Malreingehen – Ina Müller

Gut, Ina Müller ist nicht Jedermanns Sache. Aber ich bin ja auch nicht Jedermann. Vielen ist sie zu blond, zu laut, zu sentimental, zu primitiv, zu sabbelig, zu trinkfest, zu wasauchimmer.
Gestern abend in der Grugahalle war sie alles das aber auch mehr als das. Sie war witzig, nachdenklich, Männer-und Frauenfeindlich. Sie singt und redet mit ihrer souligen bröseligen Stimme über dicke Männerbäuche mit kurzen Lunten drunter, verklebte Augen morgens, kleine dicke Frauen, verlorene Träume, Schmerzen beim Aufstehen, entfremdete auseinandergelebte Paare, die einander angucken wie sauere Milch, über ungeduschten Alltag, offene Toilettendeckel, chronifiziertes Wir anstatt Ich und Du, über Lieben und Nichtlieben, über Sehnsucht zum Meer auf Plattdeutsch.
Ina Müller ist mehr als Sabbeln und Saufen. Reingehen. Die Nase in den Wind halten.