Bratzentag

Was ist eine Bratze? Umgangssprachlich ein nicht ganz so feines Wort für einen speziellen Frauentyp, den  ich nicht ausstehen kann. Frech und dumm.

Beim Einkaufen in meinem Hofladen von Bauern Ridder hatten wir ein Prachtexemplar  einer sogenannten Biobratze vor uns.

Schon beim Einparken fiel Madam unangenehm auf. Natürlich  in einem bratzigen putzigen  Renault Clio parkte sie so dicht neben uns, das ich schon mit der Tür aufpassen musste, obwohl noch geschätzte 1000 qm Platz frei waren.

Schwarzer Pferdeschwanz mit zahlreichen grauen Haaren drin, Typ: Ichfärbenichtmehr. Ein sogenanntes Silver girl. Bestimmt  diejenige, die beim Elternsprechtag immer stundenlange Diskussionen über Milch- und Kopiergeld führt.Die Kinder heißen  Johannes und Greta. Wohnt in Essen-Stadtwald. Wette ich ein Monatsgehalt drauf.

Die Biobratze imponiert durch ihre durchdringende, penetrante Stimme sowie eine  ubiquitäre unangenehme Präsenz. Der Laden ist nicht groß, ein Ausweichen leider unmöglich. Ich ergebe mich in mein Schicksal. Der Käsekuchen in dem Hofladen ist zu lecker, als ich drauf verzichten könnte.

Weiter ging es in einer Arztpraxis mit einer Arzthelferinbratze.

Ich stehe vor dem Empfangstresen. Vor mir ein chronifziertes Hartz IV Wesen mit Schnupfen, heulend: „Ich muss zum Arzt, ich kann nicht mehr, ich bin so krank.“

Arzthelferin: „Ja, geh mal durch und setz dich in den Warteraum.“

Dann bin ich an der Reihe.

Ich sage freundlich: „Guten Tag.“

Arzthelferinbratze (wendet sich erstmal ab, ich bin wohl unsichtbar, Tarnumhangoderwas, redet dann mit ihrer Bratzenkollegin, sortiert dann noch 500 Karteikarten gemächlich nach Farben  weg, sehr sehr wichtig, Ordnungmussjasein), dann endlich dreht sie sich betont langsam wieder zu mir um, streckt ihr Kinn ruckartig nach vorne und sagt knapp: „Bitte?“

Ich rolle schon innerlich die Augen, äußerlich wohl auch und beginne mich  warm zu laufen.

„Mein Name ist La Bära, ich hatte angerufen und wollte zum Arzt (jaaaa, auch Ärzte müssen mal zum Arzt, leider).

Bratze: „Wir nehmen keine Patienten mehr an. Erst um 15 Uhr wieder.“

Ich (bekomme schon hektische Flecken am Hals. Wenn ich krank bin, habe ich keine Geduld, wenn ich gesund bin, auch nicht): „Ich habe um acht Uhr angerufen, ihre Kollegin hat mir gesagt, dass sie keine Termin vergeben und ich heute morgen einfach  so kommen kann.“ Es ist jetzt 8.20 Uhr.

Bratze: „Nein, der Herrrrr Doktor hat beim Reinkommen gesagt, dass er keine Patienten mehr annimmt.“

Ich: „Wann hat er das gesagt?“

Bratze: „Um viertel nach acht.“
Ich: „Wieso kommt er denn nicht pünktlich zur Arbeit? Ich denke, Sprechstunde ist ab acht Uhr. Kein Wunder, dass es hier nicht läuft.“

Bratze (hysterisch nach Luft schnappend): „Das müssen Sie wohl dem Herrrrrrn Doktor (wie sie das immer betont) überlassen, wann er anfängt. Wir nehmen keine Patienten mehr an heute morgen.“

Ich: „Muß ich nicht verstehen. Wozu rufe ich denn dann an ?

Das kann die Bratze mir auch nicht erklären und dreht sich weg. Ich mustere ihren grob gestrickten gelben Wollpulloverrücken. Überlege kurz, ob ich mich am Tresen ankette. Verwerfe dann den Gedanken.  Drehe  bei und streiche die Segel. Kotze innerlich, weil ich für solche Bratzen in meinen Diensten im Krankenhaus häufig nachts um drei Uhr aufstehen musste und innerhalb von fünf Minuten parat war. Um die Migräne zu behandeln.

Als ich zu Hause die Beschwerdemail an den Arzt schreibe, überfliege ich kurz die Praxis Homepage. Motto der „patientennahen Hausarztpraxis“: „Bei uns fühlen Sie sich wohl“. Ich lache trocken und huste wieder röchelnd.. Bratzentag.

Geriatrisches Telefonat

Heute am Telefon:
Am anderen Ende eine ältere knarzige  Stimme: „Mein Doktor hat mir eine Einweisung für das Krankenhaus gegeben. Ihr sollt mich mal wieder fit machen.“
Ich (hasse spontanes Duzen): “ Worum geht es denn genau bei Ihnen?“
Stimme: „Ja hab ich doch gesagt, wieder fit werden.
Ich: „Wieso sind Sie denn nicht fit?“
Stimme: „Ja, weil ich so ein komisches Gefühl im Kopf habe. Und auch mein Rücken und Blutdruck. Und mein Zucker erst.“
Ich (kriege langsam auch ein komisches Gefühl im Kopf): „Können Sie denn laufen?“
Stimme:  „Ja, bis nach Edeka schaffe ich wohl noch.“
Ich (Edeka reicht für die TK):  „Gut, ich gebe Ihnen dann die Durchwahl für die Tagesklinik, dort können Sie einen Termin ausmachen.“
Stimme: “ Was ist denn eine Durchwahl?“
Ich (lautlos den Kopf auf den Schreibtisch schlagend): „Das ist die Telefonnumer von der Tagesklinik. Dort können Sie direkt anrufen.“
Stimme: „Moment, ich hole ebend einen Stift „. (Wieso sagen eigentlich so viele Leute ebend mit D am Ende? Oder auch Kernspind?)
Ich höre Geraschel und Gewühle am anderen Ende. Eine Viertelstunde vergeht. Mindestens. Ich überlege, was wir am Wochenende kochen können. Hähnchen vielleicht, immer gut.
Stimme (mich aus meinen Kochplänen reißend): „Der schreibt nicht.“
Wundertmichjetztnicht.
Ich (gebe auf):  „Herr M, wir rufen Sie dann zurück. Ihre Nummer sehe ich auf meinem  Telefon.“
Stimme Herr M:  „Ja, und dann müssen wir noch eine Fruchtwasseruntersuchung machen, hat mein Neurologe gesagt.“

Ich (kannnichtmehr vor unterdrücktem Lachen, rolle über den Boden, komme nicht mehr hoch): „Sie meinen bestimmt eine Nervenwasserentnahme?“

Herr M (über die Schulter zu seiner Frau rufend): „Inge, war das jetzt Fruchtwasser? Oder Nervenwasser? Irgend sowas halt.“

Irgend sowas kann ich.  Das kriegen wir schon hin, mein lieber Herr M!

Machmallauter – The drugs don´t work – The Verve

All this talk of getting old
It’s getting me down my love
Like a cat in a bag, waiting to drown
This time I’m coming down
….
And I hope you’re thinking of me
As you lay down on your side
Now the drugs don’t work
They just make you worse
But I know I’ll see your face again

Now the drugs don’t work
They just make you worse
But I know I’ll see your face again…“

The Verve können anders und Ernst. In dem Lied geht es um den krebskranken Vater, der die letzten Meter seines Lebens erreicht hat. Medikamente helfen nicht mehr.

Todkrank sein ist halt nichts für sissies.

Machmallauter – Harder than you think – Public enemy

Soundtrack von End of watch, dem neuen Actionfilm mit  Jake Gyllenhaal und Michael Peña.

Hörenswerte und kraftvolle Musik von public enemy.

Sehenswert ist End of watch, wenn ihr auf die ruckelige Kameraführung nicht mit Übelkeit reagiert.
Sehenswert ist End of watch, um sich den Mund von Jake Gyllenhaal in Großaufnahme anzuschauen.
Sehenswert ist End of watch, wenn ihr auf schmutzige Sprache steht.
Sehenswert ist End of watch, wenn ihr am Ende weinen wollt.
Nicht sehenswert ist End of watch, wenn ihr mit einem Lächeln aus dem Kino gehen wollt. 😉

Würde ich…

nochmal Ärztin werden wollen?

Nein, weil zwei Tage ohne Schlaf schon mal im Straßengraben enden können.

Nein, weil Kotze und Blut und Maden auf der Hose kein erstrebenswerter Zustand ist.

Nein, weil die Scheidungs-, Suizidrate bei Ärzten am höchsten und die Schlafrate am schlechtesten ist. Ein Kollege fährt auf gerader Strecke vor einen Brückenpfeiler, ein Kollege  springt vom Dach, ein Kollege…. usw.

Nein, weil ich in meinem Alter die Menschenkenntnis einer 80jährigen habe.

Nein dafür, weil ich helfen kann und Menschen undankbar sind.

Nein dafür, weil eine 80 Stunden Woche nur in der Jugend zu verpacken ist.

Nein dafür, weil ich keine geschwätzigen Menschen mehr ertragen kann, die ausufernd über sich reden und mir meine Lebens-und Arbeitszeit stehlen.

Nein dafür, weil ich Arzt und kein Verwaltungsmediziner sein will.

Nein, weil ich keine langen, gelben Zehennägel mehr sehen möchte.

Nein, weil mir jetzt nichts Menschliches mehr fremd ist.

Ja dafür, weil es ein lebendiger intensiver Beruf und kein Job ist.

Ja dafür, weil es Spaß macht (meistens jedenfalls).

Ja dafür, weil ich soviel gelernt habe und mit meinem Alter bereits die Menschenkenntnis einer 80jährigen habe. Wozu auch immer.

Ja dafür, weil ich helfen kann und Menschen dankbar sind.

Ja dafür, weil ich Karten und Blumen bekomme.

Ja dafür, weil jeder Tag anders ist.

Ja, weil mir nichts Menschliches mehr fremd ist.

Und ein dickes Ja für den Beruf, meinen Beruf, weil ich nach 17 Jahren immer noch gerne zur Arbeit fahre! 😉

Machtmallauter- Bruno Mars – Locked out of heaven

Extremer Guter Laune Song von Bruno Mars. In Kombination mit den Calendar Girls von Victoria Secret macht er noch mehr Spaß!

Mir gefällt der Oktober am besten (das ist die Hexe, die die Zunge herausstreckt).

Ich wollte nur Bruno Mars sehen. Aber wenn ich mir die models so ansehe, arbeite ich jetzt an meiner nächsten Diät und lasse doch lieber heute die Spekulatius weg. 😉