Verfügung

Sterben in Deutschland ist ja nicht so einfach wie es mal war.  Ohne Zettel und Verfügung geht nix. Eine 98jährige Patientin  auf meiner Station macht sich nun endgültig auf in die ewigen Jagdgründe. Es ist absehbar und auch in Ordnung. Ein langes, wie ich meine, zufriedenes Leben geht zu Ende. Sie hat bis zuletzt zu Hause gewohnt und hat jetzt einen Herzinfarkt, den sie nicht überleben wird.

Aber nein! Sie hat keine Patientenverfügung.  Der Sohn weiß nicht, was Mutti sich gewünscht hat. Die Tochter kann sich nicht verabschieden. Wir sollen alles machen. Coro, Intubation, Beatmung, Reanimation, Dialyse. Das ganze große Programm.  Es würgt mich. Ich wette, wenn ich nicht alles mache, wird sie mit dem Rechtsanwalt  im Galopp kommen. Zähneknirschend verlege  ich sie zu den Kardiologen. Nach drei Tagen werde ich zu einem neurologischen Konsil auf die Intensivstation gerufen.  Im Nebenbett  sehe ich meine Frau L. dort liegen, nach der Coro. hat sie jetzt einen Schlaganfall. Intubiert, beatmet, aufgequollen wie ein Michelinmännchen, Dialyse läuft auch schon.

Hier meine Verfügung: Wenn ich absehbar todkrank bin, setzt mich auf ein Floß und lasst mich ins Meer treiben. Danke!