Familienkonstellation

Heute auf der Visite. Ich komme in ein belagertes Einzelzimmer.
Der Patient sitzt auf dem Bett. Umringt von drei Angehörigen, die mich schon drohend anschauen. Oha, denke ich, das kann jetzt dauern.
Herr K., ein magerer 91 jähriger ehemaliger Beamter, hat nach einer Hüft Op ein  Delir mit einer schweren Psychose bekommen. Er hat das Pflegepersonal mit einem kleinem grünen Obstmesser bedroht. Hört sich lustig an, ist es aber nicht.

 Tochter (graue Lockenmähne):  „Ich habe Medizin studiert.“ (auf gut deutsch den Abschluss dann doch nicht geschafft).  „Ich bin Hebamme .“ (Ahh, jaaa, als Hebamme kennt man sich besonders gut mit alten Menschen aus).
Sohn: „Ich bin Arzt“. (Auch das noch). „Was ist mit meinem Vater los? Er war vor der OP vollkommen normal!“
Schwiegertochter:  „Ich bin Sozialarbeiterin. (Prost Mahlzeit).
Die ganz Bandbreite also.
Innerlich seufzend ergebe ich mich in mein Schicksal. Wieso stellen sich eigentlich alle mit ihrem Beruf vor??

Die Hebammentochter beschwert sich: „Keiner bindet uns in den Therapieprozess ein.“  Ichschwör, sie hat wirklich Therapieprozess gesagt. Herr K. ist seit einem!  Tag auf unserer Station.  Die Chirurgen  machen wahrscheinlich drei Kreuzzeichen, dass sie die Familie losgeworden sind.

Mit einer Elendsgeduld gehe ich sämtliche Befunde mit der Familie durch. Erkläre alles. Labor, CCT, EKG, Medikation… Langsamundzummitschreiben. Und siehe da, das anfänglich drohende Klima schwenkt endlich um.

Und der Sohn gibt zu: „Ich glaube, Papa hat doch schon vor der OP eine Demenz gehabt.“

Mmmmmh, sagichja.

Einstimmiger Beschluss der Familie: Wir müssen uns um Papa kümmern!

Gut. Wenn das nach einem dreißigminütigem Gespräch rauskommt, war es das Wert.

Alles drei verabschieden mich mit Handschlag und einem Lächeln. Im Rausgehen ruft mir die Hebammentochter hinterher: „Wenn ich Fragen habe, darf ich Sie anrufen?“

Ich: „Ja.“

Hebamme: „Auch abends um 22 Uhr?“

Ich zucke erkennbar zusammen.

Sie grinst: „War nur Spaß!“

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2 Antworten zu Familienkonstellation

  1. Ano schreibt:

    Farblich gefällt mir der neue Stil deines Blog gut, man (oder ich in meinem Browser) kann aber nur schwer erkennen, ob Kommentare vorhanden sind.
    Die gelb-schwarzen Icons sind sehr klein und der Text (hier zu sehen: schwarzer Hintergrund, dunkelgraue Schrift) dahinter hebt sich von der Hintergrundfarbe nicht ab. Es könnte schon ausreichen die Textfarbe heller zu gestalten.

  2. labaera schreibt:

    Ja, stimmt, Ich versuche es mal… Danke!

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