Urlaubsschubladen

Ich liebe Schubladendenken. Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu. Funktioniert gut. Gefällt mir.

Beim Einchecken auf dem Flughafen ein Päääärchen vor uns. So wie die aussehen, wird das dauern. Schublade auf.

Sie, blond, braungebrannt, enge Hotpants, Stiefel, Riesenpilotenbrille auf der korrigierten Nase, guckt arrogant auf die wartende Schlage hinter sich. Er, ein etwas ranziger  Typ ewiger Junge, ausgewaschene hochpreisige Jeans, KrokodiloderwasauchimmerLeder Cowboyboots. Dazu eine Tonne Handgepäck von der Größe eines Surfbretts.  Düsseldorfer Schick halt. Stundenlange Diskussion am Schalter über was auch immer. Wahrscheinlich kein vegetarisches laktoseglutenfreies Essen an Bord. Oder so. Schublade zu.

Im Wartebereich vor dem Gate eine blasse dunkelhaarige ätherisch aussehende Mama mit Kind auf dem Arm. Wieso werden die Kinder eigentlich  immer auf der Hüfte getragen?  Beine? Laufen? Alleine? Die Bio Mama flößt dem Kind diverse homöpathische Tropfen ein. Natürlich muß das Kind auch vor der bösen Sonne geschützt werden und trägt nur Ökobaumwolle.  Bioschublade zu.

Vor mir im Flugzeug dann eine zwanzigjährige Blondine. Typ zierliches Eichhörnchen. Schublade auf. Und richtig: Erst müssen die Hände eingecremt werden, dann  die Lippen, dann das Gesicht.  Jaja, die Luft ist ja so trocken nach einminütiger Flugdauer. Und in der Vogue steht ja drin, immer schön cremen. Dann natürlich alle fünf Minuten  auf die Toilette, das nächste Mal vielleicht einen Gangplatz buchen??  Dann noch diverse Kissen, sie hat sogar auf einem Kissen gesessen. Ichschwör! Der Müll aus der riesigen Handtaschen wird natürlich  liegen gelassen oder mit zierlicher Hand in die TUI Kotztüte gestopft, die dann auf dem Boden landet. Das Eichhörnchen ist in der Schublade und fühlt sich wohl.

Auf meiner Strandinsel angekommen, packe ich alles in meine Urlaubsschublade:  Sonnenmilch, endlose Strandtage, Sonnenbrand, Wein, Wind, Barfußgefühl. Es geht halt nichts über meine Schubladen 😉

Urlaub