Ohne Punkt und Komma

R., ein Freund, den ich sieben Jahre kannte, stieg ins Auto. Es war ja auch vollkommen klar, dass ich fahre (O-Ton: Wie kommen wir denn dahin??).  Kaum saß R. ging es auch schon los. Er habe so viel Stress in der Praxis, und dann noch die Zahnschmerzen, und auch das Knie, auch Badminton könne er nicht spielen, das (überteuerte gebatikte Hipster) T-Shirt, was er trage, sei natürlich aus Berlin, und das Ruhrgebiet sei ja so retro, er würde nur wegen der Praxis hier wohnen, Berlin sei es halt, es sei ja seine Stadt (klar, der vollgekotzte Cotti hat was).  Ich sah auf die Uhr. 14 Minuten, 32 Sekunden narzisstischer Monolog ohne Punkt und Komma. Und überhaupt sei er hochsensibel, habe er sich ja immer schon gedacht.

Und weiter ging es. Gestern traf ich mich mit S. Ihre Redezeit: 2 Stunden 25 Minuten, inclusive Vorlegen Fotos sämtlicher Familienmitglieder. Meine Redezeit: 11 Minuten. Da ich mit dem Auto da war, konnte ich mich noch nicht mal mit Aperol betrinken, um mir den Rotz schön zu hören.

Ich habe jetzt zwei Freunde weniger. Punkt. Ohne Komma.

 

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11 Antworten zu Ohne Punkt und Komma

  1. Sylana schreibt:

    Zum ersten:
    Soll er die Praxis nach Berlin verlegen.
    Zur zweiten:
    Über zwei Stunden? Ohne Alkohol? Das ist doch medizinisch nicht ratsam.
    Wie lernen daraus: Niemals selber fahren!
    Schön, das Du so konsequent bist. Ich hätte wohl genau so entschieden. Und ich hab es auch schon getan.

  2. Frau Meyer schreibt:

    Respekt vor deinem Mut, dich von Freunden (waren das überhaupt welche?) zu trennen. Ich würde mir das leider schön reden und sagen: Dem/der geht’s wohl gerade nicht gut und noch eine zweite Chance geben.
    Schön doof, ich weiß. 😦

    Meine Mutter (72 J.) hat auch so ein paar Energieräuberinnen, wie ich sie nenne, im Bekanntenkreis. Zeigen meiner enkellosen Mama stundenlang Enkelfotos aus allen Entwicklungsstufen auf dem Handy oder beschreiben Urlaube en detail inkl Magen-Darm-Verstimmung.
    Ich glaube, bei manchen täte es wirklich die gute alte Parkuhr zum Volllabern.

    • labaera schreibt:

      Das Leben ist wie eine Zugfahrt
      mit all den Haltestellen, Umwegen und Unglücken.
      Wir steigen ein, treffen unsere Eltern und denken,
      dass sie immer mit uns reisen,
      aber an irgendeiner Haltestelle werden sie aussteigen und wir müssen
      unsere Reise ohne sie fortsetzen.
      Doch es werden viele Passagiere in den Zug steigen,
      unsere Geschwister, Cousins, Freunde,
      sogar die Liebe unsres Lebens.

      Viele werden aussteigen und eine große Leere hinterlassen.
      Bei anderen werden wir gar nicht merken, dass sie ausgestiegen sind.
      Es ist eine Reise voller Freuden, Leid, Begrüßungen und Abschied.

      Mein Lebensmotto😎😎

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