Rakete

Heute auf Zimmer 5. 82 jährige Patientin mit schwerer Herzinsuffizienz. Sie sah vor zehn Tagen aus wie ein aufgeblasenes Michelin Männchen, brauchte Sauerstoff. Sie hat unter unserer Therapie neun Kilo abgenommen, die Beine sind schlank  Sie läuft wieder alleine über den Flur.

Wir sind ein bisschen stolz, dass es ihr wieder so gut geht. Aber das Michelin Männchen sieht das anders.

Chef: “ Wie geht es Ihnen?“

Patientin: „Ich kriege keinen Milchreis!“.

Das war nicht die Frage. Meine innere Rakete Stufe eins zündet.

Chef, professionell lächelnd: „Wir fragen die Servicemitarbeiter!“

Ich (das Milchreisthema höre ich seit einer Woche jeden jeden jeden Tag) : „Sie möchte lactosefreien Milchreis. Und das können wir nicht mal so eben beschaffen.“

Patientin spricht mault dazwischen: „Und lactosefreien Kakao! Zu Hause bekomme ich das immer!“  

Genau! Zu Hause! Und wo sind Sie hier? Richtig: Nicht zu Hause! Meine innere Rakete Stufe zwei macht sich auf den Weg.

Sämtliche Vorschläge, die wir machen: -Tochter soll Milchreis mitbringen (geht nicht, die muss arbeiten), -wir geben  Laluc und dann kann sie normalen Milchreis essen (vertrage ich nicht) zünden nicht. Dafür zündet meine Rakete Stufe drei.

Chef, jetzt mit einer hochgezogenen Augenbraue lächelnd: „Sind Sie nicht zufrieden mit unseren Hotelleistungen?“ Er betont das Wort Hotel, dem Michelinmännchen fällt es nicht auf.

„Nein, zu Hause kriege ich immer meinen lactosefreien  Milchreis!“

Ich gehe raus. Stufe vier. Deep Impact.