im ersten Stock zahlreiche britische Bären stumm und ich meine auch etwas vorwurfsvoll an. Als hätte sie jemand aus ihrer gewohnten Terminal Umgebung gerissen. Einer trägt einen Schottenrock (mit nix drunter), der andere eine Beefeater Mütze, der nächste nur einen Schal um den mageren kaum sichtbaren Hals. Nebenbei Plüschteddys haben keinen Hals, der Kopf setzt direkt am Rumpf an, wusstet Ihr das? Der letzte besitzt einen Stoffdudelsack. Ein kleiner Bär trägt nur eine eng sitzende  Weste mit dem Union Jack drauf. Und schaut hochnäsig. Er ist der Speaker der Gruppe. Ich überlege, ob die Bären mich verstehen.  Wenn es kalt ist, decke ich sie zu. Als sie in der Plastiktüte waren, habe ich die Öffnung aufgemacht. Nicht, dass sie ersticken. Überlege, ob sie sich mit den deutschen Bären auskommen. Ob die Kommode nicht zu hart ist.

Ich bin erwachsen. Und rational.