Wie gesagt

Wie gesagt, wenn Patienten und Angehörige ein Krankenhaus betreten, verlieren sie häufig Manieren und Selbstständigkeit. Oder auch beides.

Ich laufe über den Flur. Sehe eine neue Patientin in der Wartezone sitzen.

Begrüße sie. Kundenfreundlichundso : „Guten Morgen!“

Patientin beguckt mich mißtrauisch: „Brauche einen Friseur.“

Aus den Augenwinkel sehe ich zeitgleich, wie Schwester Iris versucht einen Privatpatienten im Rollstuhl in sein Zimmer zu schieben. Herr Vonundzu klammert sich an der Tür fest, rammt Iris die Ellenbogen in die Seite.

Das sei kein Luxusprivatzimmer! Der Kühlschrank fehlt! Und die Baustelle! Nicht mit ihm!

Weiter gehts im Aufzug (Memo an mich, Treppe ist besser für die Gesundheit und die Nerven).

Ein Ehepaar betritt die Bühne: „Wo müssen wir hin?“

Habe ich eine Kristallkugel? Wir klären, dass es eine Etage höher geht in die Ambulanz. Ich drücke den richtigen Knopf für sie. Die Aufzugtür geht auf. Ich erkläre, dass sie jetzt aussteigen sollen. Das Ehepaar guckt mich fragend an. „Durch die Tür?“

Ja, wodurch sonst? Himmelkruzifix. Meine Geduld besteht aus einem hauchdünnen Faden.

Weiter gehts beim Friseur.

Neben mir sitzt eine Betondauerwelle. Nachdem ich mir sämtliche Berichte von Magenspiegelungen, Darmspiegelungen und Blutzucker anhören musste, wird die Abholung der Dauerwelle organisiert. Die Friseurin telefoniert hinter dem Sohn her. Dann wird die Dauerwelle in die beige Steppjacke gepackt.

Die Friseurin fragt: „Welcher Ärmel zuerst?“ Halstuch wird umgebunden. Der Rollator zurechtgestellt. Und noch ein Tässchen Kaffee mit Keks bis der Sohn da ist.

Der Sohn trifft ein. Möchte auch noch mal eben die Haare geschnitten haben.

Mokiert sich darüber, dass es ein Terminsalon ist. Kundenunfreundlich sei das.

Wie gesagt.