Verfügung

Sterben in Deutschland ist ja nicht so einfach wie es mal war.  Ohne Zettel und Verfügung geht nix. Eine 98jährige Patientin  auf meiner Station macht sich nun endgültig auf in die ewigen Jagdgründe. Es ist absehbar und auch in Ordnung. Ein langes, wie ich meine, zufriedenes Leben geht zu Ende. Sie hat bis zuletzt zu Hause gewohnt und hat jetzt einen Herzinfarkt, den sie nicht überleben wird.

Aber nein! Sie hat keine Patientenverfügung.  Der Sohn weiß nicht, was Mutti sich gewünscht hat. Die Tochter kann sich nicht verabschieden. Wir sollen alles machen. Coro, Intubation, Beatmung, Reanimation, Dialyse. Das ganze große Programm.  Es würgt mich. Ich wette, wenn ich nicht alles mache, wird sie mit dem Rechtsanwalt  im Galopp kommen. Zähneknirschend verlege  ich sie zu den Kardiologen. Nach drei Tagen werde ich zu einem neurologischen Konsil auf die Intensivstation gerufen.  Im Nebenbett  sehe ich meine Frau L. dort liegen, nach der Coro. hat sie jetzt einen Schlaganfall. Intubiert, beatmet, aufgequollen wie ein Michelinmännchen, Dialyse läuft auch schon.

Hier meine Verfügung: Wenn ich absehbar todkrank bin, setzt mich auf ein Floß und lasst mich ins Meer treiben. Danke!

 

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8 Antworten zu Verfügung

  1. Jane Blond schreibt:

    Auf die Brust tätowieren lassen: Wenn, denn! Nicht reanimieren, keine lebensverlängerten Maßnahmen! Da könnte man in Zeiten der Digitalisierung auch einen Strichcode (nimmt nicht so viel Platz weg) draus machen. Einmal scannen und alles wissen bescheid …

  2. labaera schreibt:

    Strichcode…. 🙂

  3. Sylana schreibt:

    Himmelherrgott noch mal!
    So eine egoistische Tochter!
    Die Frage ist doch nicht ob, sondern wann und wie…..

    Ich durfte das in der eigenen Familie leider auch erleben. Sicher wollte ich nicht das die Person stirbt, nur Lebensqualität war das auch nicht mehr. So wurde ein schwerst Hirngeschädigter, nicht mehr ansprechbarer, mehrfach wiederbelebt. Das Herz schlug dann eben wieder, das war aber auch alles. Irgendwann muss doch mal gut sein.
    Sylana

  4. labaera schreibt:

    Ja. Irgendwann ist es aus. Manche verstehen es einfach nicht.

  5. Ano (oder war es Anon ? :) ) schreibt:

    Das Sterben wird demnächst noch schwieriger werden.
    Der BGH hat es nicht für ausreichend angesehen, dass man in die Patientenverfügung schreibt, dass man z.B. nicht durch Maschinen am Leben erhalten werden will.
    Nein, das wäre zu einfach. Es müsse genau beschrieben werden, bei welchem Ereignis man welche Maßnahme nicht will.
    Ich schreibe jetzt seit Wochen die Hersteller von Klinikgeräten an und frage nach Einsatzgebiet und Anwendung, damit ich dann beschreiben kann, was ich will und was nicht. Und ihr dürft euch dann durch meine Anweisungen lesen, die dicker sind als „Krieg und Frieden“ (passt auch vom Titel irgendwie). :mad
    (Wo kann man eigentlich Insulin bekommen?)

  6. Ano schreibt:

    Jetzt laufe ich aber purpurrot an.
    Ich hatte schon befürchtet, dass du auf dem Floß treibst. Es gab hier so lange nichts mehr zu lachen und dann schaue ich einige Wochen nicht vorbei und werde gleich von lebendiger Realsatire überrollt.

    Die Idee mit dem Floß ist gut. Alternativ würde ich das Floß noch am Punta Jandia ins Meer setzen und mich mit einer Flasche Wein in die Wellen treiben lassen, dort wo das afrikanische Meer auf den Atlantik trifft. Grandios. Surfen wäre noch besser, aber das kann ich dann wohl nicht mehr.
    Oder ein letzter Schritt von der Aussichtsplattform beim Leuchtrum am Faro de La Entallada, Aber bis dahin musst du mich noch ertragen. Das wird noch dauern. Ich habe es so mit etwa 100 eingeplant. 🙂

  7. labaera schreibt:

    Jandia ist toll und bis 100 schaffen wir das. Versprochen 🙂

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